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Einer der Beobachter ist Kardinal Anders Arborelius von Stockholm Einer der Beobachter ist Kardinal Anders Arborelius von Stockholm 

D: Apostolische Visitation steht bevor

Die von Papst Franziskus beauftragten Beobachter werden laut dem Kölner Generalvikar Markus Hofmann ab der kommenden Woche zur Apostolischen Visitation in Köln sein. Einer der Visitatoren habe sich schon gemeldet.

„Wir werden Ihnen alles zur Verfügung stellen, was Sie brauchen: an Logistik, an Unterstützung, an Informationen natürlich. Sie werden uns dann mitteilen, was sie möchten, wie Sie vorgehen möchten“, sagte Hofmann am Sonntag dem diözesaneigenen Portal domradio.de.

In einem ungewöhnlichen Schritt hatte der Papst am Freitag eine offizielle Überprüfung für die deutsche Erzdiözese angeordnet. Dazu ernannte er den Stockholmer Kardinal Anders Arborelius und den Rotterdamer Bischof Hans van den Hende zu Apostolischen Visitatoren. Diese sollen sich in der ersten Junihälfte „vor Ort ein umfassendes Bild von der komplexen pastoralen Situation im Erzbistum Köln verschaffen“. Außerdem sollen sie untersuchen, ob der Kölner Erzbischof Kardinal Rainer Maria Woelki, der Hamburger Erzbischof Stefan Heße und die freigestellten Kölner Weihbischöfe Dominikus Schwaderlapp und Ansgar Puff Fehler gemacht haben beim Umgang mit Fällen sexuellen Missbrauchs.

Stockholmer Kardinal hat sich schon gemeldet

Kardinal Arborelius habe sich bereits bei Kardinal Woelki gemeldet, berichtete Hofmann weiter: „Es gibt demnächst sicher das eine oder andere Telefonat zwischen den beiden Kardinälen, um die Dinge vorzubereiten.“ Die Visitatoren entschieden dann selbst, wie sie vorgehen möchten: „Wir werden sie dabei nach Kräften unterstützen.“ Es gebe auch schon Gesprächswünsche, so der Generalvikar weiter: „Der Diözesanrat hat sich schon gemeldet und die Visitatoren zur Vollversammlung am 16. Juni eingeladen. Es gibt sicherlich weitere Gruppen, Kreise, Einzelpersonen, mit denen Gespräche zu führen sind.“

Wie lange die Visitatoren vor Ort bleiben, stehe noch nicht fest, fügte Hofmann hinzu: „Zwei Wochen ist wahrscheinlich das Maß, von dem wir ausgehen sollten. Ich denke, besonders wichtig und entscheidend ist das, was Kardinal Woelki ja am Freitag schon erklärt hat: dass er die Visitation mit voller Überzeugung unterstützt und als Chance begreift, die Situation im Bistum gut anzuschauen, dass er gemeinsam mit allen Menschen im Erzbistum die Visitatoren begrüßen möchte und ihnen helfen möchte, ihre Aufgabe zu erfüllen. Dabei möchte ich ebenso mit voller Kraft mithelfen.“

Woelki: Visitation ist keine Misstrauenserklärung

Kardinal Woelki selbst unterstrich am Wochenende, dass er die vom Papst angeordnete Untersuchung nicht als eine Art Misstrauenserklärung bewertet. Diese Deutung einer Apostolischen Visitation gebe es zwar im Internet, aber kein kirchliches Dokument enthalte eine solche Aussage. In einem am Sonntag veröffentlichten „Wort des Bischofs“ fügte Woelki hinzu, diese Aussage finde sich auch nicht in einem Brief der römischen Bischofskongregation an ihn. Darin heiße es vielmehr, dass „man mir persönlich und der mir anvertrauten Kirche in einer Zeit großer Bedrängnis und Prüfung beistehen“ möchte.

In der Botschaft sagte Woelki weiter: „Der Blick der beiden Visitatoren von außen kann wertvolle Hinweise geben, was bei der Aufarbeitung schiefgelaufen ist und was noch zu tun ist. Es ist eine Chance.“ Ähnlich formulierte es der Kardinal in einem „Proklamandum“, in dem er sich an alle Gläubigen wendet und das am Sonntag in den Gemeinden verlesen oder ausgehängt werden sollte.

Domkapitel begrüßt Untersuchung

Unterdessen begrüßte auch das Kölner Domkapitel die Anordnung der Apostolischen Visitation durch Papst Franziskus. Dompropst Guido Assmann erklärte, das Gremium stehe ebenso wie die einzelnen Kapitulare „den Visitatoren selbstverständlich zum Gespräch zur Verfügung“. Man werde die Untersuchung im Gebet um Einheit und Frieden begleiten.


(kap – pr)
 

30 Mai 2021, 15:58