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Nach dem Sturm auf das US-Kapitol Nach dem Sturm auf das US-Kapitol  (ANSA)

Deutscher Erzbischof: Trump gehört vor Gericht

Nach dem Sturm des US-Kapitols in Washington durch Demonstranten fordert der deutsche Erzbischof Ludwig Schick, die „Gewalttäter zur Rechenschaft zu ziehen und zu bestrafen“.

„Auch die, die in das Kapitol eingedrungen sind, Sachschaden angerichtet und den Tod von Menschen verschuldet haben, müssen vor Gericht“, so der Weltkirchen-Beauftragte der deutschen Bischofskonferenz. „Davon kann auch der Präsident nicht ausgenommen sein.“

Er sei wie viele Menschen „entrüstet und fassungslos“ über das, was da in Washington geschehen sei, so Schick auf der Homepage seines Erzbistums Bamberg. Bei der Entrüstung dürfe man allerdings nicht stehenbleiben. „Es muss gehandelt werden!“

„Es muss gehandelt werden!“

Zwar gehöre Trump vor Gericht, weil er „Unsägliches angerichtet und befördert“ habe, doch dürfe man sich auch nicht auf ihn „fixieren“. Trump sei auch nicht der einzige, der in unseren Tagen das Vertrauen in die Demokratie unterminiere. „Der Sturm auf das Kapitol mit Verletzten und sogar Toten ist der Höhepunkt einer Reihe von Angriffen auf Parlamente und Sitzungen von Abgeordneten auf der ganzen Welt in den letzten Jahren. Deutschland gehört leider Gottes auch dazu.“

Der eigentliche Grund „für diese unsäglichen Ereignisse“ sei eine Unfähigkeit, Konflikte friedlich zu lösen. Dem müsse jetzt gegengesteuert werden. Dabei spiele Bildung eine wichtige Rolle, so Erzbischof Schick. Nötig seien außerdem „Gesetze, die jede Gewaltverherrlichung sowie Aufrufe zur Gewalt verurteilen“. Nationalismus und Populismus müssten entschieden bekämpft werden.

„Der Sturm auf das Kapitol muss als letzte Warnung verstanden werden“

Sicherheitskräfte sollten außerdem lernen, bei Konflikten zu „deeskalieren“. „Polizeigewalt gegen afroamerikanische oder latinoamerikanische Staatsbürgerinnen und Staatsbürger in den USA in den letzten Jahren hat das Konfliktpotential erhöht und zur Spaltung der Gesellschaft beigetragen.“

Auch die Religionen müssten einen Beitrag zur friedlichen Konfliktlösung leisten, besonders die Christen. „Einige evangelikale Gruppen haben keine gute Rolle in den letzten Jahren in den USA und auch anderswo gespielt. Sie haben sich zum Steigbügelhalter von Politikern degradiert, deren Politik eigentlich einen Widerspruch aus dem Evangelium fordert.“

Der Aufbau von friedlichen Gesellschaften sei nicht einfach, so Schick; wolle man das Ziel erreichen, müsse man sofort beginnen. „Der Sturm auf das Kapitol muss als letzte Warnung verstanden werden.“

(erzbistum bamberg – sk)
 

08 Januar 2021, 17:41