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Franziskus bei der Audienz für die Delegation aus Ravenna Franziskus bei der Audienz für die Delegation aus Ravenna  (Vatican Media)

Der Papst und der Dichter

1321 starb er im Exil in Ravenna, fern seiner Heimat Florenz. 700 Jahre später aber ist der Autor der „Göttlichen Komödie“ unvergessen: In diesen Tagen startet das Festjahr, das auf Dante Alighieris 700. Todestag im September nächsten Jahres hinsteuert.

Mit einer Audienz für eine Delegation aus Ravenna, wo Dante begraben liegt, hat Papst Franziskus an diesem Samstag das Seine zu den Feierlichkeiten beigetragen.

„In Ravenna hat er seinen irdischen Weg vollendet und dieses Exil abgeschlossen, das seine Existenz so geprägt und auch sein Schreiben inspiriert hat. Es hat ihn aufgewühlt, ihn aber auch letztlich zu sich finden lassen. Das lässt uns gleich an die Bibel denken: an das Exil des Volkes Israel in Babylonien, das zu den Grundmustern der biblischen Offenbarung gehört. Auf vergleichbare Weise wurde das Exil für Dante so bedeutend, dass es einen Interpretationsschlüssel nicht nur für sein Leben bietet, sondern für die Reise jedes Mannes und jeder Frau in der Geschichte und über die Geschichte hinaus.“

Dante als Prophet der Hoffnung

Der Papst, der selbst ein Nachfahre italienischer Auswanderer nach Argentinien ist, führte diesen Gedanken nicht weiter aus; doch natürlich dachte er da an die Migranten- und Flüchtlingsströme, die unsere heutige Zeit noch stärker prägen als die Zeit Dantes.

„Dante starb in Ravenna, wie Boccaccio notiert, ‚am Tag, an dem die Kirche Kreuzerhöhung feiert‘. Da kommt uns das goldene Kreuz in den Sinn, das der Dichter bestimmt in der kleinen blauen Kuppel des Mausoleums der Galla Placidia in Ravenna gesehen hat (…). 1965 hat der heilige Papst Paul VI. Ravenna ein goldenes Kreuz für das Grab Dantes geschenkt. Dieses Kreuz wird zum Festjahr jetzt wieder an dem Ort leuchten, der die sterblichen Überreste des Dichters birgt. Möge es eine Einladung zur Hoffnung sein – einer Hoffnung, zu deren Prophet Dante sich gemacht hat.“

„Von der furchtbaren Schau der Hölle zur seligmachenden Schau des Paradieses“

Franziskus hofft, wie er weiter sagte, dass das Dante-Festjahr für viele ein Anlass sein wird, um die „Göttliche Komödie“ wieder mal zur Hand zu nehmen. Dann würden wir „uns unseres Daseins als Menschen im Exil neu bewusst und könnten uns angestachelt fühlen, wieder den Weg der Bekehrung von der furchtbaren Schau der Hölle zur seligmachenden Schau des Paradieses einzuschlagen“.

„Dante lädt uns einmal mehr dazu ein, den verlorenen oder verdunkelten Sinn unseres irdischen Wegs wiederzufinden. Manchmal wirkt es zwar so, als hätten diese sieben Jahrhunderte zwischen uns eine nicht zu überwindende Distanz geschaffen – aber etwas sagt uns, dass das in Wirklichkeit nicht so ist. Junge Leute nämlich, die heute die Dichtung Dantes in einer für sie zugänglichen Weise kennenlernen, fühlen eine überraschende Resonanz.“

Zum Nachhören

Zwei Zitate in einem Satz

Der Papst zitierte noch, in einem einzigen Satz, die ersten und die letzten Verse der „Divina Commedia“ und versprach dann, nächstes Jahr gegebenenfalls zum Thema Dante „eine noch längere Betrachtung“ vorzulegen. Ob das schon die Ankündigung der nächsten Enzyklika war? Schließlich hat sich ja auch Benedikt XVI. zu seiner ersten Enzyklika Deus caritas est von 2005 von den letzten Zeilen  der „Divina Commedia“ anregen lassen. Und Benedikt XV. widmete dem göttlichen Dante gar zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine eigene Enzyklika.

(vatican news – sk)
 

10 Oktober 2020, 12:45