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Vatican News
Rettungskräfte im Einsatz in Corinaldo 2018 Rettungskräfte im Einsatz in Corinaldo 2018  (ANSA)

Papst: „Ein Kind verlieren ist so schmerzhaft, dass es dafür keine Worte gibt“

Wer keine Eltern mehr hat, ist ein Waisenkind; wer seinen Lebenspartner verliert, ist Witwer oder Witwe. Es fehle aber ein Begriff, wenn das eigenes Kind stirbt. Auch darin zeige sich der große Schmerz der Hinterbliebenen, sagte der Papst an diesem Samstagvormittag im Vatikan. Er empfing dort Angehörige, die ihre Lieben vor zwei Jahren bei einer Massenpanik verloren. Diese war im Dezember 2018 in einer Diskothek im mittelitalienischen Corinaldo ausgebrochen; es starben fünf Jugendliche und eine Mutter.

Mario Galgano – Vatikanstadt

Es war am Hochfest der Empfängnis Mariens, als in der Nähe von Ancona nach einer Panikattacke hunderte von Jugendliche aus der Disko flüchten wollten. Am Ausgang wurden etliche von der Maße zerquetscht. Der Papst war schockiert von der Nachricht. Jetzt wollte er die Familienangehörigen der Opfer treffen.

 

Zum Nachhören

 

Mit Blick auf den Schmerz der Anwesenden schilderte Franziskus im Vatikan die Tragödie des Verlustes einer Tochter oder eines Sohnes, wobei ihm die Worte fehlten:

„Wenn wir einen Vater oder eine Mutter verlieren, sind wir Waisen: Es gibt einen bestimmten Begriff dafür. Waise oder Waisenkind. Wenn ein Ehepartner in der Ehe stirbt, dann ist der Verbleibende ein Witwer oder eine Witwe: auch dafür gibt es einen Begriff. Aber wenn man ein Kind verliert, gibt es keine Bezeichnung. Der Verlust eines Kindes kann aber nicht ausgedrückt werden. Man hat das Kind verloren, und dann? Nein, man ist dann weder Waise noch Witwe oder Witwer. Man hat eine Tochter oder einen Sohn verloren. Ohne einen passenden Begriff steht man da. Es gibt keinen. Das ist auch Ausdruck eures großen Schmerzes, der großen Trauer.“

Die Audienz mit Papst Franziskus diesen Samstag
Die Audienz mit Papst Franziskus diesen Samstag

Nicht vergessen

Der Dank des Papstes richte sich an die Anwesenden dafür, dass sie den Schmerz, der sie quäle, mit ihm teilen und mit ihm beten wollten. Das sei auch der Grund für das Treffen an diesem Samstag gewesen, aber es müsse, so Franziskus auch dazu beitragen, das Risiko des Vergessens zu überwinden:

„Ich erinnere mich, dass ich damals, als die Tragödie geschah, darüber erschüttert war. Aber mit der Zeit - und leider mit der Abfolge vieler, zu vieler menschlicher Tragödien - läuft man Gefahr, sie alle zu vergessen. Dieses Treffen hilft mir und der Kirche, nicht zu vergessen, die Opfer in meinem Herzen zu behalten und vor allem ihre Lieben dem Herzen Gottes, des Vaters, anzuvertrauen.“

(vatican news)

12 September 2020, 12:15