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Papst Franziskus vergangenen Sonntag beim Gebet in Santa Maria Maggiore. Mit welchen Worten er sich an Gott wandte, sagte er nun in einem Interview Papst Franziskus vergangenen Sonntag beim Gebet in Santa Maria Maggiore. Mit welchen Worten er sich an Gott wandte, sagte er nun in einem Interview   (ANSA)

Papst im Interview: „Herr, stoppe die Epidemie“

Franziskus hat der italienischen Tageszeitung „La Repubblicca“ (Mittwochsausgabe) ein Interview gegeben. Darin ruft er alle zu Solidarität und Nächstenliebe auf. Und erklärt: „Ich habe den Herrn gebeten, diese Epidemie zu stoppen.“

„Ich habe den Herrn gebeten, diese Epidemie zu stoppen: Herr, halte sie mit deinen Händen auf. Dafür habe ich gebetet“ – so lautet die Antwort des Pontifex auf die Frage, welches Gebet er vergangenen Sonntagnachmittag in Santa Maria Maggiore und San Marcello al Corso gesprochen habe.

„Das Konkrete in den kleinen Dingen wieder entdecken, die kleinen Aufmerksamkeiten, gegenüber denen, die uns nahe sind“

Der Vatikanist Paolo Rodari wollte weiter vom Papst wissen, wie schwierige Zeiten am besten anzugehen seien. Darauf Franziskus: „Wir müssen das Konkrete in den kleinen Dingen wieder entdecken, die kleinen Aufmerksamkeiten gegenüber denen, die uns nahe sind, Familie, Freunde. Wir müssen verstehen: Die kleinen Dinge sind unser Schatz. Es gibt minimale Gesten, die manchmal in der Anonymität des Alltags untergehen – Gesten der Zärtlichkeit, der Zuneigung, des Mitgefühls, die dennoch entscheidend sind, bedeutend. Das kann zum Beispiel ein warmes Essen sein, ein Streicheln, eine Umarmung oder ein Telefonat…Es sind vertraute Gesten der Aufmerksamkeit gegenüber den Details jedes einzelnen Tages. Sie sorgen dafür, den Sinn im Leben zu sehen und dass es Gemeinschaft und Kommunikation unter uns gibt.“

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Zuhören ist wichtig

Franziskus stellt zugleich klar, dass eine rein digitale Kommunikation nicht ausreicht. „Manchmal gibt es nur eine virtuelle Kommunikation. Wir müssen aber vielmehr eine neue Nähe entdecken. Eine konkrete Beziehung, die aus Aufmerksamkeit und Geduld besteht. Familien essen oft gemeinsam in großer Stille, die jedoch nicht aus gegenseitigem Zuhören rührt. Sondern, weil die Eltern Fernsehen schauen, während die Kinder essen und mit ihrem Handy beschäftigt sind. Es scheint, als wären sie einsame Mönche, der eine isoliert vom andren. Da gibt es keine Kommunikation. Zuhören ist aber wichtig, denn so erkennen wir die Bedürfnisse der anderen, ihre Nöte, Schwierigkeiten, Wünsche. Es gibt eine Sprache der kleinen Gesten, die wir bewahren müssen. Meiner Meinung nach sollen die Schmerzen dieser Tage uns helfen, uns für diese konkreten Dinge zu öffnen.“

„Trost zu spenden muss jetzt Aufgabe aller sein“

Besonders gedenkt Franziskus in dem Interview dem Gesundheitspersonal, den freiwilligen Helfern, sowie den Familien der Opfer: „Ich danke allen, die sich für andere aufopfern. Ihr seid ein Beispiel dieser Konkretheit. Ich bitte alle, die Leuten nahe sind, die ihre Lieben verloren haben, ein Beispiel solcher Konkretheit zu sein, indem sie sie auf jede nur erdenkliche Weise begleiten. Trost zu spenden muss jetzt Aufgabe aller sein.“

Jeder kann Hoffnug haben

Letzlich lädt der Pontifex auch alle ein, Hoffnung zu haben, auch Leute, die nicht glauben:

„Wir sind alle Kinder Gottes, die er im Blick hat. Auch wer ihn noch nicht getroffen hat, das Geschenk des Glaubens nicht empfangen hat, kann dort den Weg finden, im Guten, an das er glaubt: Er kann Kraft schöpfen aus der Liebe für seine Kinder, seine Familie, die Geschwister. Er kann sagen: ,Ich kann nicht beten, weil ich nicht glaube.‘ Gleichzeitig kann er aber dennoch an die Liebe der Menschen um ihn herum glauben und dort Hoffnung finden.“

(vatican news – sst)

18 März 2020, 10:07