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Vatican News
Papst Franziskus in Abu Dhabi Papst Franziskus in Abu Dhabi  (ANSA)

Papstreise nach Abu Dhabi: So war’s

Stefan Kempis hat für uns die erste Reise eines Papstes auf die Arabische Halbinsel vor Ort mitverfolgt. Wir fragten ihn nach seinen Eindrücken.

Stefan von Kempis – Abu Dhabi

„Ein interessanter, ein schöner Papstbesuch war das! Die Araber am Golf waren neugierig auf Franziskus; sie hatten das Gefühl, dass er ein warmherziger, spontaner Mensch sei und empfingen ihn darum mit offenen Armen. Über das Christentum haben sich die meisten Staatsbürger der Emirate wohl noch keine Gedanken gemacht; umso mehr werden sie an diesem Dienstag gestaunt haben, dass ihre Straßenfeger, Schuhputzer, Hausangestellten sich jetzt auf einmal als Katholiken herausstellten und ein ganzes Stadion in der Hauptstadt füllten. Das muss für viele Araber hier ein Aha-Erlebnis gewesen sein – und vielleicht auch für Interessierte aus dem Westen, die auf einmal feststellen, es gibt ja Christen in Arabien.

Für die Identität der aus aller Welt stammenden, hier am Golf arbeitenden Katholiken war diese Messe mit dem Papst etwas sehr Wichtiges. „Zum ersten Mal sieht sich die katholische Gemeinschaft hier selbst ins Gesicht“, hat das ein Kollege von mir formuliert. Zum ersten Mal merken auch die Katholiken der Emirate selbst: Wir sind ganz schön viele…

Eine ausgesprochen bunte, internationale Kirche hat hier sozusagen ihren Einstand gegeben auf der weltkirchlichen Bühne. Die Bilder waren erfrischend – auf ganz andere Weise doch eine Fortsetzung des Weltjugendtags von Panama, wo Franziskus vor zehn Tagen war. Dem Vernehmen nach sollen auch mehrere tausend Muslime mit im Stadion gewesen sein.

Am Rande bemerkt: Auch Messdienerinnen waren bei der Papstmesse ganz selbstverständlich dabei, eine – mit Pferdeschwanz, dem Aussehen nach vielleicht aus Indien – hielt Franziskus mehrmals das Mikro. So ein Orient tut gut!“

Aber die Begegnung mit den Katholiken war ja nur ein Element der Papstreise. Das andere, ungleich gewichtigere war der Dialog mit Muslimen. Hat die Reise in dieser Hinsicht Fortschritte gebracht?

„Sie hat sogar einen richtigen Coup gebracht: eine gemeinsame Erklärung des Papstes und des Großscheichs der al-Azhar-Universität nämlich. Wenn man so will: der erste gemeinsame Text der Spitzenvertreter von christlicher und islamischer Welt. Bis zuletzt war nicht klar, ob es zu diesem Text kommen würde; der Muslimische Ältestenrat hatte ihn angekündigt, das Vatikan-Programm schwieg allerdings zu diesem Punkt.

Man könnte denken, dass beide Seiten diesen Text so lange wie möglich geheimhalten wollten, damit er nicht noch in letzter Minute durch irgendein politisches Spiel wieder vom Tisch gefegt wird. Aber vielleicht war das in Wirklichkeit gar nicht so dramatisch, sondern nur eine von vielen Improvisationen und Imperfektionen dieser Reise. Sie war nicht optimal vorbereitet, womöglich lag das daran, dass sie einen ungewöhnlich kurzen zeitlichen Vorlauf hatte.“

Ist also dieses gemeinsame Dokument von Papst und Scheich der Hauptertrag der Reise?

„Ja und nein. Das Dokument ist sehr wichtig, weil es zu vielen Punkten Klartext redet und eine gemeinsame Sprache findet; dahinter kann man nicht mehr so leicht zurück. Aber das Entscheidende im Orient ist etwas anderes: Es geht nicht so sehr um Texte, es geht darum, sich zu kennen, Zeit miteinander zu verbringen, die Familie kennenzulernen, Freundschaft zu schließen. Darauf hat sich Papst Franziskus eingelassen – man stelle sich nur vor, dass er dem Großscheich aus Kairo in den letzten drei Jahren schon fünfmal begegnet ist! So häufig sehen die meisten Bischöfe ihren Papst nicht…

Wenn man den historischen Bogen noch weiter spannen will: Im Oktober 1986 hat der hl. Johannes Paul II. erstmals die Religionen der Welt zu einem Gebet um Frieden nach Assisi eingeladen – vor 33 Jahren also. Und jetzt hat die islamische Welt sich revanchiert und den Papst (er heißt mittlerweile Franziskus) zum ersten Mal zu sich nach Hause eingeladen.

Vielleicht ist das der Beginn einer wunderbaren Freundschaft…“

(vatican news)

06 Februar 2019, 10:19