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Die traditionelle Weihnachtsansprache des Papstes an die Kurie Die traditionelle Weihnachtsansprache des Papstes an die Kurie 

Papst an Kurie: Schwerwiegende Skandale in der Kirche, aber das Licht wird obsiegen

Bei seiner traditionellen Weihnachtsansprache vor der römischen Kurie hat Papst Franziskus die bisherigen Erfolge der Kurienreform gewürdigt. Mit Kritik an seinem Führungspersonal hielt sich der Papst diesmal zurück. Stattdessen lenkte er das Augenmerk der Kurie einmal mehr auf den Kampf gegen Missbrauch in der Kirche.

Christina Höfferer - Vatikanstadt

Außerdem sprach Franziskus über das Drama der Migration, über Menschen, die auf der Suche nach Perspektiven ihr Leben auf Spiel setzen und dann in reichen Ländern „vor verschlossenen Türen stehen“. „Wie viel Angst und wie viele Vorurteile! Wie viele Menschen und wie viele Kinder sterben täglich wegen Wasser- und Nahrungsmangel und aufgrund fehlender Medikamente! Wie viel Armut und Elend! Wie viel Gewalt gegen die Schwachen und gegen Frauen!“

Papst Franziskus drückte bei der Audienz an diesem Freitagvormittag im Vatikan sein tiefestes Bedauern aus, über Folter, Krieg, Unmenschlichkeit und Brutalität. Es sei eine neue Epoche der Märtyrer, die wir erlebten. Es fehle an Religions- und Gewissensfreiheit. Als ein heldenhaftes Beispiel nannte der Papst jenes der vielen guten Samariter, junger Menschen, Familien, karitativ und ehrenamtlich tätiger Vereinigungen sowie der vieler Gläubigen und Gottgeweihten. Doch sogleich erinnerte Franziskus auch an die Skandale, ausgelöst von Amtsträgern der Kirche, und prangerte dabei vor allem Missbrauch und Untreue an.

Ernsthafte Bemühungen der Kirche zur Beseitigung des Übels des Missbrauchs

Seit einigen Jahren bemüht sich die Kirche ernsthaft um die Beseitigung des Übels des Missbrauchs, das zum Herrn nach Vergeltung schreit, zu Gott, der nie das Leid vergessen wird, das viele Minderjährige durch Geistliche und Gottgeweihte erfahren haben: Missbrauch von Macht, Missbrauch des Gewissens und sexueller Missbrauch. Diese Amtsträger verletzten den Leib der Kirche, indem sie Skandale verursachten und den Heilsauftrag der Kirche und die aufopferungsvolle Hingabe vieler ihrer Mitbrüder und -schwestern in Misskredit brächten.

Keine Vertuschung und keine Unterbewertung

„Die Kirche wird nie versuchen, einen Fall zu vertuschen oder unterzubewerten. Es ist unbestreitbar, dass einige Verantwortungsträger in der Vergangenheit aus Leichtfertigkeit, ungläubiger Fassungslosigkeit, mangelnder Qualifikation, Unerfahrenheit oder wegen geistlicher und menschlicher Oberflächlichkeit viele Fälle ohne die gebotene Ernsthaftigkeit und nicht schnell genug behandelt haben. Das darf nie wieder vorkommen. Das ist der Wille und die Entscheidung der ganzen Kirche,“ stellte Franziskus fest.

Kinderschutz und sachliche Berichterstattung

In diesem Zusammenhang wies der Papst auf die für Februar geplante Kinderschutzkonferenz im Vatikan hin, und er dankte den Medien, dass sie sachlich und klar über die Missbrauchsfälle berichtet haben. Diejenigen, die Missbrauch begangen haben, so der Papst, sollen sich der weltlichen Justiz stellen und sich auf die göttliche Gerechtigkeit vorbereiten.

„Wir alle haben also, um das Licht Christi erstrahlen zu lassen, die Pflicht, jede geistliche Korruption zu bekämpfen. Unwahrheit, üble Nachrede, Egoismus und viele subtile Formen von Selbstbezogenheit.“

Die Freuden dieses Jahres

Dieses Jahr gab es auch zahlreiche Freuden, darunter das gute Gelingen der Synode für die Jugend, die laufende Kurienreform, die Schaffung von Transparenz im Bereich der Finanzen, die guten Ergebnisse, die die Vatikanbank IOR erzielt hat, das neue Gesetz des Staates der Vatikanstadt. Weiters hob der Papst die neuen Heiligen und Seligen hervor.

„Denken wir an die neuen Seligen und Heiligen; sie sind die „Edelsteine“, die das Antlitz der Kirche schmücken und in der Welt Hoffnung, Glauben und Licht ausstrahlen. Hier müssen die neunzehn Märtyrer Algeriens erwähnt werden.“ So Franziskus. Er bekundete Freude über die große Zahl der Gläubigen und jener, die ihre Berufung in Treue, Stille, Heiligkeit und Selbstverleugnung leben. Dabei gedachte er besonders der vielen Pfarrer, die jeden Tag ein gutes Beispiel geben, und ihr Leben in Einfachheit, Glauben, Hingabe, Heiligkeit und Nächstenliebe führen. Es handle sich bei diesen Pfarrern um Menschen, die von den Massenmedien vergessen werden, aber ohne die Dunkelheit herrschen würde.

Es sei also notwendig, fasste der Papst zusammen, dass wir unser Herz dem wahren Licht öffnen - Jesus Christus.

(vatican news)
 

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Eindrücke von der Audienz im Vatikan
21. Dezember 2018, 11:01