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Erzbischof Stefan Heße von Hamburg Erzbischof Stefan Heße von Hamburg   (GIULIANI/V.GIESE )

D: Bischof Heße bietet Amtsverzicht an

Der Hamburger Erzbischof zieht nach dem Kölner Missbrauchsgutachten persönliche Konsequenzen: Nach sechs Jahren Amtszeit hat Stefan Heße seinen Amtsverzicht angeboten.

„Ich habe mich nie an Vertuschung beteiligt“, sagte Heße am Donnerstagnachmittag in einer per Video-Stream auf der Internetseite des Erzbistums übertragenen persönlichen Stellungnahme: „Ich bin dennoch bereit, meinen Teil der Verantwortung für das Versagen des Systems zu tragen.“

Heße äußerte sich wenige Stunden nach Vorstellung eines Missbrauchsgutachtens der Anwaltskanzlei Gercke/Wollschläger zum Erzbistum Köln, wo Heße zeitweilig Personalverantwortung trug. Laut dem Bericht soll er in seiner Zeit als Leiter der Abteilung Seelsorge und Personal im Erzbistum Köln sieben Mal seine Pflichten verletzt haben, darunter zählten die Gutachter fünf Verstöße gegen die Aufklärungspflicht.

Fehler gemacht ja, Vertuschung nein

In seiner Erklärung räumte der Hamburger Erzbischof nun ein, er habe im Zuge seiner Gespräche mit Betroffenen in der Vergangenheit „Fehler gemacht“: „Bei allem war und ist mir bewusst, dass ich dabei Fehler gemacht habe – denn niemand ist fehlerfrei, auch ich nicht. Erst recht mit dem Blick von heute werden mir damalige Fehler bewusst.“

Im Umgang mit Fragen sexueller Gewalt habe er „immer nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt“, versichert Heße vor Hintergrund der ihm angelasteten Pflichtverletzungen. Die Aufarbeitung sexueller Gewalt im Erzbistum Köln begrüße er ausdrücklich, „da die Vorgänge zum Teil schon viele Jahre zurückliegen und ich nicht über eigene Akten dazu verfüge“, so Heße.

Bedauern über Verletzungen

An die Opfer und ihre Familien gerichtet schreibt Heße in seiner Stellungnahme: „Ich bedaure sehr, wenn ich durch mein Handeln bzw. mein Unterlassen Betroffenen und ihren Angehörigen neuerliches Leid zugefügt haben sollte.“

Vor Hintergrund der „Feststellungen“ des vorliegenden Berichtes räumt Heße schließlich seinen Rücktritt ein: „Um Schaden vom Amt des Erzbischofs sowie vom Erzbistum Hamburg abzuwenden, biete ich Papst Franziskus meinen Amtsverzicht an und bitte ihn um die sofortige Entbindung von meinen Aufgaben.“

„Ich habe keinen Plan B in der Tasche.“

Nach seinem Rücktrittsgesuch vom Donnerstag erläutert der Hamburger Erzbischof Stefan Heße in einem am Freitag veröffentlichten Brief an die Kirchengemeinden weitere Gründe für diesen Schritt. „Wesentlich ist für mich, dass ich mich der Verantwortung für mein damaliges Handeln stelle“, so der 54-Jährige in seinem Schreiben. Er übernehme seine „Verantwortung für damalige Fehler und das Versagen des Systems.“ Seine Entscheidung sei ihm nicht leicht gefallen. Dennoch halte er sie für die einzig angemessene und sinnvolle. Wie sein Weg nun weitergehe, wisse er nicht. „Ich habe keinen Plan B in der Tasche.“

Präventionsarbeit in Köln

Heße war im Erzbistum Köln ab 2006 Personalchef und ab 2012 Generalvikar. Nachdem Kardinal Joachim Meisner 2014 in den Ruhestand ging, wurde er Übergangsverwalter der Erzdiözese. Auf Heße geht eine Neuausrichtung der Präventionsarbeit des Erzbistums gegen sexuellen Missbrauch zurück. So ließ er eine neue Stabsstelle einrichten, legte eine Informationsbroschüre auf und machte Schulungen für Haupt- und Ehrenamtliche verpflichtend.

Das Gutachten der Anwaltskanzlei Gercke/Wollschläger hält Heße zugute, dass in seine Amtszeit als Personalchef jenes Jahr 2010 fiel, als Missbrauchsmeldungen „flutartig“ im Erzbistum Köln eingingen und die Verantwortungsträger mit „einer neuen Dimension des Problems“ konfrontiert wurden. Außerdem habe angesichts zahlreicher rechtlicher Änderungen oft Unklarheit über die Rechtslage geherrscht.

Nach wachsendem öffentlichen Druck hatte der Erzbischof bereits im November vergangenen Jahres den Vatikan über die Vorwürfe gegen seine Person informiert. Mit dem Rücktrittsangebot geht Heße, der auch Flüchtlingsbeauftragter der Deutschen Bischofskonferenz ist, noch einen Schritt weiter.

(vatican news/kna - pr)
 

18 März 2021, 22:51