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Eines der beiden Rettungsschiffe, die vor Malta ankern und mit 49 Menschen an Bord nicht einlaufen dürfen Eines der beiden Rettungsschiffe, die vor Malta ankern und mit 49 Menschen an Bord nicht einlaufen dürfen  (ANSA)

Malta und die Migranten auf dem Schiff: „Falscher Populismus in Europa"

Mit Blick auf die 49 Bootsflüchtlinge, die seit Weihnachten auf zwei privaten deutschen Rettungsschiffen vor Malta ankern und nirgendwo an Land gehen dürfen, hat der Bischof von Gozo auf Malta Europa zu mehr Mitleid und Solidarität aufgerufen. „Da ist ein falscher Populismus in der Gesellschaft von heute“, sagte Bischof Mario Grech im Gespräch mit Vatican News.

Gudrun Sailer und Antonella Palermo – Vatikanstadt

Papst Franziskus hatte beim Angelusgebet am Sonntag europäischen Politiker dazu aufgerufen, eine schnelle Lösung für die Migranten auf deutschen Rettungsschiffen zu finden, die seit Tagen vor Malta darauf warten, in einen Hafen einlaufen zu können. Franziskus habe jenen eine Stimme gegeben, die keine haben, „und da beziehe ich mich nicht nur auf die Leute auf den Schiffen, sondern auf so viele andere, die möchten, dass Europa eine Lösung findet“, so Grech.

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Der maltesische Bischof warnte vor einem falschen Populismus mit Blick auf die Migranten. „Da ist eine Instrumentalisierung dieser Situation im Gang, auch eine wirtschaftliche und politische Instrumentalisierung. Wir haben den 70. Jahrestag der Menschenrechte gefeiert, aber ich frage mich: wo sind diese Rechte? Wie kann es sein, dass die Gesellschaft derart unempfindlich dafür ist, die Grundrechte des Menschen zu verteidigen? Ich sehe ein, dass die Frage der Migranten sehr komplex ist, man muss sie mit viel Ruhe und Vorsicht angehen, aber auch mit viel Verantwortung. Wir können nicht Menschenleben ächten.“

Bischöfe sollen bei ihren Regierungen auf Solidarität mit Migranten drängen

Vergangene Woche hatten die katholischen Bischöfe Maltas um Unterstützung für die Migranten im Boot gebeten, und zwar ihre bischöflichen Mitbrüder im EU-Raum. Sie sollen bei ihren Regierungen auf „spürbare Solidarität" mit den Menschen auf „Sea-Watch 3" und „Professor Albrecht Penck" drängen.

Grech verdeutlichte, man wolle nicht allein die italienische Regierung in die Pflicht nehmen, die in dem Drama um geschlossene Häfen eine Hauptrolle spielt, sondern ganz Europa. „Leider ist Europa gealtert und hat den Schwung verloren“, so der 61-jährige Bischof. „Es gibt viel Angst und Desinformation, und das ist ein anderer Faktor, der das Treffen mutiger Entscheidungen verhindert.“ Ein solches zögerliches Verhalten zeige „unsere Armut heute: Armut nicht nur im materiellen Sinn, sondern Armut an Werten, um nicht zu sagen, auch Armut im Glauben. Wir sprechen von Europa, einem christlichen Kontinent: aber wo sind die christlichen Werte?“ Der Appell von Franziskus werde die Autoritäten hoffentlich genauso aufschrecken wie es seinerzeit die Weisen aus dem Morgenland auf dem Weg zum Jesuskind getan hätten.

Vatikan-Erzbischof Paglia schließt sich an

Dem maltesischen Bischof assistierte auch sein italienischer Mitbruder Vincenzo Paglia; er ist Präsident der Päpstlichen Akademie für das Leben. Im Gespräch mit TV2000 bezeichnete der Vatikan-Erzbischof die Entscheidung Maltas und Italiens, seine Häfen für die beiden deutschen Rettungsschiffe zu schließen, als „barbarisch“. Die 49 Migranten an Bord der „Hölle“ des Wintermeeres auszusetzen, sei eine „Verrücktheit“; die Aufnahme hilfsbedürftiger Menschen sei „ein Gründungsprinzip der Menschlichkeit“.

(vatican news)

08 Januar 2019, 12:59