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Vatican News

Historische Begegnung im Irak: Papst trifft Schiiten-Führer

Ein kleiner Schritt für zwei ältere Herren, aber ein großer Schritt für das Miteinander der Religionen: Papst Franziskus hat den Schiiten-Führer Ali Sistani getroffen.

Für die Begegnung mit dem wichtigsten Repräsentanten des schiitischen Islam außerhalb des Iran flog der Papst am zweiten Tag seiner Irakreise eigens in das zentralirakische Nadschaf. In der Stadt, die nur dreißig Kilometer von den Ruinen des antiken Babylon entfernt ist, ist der Vetter und zugleich Schwiegersohn des islamischen Propheten Mohammed begraben; es ist der Imam Ali, der am Ausgangspunkt des schiitischen Islam steht. Sein von einer Goldkuppel überwölbtes Grab ist eine der Heiligen Stätten des Islam und Wallfahrtsort für Schiiten aus aller Welt.

Zum Nachhören - wie das Treffen mit dem Großajatollah im Irak war

Papst bedankt sich

Wie der vatikanische Pressesaal an diesem Samstag mitteilte, sei es eine Gelegenheit für den Papst gewesen, Großajatollah Ali Sistani zu danken, weil der muslimische Religionsführer zusammen mit der schiitischen Gemeinschaft angesichts der Gewalt und der großen Schwierigkeiten der letzten Jahre seine Stimme zur Verteidigung der Schwächsten und Verfolgten erhoben und die Heiligkeit des menschlichen Lebens und die Bedeutung der Einheit des irakischen Volkes bekräftigt habe.

Bei der Verabschiedung des Großajatollahs wiederholte der Papst sein Gebet zu Gott, dem Schöpfer von allem, für eine Zukunft des Friedens und der Geschwisterlichkeit für das geliebte Land Irak, für den Nahen Osten und für die ganze Welt.

Treffen in der Residenz

Franziskus traf den 90-jährigen Großayatollah in dessen Residenz im Innern des Wallfahrtsgeländes. Der Islamgelehrte, der die bekannte Hochschule von Nadschaf leitet, ist eine der respektiertesten Stimmen im schiitischen Islam; er äußert sich moderat und spricht sich für ein friedliches Zusammenleben von Angehörigen der verschiedenen Religionen im Islam aus. Auch im Iran hat Sistani viele Anhänger – nicht nur wegen seiner moralisch-theologischen Autorität, sondern auch wegen seines karitativen Engagements.

Vatikanflagge in Nadschaf
Vatikanflagge in Nadschaf

Franziskus‘ Abstecher zu Sistani nach Nadschaf war ein Höflichkeitsbesuch – und doch mehr als das. Immerhin bedeutete er die erste direkte Begegnung eines Papstes mit dem schiitischen Großayatollah. Schiiten stellen nur gute zehn Prozent der Muslime insgesamt in aller Welt, doch im Irak und auch im benachbarten Iran machen sie die Mehrheit der Bevölkerung aus. Der Vatikan unterhält seit Jahrzehnten Beziehungen zu schiitischen Theologen, vor allem im Iran.

Ansprachen wurden bei der Begegnung des Papstes mit Sistani nicht gehalten. Nach dem Treffen brach Franziskus nach Nassirija auf, um vor den Ruinen der antiken Stadt Ur an einem Friedensgebet der Religionen im Gedenken an Abraham teilzunehmen.

Nationaler Tag der Toleranz

Eine bleibende Erinnerung an das Treffen wird es auch in der irakischen Bevölkerung geben: wie der irakische Premierminister Mustafa al-Kadimi per Twitter angekündigt hat, wird der 6. März in Zukunft als Nationaler Tag der Toleranz begangen werden.

(vatican news – sk/mg)
 

06 März 2021, 08:50