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D: Freiburger Aufarbeitungskommission fordert konkrete Maßnahmen

Die Aufarbeitungskommission prangert besonders die Machtstrukturen an und solidarisiert sich mit den Opfern. Außerdem gibt der frühere Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch sein Bundesverdienstkreuz zurück.

Am Donnerstagabend diskutierten Mitglieder der Aufarbeitungskommission und des Erzbistums in einer Podiumsdiskussion über die Konsequenzen der Missbrauchsstudie. Wie berichtet war die Studie am Dienstag veröffentlicht worden und hatte für Erschütterung gesorgt. Unabhängige Fachleute hatten dafür beispielhaft 24 Fälle von 1945 bis heute untersucht und alle Personalakten von Priestern des Erzbistums ausgewertet sowie 180 Zeugen – Betroffene und Beschuldigte – befragt.

Magnus Striet, Vorsitzender der Aufarbeitungskommission, forderte konkrete Maßnahmen, die auf Machtkontrolle, bessere Ausbildungsstrukturen für Seelsorger und die Begleitung von Priestern in ihrem Arbeitsalltag abzielen. Ein entsprechender Katalog soll im Oktober vorgestellt werden.

Der Freiburger Generalvikar Christoph Neubrand sagte Missbrauchsbetroffenen bestmögliche Hilfen zu. Gleichzeitig müsse man kirchliche Strukturen überprüfen und Macht begrenzen: Auch Bischöfe müssten in ein System von Kontrolle und Gewaltenteilung eingebunden sein.

Missbrauch besonders für Kinder schlimm

Besonders Kinder erlebten Missbrauch als Gefühl der Vernichtung, sagte Elisabeth Lammert, Vize-Kommissionsvorsitzende und Fachärztin für Psychiatrie. „Der Körper stellt dann auf ein Programm des reinen Überlebens um. Und diese Überlebensangst kann dann später immer wieder völlig unvermittelt wach werden.“ Oft könnten Therapien helfen, dies gelinge aber „längst nicht immer.“

Erste Konsequenzen zeichnen sich bereits ab: Nachdem ihm im Missbrauchsbericht Rechtsbrüche, Täterschutz und die Vertuschung sexualisierter Gewalt vorgeworfen werden, gibt der emeritierte Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch (2008-2014) das deutsche Bundesverdienstkreuz zurück. Die Auszeichnung war dem ehemaligen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz 2014 aufgrund „seiner Verdienste um Kirche und Gesellschaft“ verliehen worden.

Zollitsch verzichtet zudem auf das „Privileg“, im Freiburger Münster beigesetzt zu werden. Nach Angaben seines Sprechers verzichte der 84-jährige „bereits seit geraumer Zeit im Stillen“ darauf, seine bischöflichen Privilegien auszuüben.

(kath.ch/kna – fg)

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21. April 2023, 13:45