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Papst beim Treffen mit Jesuiten in Chile Der Papst beim Treffen mit Jesuiten in Chile  (Vatican Media)

Papst trifft mehrmals im Monat ehemalige Missbrauchsopfer

Papst Franziskus trifft sich laut eigener Aussage regelmäßig mit Missbrauchsopfern. Es sei wichtig zu hören, was sie empfinden, sagte er bei einem Gespräch mit Ordensleuten bei seiner jüngsten Lateinamerika-Reise im Januar. Vatikansprecher Greg Burke bestätigte an diesem Donnerstag, Franziskus empfange sowohl Einzelpersonen als auch Gruppen, höre ihnen zu und versuche dabei zu helfen, „die schweren Wunden zu heilen“.

Mario Galgano – Vatikanstadt

Die Begegnungen erfolgen laut Burke „im Respekt vor den Opfern und ihrem Leid“ stets unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Die Bestätigung Burkes bezieht sich auf Auszüge aus einem Gespräch des Papstes mit Jesuiten während seiner Reise nach Lima (Peru), die nun von der italienischen Jesuitenzeitschrift „La Civiltà Cattolica“ veröffentlicht wurden. Die Auszüge wurden am Donnerstag in der italienischen Tageszeitung „Corriere della Sera“ veröffentlicht. 

Franziskus habe seinen Mitbrüdern gesagt, dass sexuellen Missbrauch in der Kirche absolut nicht hinnehmbar sei. Der Verweis auf Statistiken, laut denen die Missbrauchsrate in anderen Bereichen, etwa in der Familie oder im Sport, weitaus höher seien, schmälere die Schuld der Kirche keinesfalls, wird er zitiert.

Die Missbrauchsfälle bezeichnete der Papst in seinem Gedankenaustausch mit den Jesuiten als „größte Verwüstung“ und „Krebsgeschwüre“ der Kirche, angesichts derer man sich „zutiefst schämen“ müsse. Es sei aber „seltsam“, so der Papst, dass das Phänomen des Missbrauchs auch einige neue und wohlhabende Ordensgemeinschaften betreffe. „Dort ist Missbrauch stets die Frucht einer machtversessenen Mentalität, die in ihren üblen bösen Wurzeln geheilt werden muss“, sagte Franziskus. Bei der Papstreise nach Chile und Peru Mitte Januar waren auch Missbrauchsfälle ein wichtiges Thema.

 

Papst: „Ich lese keine kritischen Blogs“

 

Es sei ihm bewusst, dass Veränderungen in der Kirche nicht für alle einfach seien, so der Papst in einem weiteren Gesprächsauszug. Gespräche mit Mitgliedern seines Jesuitenordens hat Franziskus sowohl in Lima als auch wenige Tage zuvor in Santiago, der Hauptstadt von Chile, geführt. Die Erneuerung sei wichtig, bekräftigte  der Papst in den nun veröffentlichten Zitaten.

„Das berühmte 'Das haben wir schon immer so gemacht' regiert überall, es ist eine große Versuchung, die wir alle schon erlebt haben“, so der Papst. Er wisse auch über die Kritik an seiner Person Bescheid, lese aber die entsprechenden Blogs nicht persönlich. „Um meiner geistigen Gesundheit willen lese ich die Internetseiten dieser sogenannten ,Widerständler´ nicht“, sagte er. Er wisse, wer dahinter stehe, und wenn es etwas „sehr Ernstes“ gebe, werde er darüber informiert, so der Papst. Er suche zunächst immer den Dialog; wenn dies nicht möglich sei, bete er für die Betroffenen.

Es sei ihm ein Anliegen, immer auch zu unterscheiden: „Es ist leicht zu sagen, dass es Widerstand gibt, und nicht zu merken, dass in dieser Auseinandersetzung auch ein Funken Wahrheit stecken könnte.“ Deshalb versuche er die Dinge zu relativieren, denn oftmals stelle sich im Nachhinein heraus, dass es im Grunde um Missverständnisse gehe. Manchmal komme der Widerspruch jedoch auch „von Leuten, die glauben, die wahre Kirchenlehre zu kennen, und sie beschuldigen dich der Häresie“, so Franziskus.

Wenn in dem, was gesagt und geschrieben werde, nichts „spirituell Gutes“ sei, bete er für diese Menschen. Besonders enttäuscht sei er, wenn er sehe, dass es ganze „Widerstands-Kampagnen“ gebe. Der Papst verwies darauf, dass Veränderungen stets auch von Kritik begleitet würden. So gebe es etwa auch heute noch Versuche, das Zweite Vatikanische Konzil „zu relativieren, zu verwässern“.

(vatican news/kna/corriere della sera)

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15 Februar 2018, 13:31