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Kardinal Woelki von Köln Kardinal Woelki von Köln  (AFP or licensors)

Kardinal Woelki begrüßt Visitation: „Aufarbeitung ist alternativlos"

Kardinal Rainer Maria Woelki sieht der vom Vatikan angeordneten Apostolischen Visitation in Köln mit Erleichterung entgegen. Die beiden vom Papst beauftragten Bischöfe würden sich „vor Ort ein eigenes Bild von den Ergebnissen“ und der Situation im Erzbistum machen. „Das ist aus der Ferne einfach nicht leistbar“, sagte Woelki in einer Video-Stellungnahme.

Gudrun Sailer - Vatikanstadt

Ihm selbst werde „immer mehr bewusst, was die Aufarbeitung von Schuld alles auslöst und wie sie die Perspektive verdreht.“ Es sei kaum noch von Tätern oder Betroffenen sexualisierter Gewalt die Rede, aber auch nicht von „Strukturen und Prozessen, die verändert werden müssen“, erklärte der Kardinal. „Alles, was der Aufarbeitung sexualisierter Gewalt und der Bewältigung der komplexen Situation dient, ist gut. Ich finde es wichtig, dass in dieser Situation der Heilige Vater zwei apostolische Visitatoren zu uns geschickt hat.“

Die Nuntiatur in Berlin hatte am Freitag mitgeteilt, Papst Franziskus habe eine Apostolische Visitation des Erzbistums Köln angeordnet, um die dortige Aufarbeitung von Missbrauchsfällen zu untersuchen und „der komplexen pastoralen Situation im Erzbistum" auf den Grund zu gehen. Laien und auch Priester hatten dem Kölner Kardinal in den vergangenen Monaten ihr Vertrauen entzogen und dies öffentlich gemacht. Andere Gläubige stellten sich verteidigend auf seine Seite und bekundeten Woelki ihre Solidarität. Ein von ihm in Auftrag gegebenes, unabhängiges Gutachten zum Umgang mit Missbrauchsfällen im Erzbistum hatte den Kardinal zwar entlastet, trug aber seit seiner Veröffentlichung im März trotzdem nicht nachhaltig zur Beruhigung der Lage in Deutschlands größter Diözese bei.

Hier zum Hören:

„Durch die Aufarbeitung ist viel Unruhe in unserem Bistum entstanden“

„Durch die Aufarbeitung ist viel Unruhe in unserem Bistum entstanden“, erklärte Woelki in seiner Stellungnahme. Er halte aber die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit für unverzichtbar: „Aufarbeitung ist alternativlos. Der Blick der beiden Visitatoren von außen kann wertvolle Hinweise geben, was bei der Aufarbeitung schief gelaufen ist und was noch zu tun ist. Es ist eine Chance.“

Die Visitatoren: Zwei besonnene Bischöfe aus dem Ausland

Als Visitatoren ernannte Papst Franziskus zwei Bischöfe aus dem benachbarten europäischen Ausland, die mit Leitungsaufgaben vertraut sind, als besonnen gelten und hervorragend Deutsch sprechen: den Bischof von Stockholm, Kardinal Anders Arborelius, und den Bischof von Rotterdam, Bischof Johannes van den Hende. Arborelius war bis 2015 Vorsitzender der Nordischen Bischofskonferenz, van den Hende leitet seit 2016 die Niederländische Bischofskonferenz. Was den kirchlichen Umgang mit sexualisierter Gewalt und deren Aufklärung angeht, gilt namentlich die niederländische katholische Kirche als weit fortgeschritten. Seit dem Erscheinen des Untersuchungsberichtes der Kommission Wim Deetman vor zehn Jahren brachte sie unter anderem finanzielle Entschädigungen für die Betroffenen auf den Weg.

„Das offene Gegeneinander müssen wir als Christen überwinden“

Am Ende seiner Videobotschaft ging Kardinal Woelki auf die starken Spannungen in seinem Erzbistum ein, die neben der Frage der Missbrauchsaufarbeitung Gegenstand der Visitation sind. „Dieses Gift der Polarisierung, dieses ausschließende ,Du oder ich´, das offene Gegeneinander müssen wir als Christen überwinden“, sagte der Kölner Erzbischof. „Ich werbe für einen neuen Geist des christlichen Miteinanders.“

Woelki selbst hatte im vergangenen Dezember an Papst Franziskus die Bitte gerichtet, der Vatikan möge prüfen, ob er als Kölner Erzbischof eine Pflichtverletzung nach dem Kirchenrecht begangen habe. Zugleich ersuchten auch Laienvertreter, unter anderem vom Kölner Katholikenausschuss, den Papst um sein Eingreifen und regten eine Visitation an. Im Fokus steht das Wirken von vier beschuldigten hohen Geistlichen; neben Woelki selbst sind das sein früherer Generalvikar und nunmehrige Hamburger Erzbischof Stefan Heße sowie die Kölner Weihbischöfe Dominikus Schwaderlapp und Ansgar Puff, die alle drei derzeit von ihren Aufgaben entbunden sind.

Kardinal Arborelius und Bischof van den Hende werden bereits in der ersten Junihälfte in Köln erwartet. Ein festgelegtes Verfahren gibt es bei einer Apostolischen Visitation nicht, Visitatoren sind aber gehalten, mit allen Seiten zu sprechen und sich ein umfassendes Bild der Lage zu machen. Am Ende erstellen sie einen Bericht, der nach Rom geht und üblicherweise nicht öffentlich gemacht wird. Dieser Bericht ist die Grundlage weiterer Entscheidungen durch den Papst. 

(vatican news) 

29 Mai 2021, 12:15