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Papst Franziskus über die Homosexualität: „Menschen begleiten“

Papst Franziskus hat sich mehrmals während seines Pontifikats zum Thema „Homosexualität“ geäußert und bei diesen Gelegenheiten die Lehre der katholischen Kirche bekräftigt. Wie es im Katechismus der katholischen Kirche heißt, dürfen Homosexuelle wegen ihrer sexuellen Orientierung nicht diskriminiert werden.

Mario Galgano – Vatikanstadt

Es geht Papst Franziskus beim Umgang mit homosexuellen Menschen vor allen Dingen um das Begleiten, wie er auf dem Rückflug aus Baku nach Rom am 2. Oktober 2016 sagte:

„Ich habe in meinem Leben als Priester, als Bischof – auch als Papst – Menschen mit homosexueller Tendenz und auch solche, die ihre Homosexualität praktizierten, begleitet. Ich habe sie begleitet, sie dem Herrn näher gebracht – einige sind dazu nicht fähig, aber ich habe sie begleitet – und nie habe ich jemanden im Stich gelassen. Das ist es, was man tun muss. Man muss die Menschen begleiten, wie Jesus sie begleitet. Wenn jemand, der in dieser Lage ist, vor Jesus tritt, wird dieser ihm sicher nicht sagen: ,Pack dich fort, denn du bist homosexuell!´ Nein.“

Beten, nicht verurteilen

Diese Begleitung fange bereits im Kindesalter an. Auf die Frage eines Journalisten beim Rückflug von Irland am 26. August 2018, was er Eltern eines möglicherweise homosexuellen Kindes sagen würde, antwortete Franziskus, er würde ihnen raten, „zu beten, nicht zu verurteilen, Gespräche zu führen, zu verstehen, dem Sohn oder der Tochter einen Platz zu geben“. In derselben Antwort sprach er von psychiatrischer Hilfe – meinte aber wohl psychologische Unterstützung – um darauf hinzuweisen, dass die Entwicklung eines Menschen immer als Ganzes betrachtet werden solle. „Es hat immer Menschen mit homosexuellen Neigungen gegeben“, sagte damals der Papst. „Ich würde nie sagen, dass Schweigen ein Gegenmittel ist. Seinen Sohn oder seine Tochter mit homosexuellen Tendenzen zu ignorieren, ist ein Mangel an Väterlichkeit oder Mütterlichkeit.“ Und weiter sagte er: „Dieses Kind hat ein Recht auf eine Familie, und dass die Familie es nicht hinauswirft.“ Nach Auffassung mancher Soziologen gingen Zeitenwenden auch mit einem vermehrten Auftreten bestimmter „sozialer und ethischer Phänomene“ einher, zu denen auch Homosexualität gehöre, so Franziskus.

Einen wichtigen Aspekt beim Umgang mit Homosexuellen misst Franziskus also der Rolle der Familie bei. Da er aber – wie es die katholische Kirche an sich hervorhebt – die Ehe als Keim der Familie betrachtet und diese nur aus der Bindung eines Mann mit einer Frau geschehen kann, wurde Franziskus auch in etlichen Medien kritisiert, weil er nicht explizit „andere Formen von Familien“ – also auch homosexuelle Paare – als „Familie“ bezeichnen würde, wie beispielsweise bei der Gebetsvigil am 11. August 2018 in Rom.

Kein Doppelleben

Kritik kam auch, als er die Homosexualität als „Modeerscheinung“ bezeichnete. In einem Interview-Buch, das im Dezember 2018 erschienen ist, sagte der Papst: „In unseren Gesellschaften scheint Homosexualität modisch zu sein, und dies beeinflusst in gewisser Weise auch das Leben der Kirche“, wird Franziskus in dem Gesprächsbuch zitiert. Dies bereite ihm Sorge. Mit einem kirchlichen Amt sei gelebte Homosexualität nicht vereinbar, stellte der Papst klar. Über homosexuelle Kleriker sagte er: „Es ist besser, wenn sie das Priesteramt niederlegen, als wenn sie ein Doppelleben führen.“ Allerdings gelte der Zölibat ja auch für heterosexuelle Männer, deshalb betreffe die „Keuschheit“ nicht nur homosexuelle Geistliche. „Die homosexuellen Priester, Ordensmänner und Ordensfrauen müssten angehalten werden, den Zölibat umfassend zu leben und vor allem voll verantwortlich zu sein“, sagte der Papst. Niemals dürften sie durch ein „Doppelleben“ Skandal erregen. Das betreffe sowohl homo- als auch heterosexuelle Geistliche.

Hier gibt also der Papst eine grundlegende Präzisierung: man muss zwischen Person und Tat unterscheiden. Das hatte er beispielsweise bereits zu Beginn seines Pontifikats klargestellt, als er den berühmten Satz äußerte: „Wer bin ich, ihn zu richten.“ Dieses Zitat von Franziskus zum Thema Homosexualität aus seinem ersten Amtsjahr ist eines seiner bekanntesten überhaupt. Von manchen wurde es als Trendwende in der katholischen Lehre missverstanden, doch der Papst sagte an dieser Stelle genau das, was der Katechismus der katholischen Kirche betont. Beim Rückflug vom Weltjugendtag in Rio sagte der Papst am 28. Juli 2013:

„Wenn einer Gay ist und den Herrn sucht und guten Willen hat – wer bin dann ich, ihn zu verurteilen? Der Katechismus der Katholischen Kirche erklärt das sehr schön, aber er sagt: Halt! Diese Menschen dürfen nicht an den Rand gedrängt werden, sie müssen in die Gesellschaft integriert werden. Das Problem liegt nicht darin, diese Tendenz zu haben, nein, wir müssen Brüder und Schwestern sein, denn das ist nur ein Problem von vielen. Das eigentliche Problem ist, wenn man aus dieser Tendenz eine Lobby macht: Lobby der Geizhälse, Lobby der Politiker, Lobby der Freimaurer – so viele Lobbies. Das ist für mich das schwerwiegendere Problem. Und ich danke Ihnen sehr, dass Sie diese Frage gestellt haben.“

Gott liebt dich so - Der Papst liebt dich so

Dieses Ernstnehmen und die Begleitung zeigt sich darin, dass Franziskus im Umgang mit Homosexuellen keine Berührungsängste zeigt. So hatte er im April 2018 in seiner Residenz für eine Woche den Chilenen Juan Carlos Cruz zu Gast, der als Jugendlicher von einem Priester missbraucht worden war. Cruz erklärte anschließend, er habe sich vom Papst auch mit seiner Homosexualität ernst- und angenommen gefühlt. Der Papst habe ihm gesagt: „Gott hat dich so geschaffen. Gott liebt dich so. Der Papst liebt dich so, und du solltest dich selbst lieben und dir keine Gedanken machen, was die Leute darüber sagen.“

Eine Linie ist für Franziskus freilich überschritten, wenn Geistliche, die unter dem Gelübde der Ehelosigkeit stehen, eine Beziehung leben. So kam es zum Eklat, als der Priester Krzysztof Charamsa, Mitarbeiter der Glaubenskongregation, 2015 der Medienöffentlichkeit seinen Lebensgefährten bekanntmachte und somit seine Arbeitsstelle aufgab.

Während einige den Papst kritisierten, er sei doch zu wenig „offen“ gegenüber der Homosexualität, gibt es wiederum von anderen den Vorwurf, die Kirche müsse „strenger“ gegen Homosexualität vorgehen. Es handelt sich um jene Kreise, die einen Zusammenhang von Homosexualität mit dem sexuellen Missbrauch herstellen. Doch hier spricht Papst Franziskus das Problem des Klerikalismus an, wie er es auch in dem bereits genannten Interviewbuch vom Dezember 2018 tat. Es gilt also, im Bereich der Missbrauchsbekämpfung eine wichtige Unterscheidung vorzunehmen: nicht Homosexualität ist das primäre Problem, sondern die krankhafte Einstellung des Täters.

(vatican news/kna)

04 Dezember 2018, 15:56