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Symbolbild assistierter Suizid Symbolbild assistierter Suizid 

Wissenschaftler fordern: Mehr „Hilfe zum Leben“ statt Suizidhilfe

In einem gemeinsamen Aufruf haben mehr als 30 renommierte Wissenschaftler aus Deutschland, Österreich und der Schweiz eine sachliche Diskussion zu assistiertem Suizid angemahnt.

Die Experten appellieren darin an Politik und Gesellschaft, sich gründlich mit „Fehlinformationen und Mythen" in der Sterbehilfe auseinanderzusetzen. Sie fordern außerdem eine sachliche Debatte, um Vorurteile zu überwinden und ethische Fragen transparent zu behandeln. Die „Schloss Hofener Thesen 2023 zu Suizidprävention und Assistiertem Suizid" wurden im September veröffentlicht und bekommen mit Blick auf den Welttag für seelische Gesundheit (World Mental Health Day) am 10. Oktober besonderes Gewicht. 

In den Thesen, die auf Schloss Hofen in Lochau am Bodensee unterzeichnet wurden, betonen die Wissenschaftler, dass es nicht die Aufgabe der Gesellschaft sei, den assistierten Suizid zu fördern. Stattdessen betonen die Unterzeichner die Verantwortung des Staates für das Wohl und den Schutz seiner Bürger und fordern verstärkte Maßnahmen zur  „Hilfe zum Leben". Jeder Mensch in einer suizidalen Krise sollte angemessene menschliche und fachliche Unterstützung erhalten, so die Forderung der Fachleute.

Finanzielle Aspekte im Blick

Besondere Bedenken äußern die Experten hinsichtlich sozialen oder finanziellen Drucks, der Menschen zur Nutzung von Suizidassistenz-Diensten zwingen könnte. Sie warnen davor, dass der assistierte Suizid nicht mit Kosteneinsparungen im Gesundheitswesen oder der Altersvorsorge in Verbindung gebracht werden sollte. Stattdessen solle der Fokus auf der Förderung von personeller Betreuung und Pflege älterer Menschen zu Hause liegen. Die Schaffung von „sorgenden Gemeinschaften" wie Mehrgenerationenhäusern, verbesserte Demenzbetreuung und Nachbarschaftshilfe werden als mögliche Lösungen hervorgehoben.                 

Mehr Forschung zu Motiven und Folgen

Die Unterzeichner betonen, dass die Beteiligung an Selbsttötungen keine ärztliche oder pflegerische Aufgabe ist und niemand dazu gezwungen werden darf, assistierte Suizide zuzulassen oder zu unterstützen. Sie plädieren für eine umfassende Berücksichtigung ethischer und humanistischer Traditionen im Kontext von Suizid und Suizidassistenz. Zudem fordern sie eine intensivere Forschung über die Motive und Folgen des assistierten Suizids für die Betroffenen und ihre Angehörigen.

Der Maßstab für die Humanität einer Gesellschaft

In einem weiteren Punkt betonen sie, dass die Gesellschaft in der Art und Weise, wie sie mit dem Thema Suizid umgehe, ein Maßstab für ihre Humanität und Solidarität, betonen die Verfasser der Thesen. Dies gelte insbesondere für Menschen in Not, alte Menschen sowie Menschen mit schweren psychischen und/oder körperlichen Beeinträchtigungen sowie sozial benachteiligte Menschen.

Prominente Unterzeichner

Unterstützt werden die  „Schloss Hofener Thesen" in Deutschland von der Gesellschaft für Suizidprävention (DGS), dem Nationalen Suizidprogramm (NaSPro), dem Werner Felber Institut für Suizidprävention und interdisziplinäre Forschung im Gesundheitswesen, dem Hospiz- und PalliativVerband (DHPV) und der Gesellschaft für Psychoanalyse, Psychotherapie, Psychosomatik und Tiefenpsychologie (DGPT).  In Österreich haben sich die Gesellschaft für Suizidprävention (ÖGS), die Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik (ÖGPP), die Palliativgesellschaft (OGP), die AG Suizidalität und psychiatrisches Krankenhaus sowie in der Schweiz die Hippokratische Gesellschaft angeschlossen.

 (kap/pm - sb)

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05. Oktober 2023, 13:38