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Im Hintergrund das Kapitol in Washington - nachdem sich die Situation in der Stadt wieder beruhigt hat Im Hintergrund das Kapitol in Washington - nachdem sich die Situation in der Stadt wieder beruhigt hat  (2021 Getty Images)

USA: „Kirche kann beitragen, den Riss in der Gesellschaft zu kitten“

Durch die amerikanische Gesellschaft geht derzeit ein tiefer Spalt – das haben nicht nur die Ereignisse von diesem Mittwoch in Washington gezeigt. Doch die katholische Kirche kann vielleicht wie keine andere Glaubensgemeinschaft im Land dazu beitragen, den Riss zu kitten. Diese Einschätzung äußert im Interview mit Radio Vatikan der Jesuit und USA-Kenner Godehard Brüntrup.

Die katholische Kirche könne vielleicht insofern eine besondere Rolle bei der Versöhnung in der Gesellschaft spielen, als dass sie mehr als andere religiöse Strömungen die gespaltene Gesellschaft intern widerspiegele, sagte der USA-Experte im Gespräch mit Radio Vatikan.

Der Jesuit und USA-Experte Prof. Godehard Brüntrup zu den ausgeuferten Protesten an diesem Mittwoch

„Auch die katholische Kirche und damit die katholischen Wählerinnen und Wähler sind etwa zur Hälfte demokratisch und zur Hälfte republikanisch, während man beispielsweise bei den Evangelikalen, also bibelfundamentalistischen Christen, die in den USA sehr stark vertreten sind, eher 70 bis 80 Prozent republikanische Wähler hat“, meint Brüntrup.

„Vorbild dafür sein, wie man über die sehr auseinanderdriftenden Lager hinweg im Gespräch bleibt und auch weiterhin eine Gemeinschaft bleibt“

„So kann die katholische Kirche glaube ich intern, weil sie die amerikanische Gesellschaft besser abbildet als andere religiöse Denominationen, vielleicht ein Vorbild dafür sein, wie man über die sehr auseinanderdriftenden Lager hinweg im Gespräch bleibt und auch weiterhin eine Gemeinschaft bleibt.“

Die Demonstranten ins Kapitol vorgedrungen, während das Wahlergebnis ratifizert werden sollte
Die Demonstranten ins Kapitol vorgedrungen, während das Wahlergebnis ratifizert werden sollte

Sollten die Demokraten allerdings jetzt ihre relativ komfortable Mehrheit mit der Präsidentschaft und in beiden Kammern dazu nutzen, eine rigorose Machtpolitik zu führen, könnte das die Spaltung in der Gesellschaft nur noch verstärken, so der Jesuit, der bereits an zahlreichen US-Universitäten gelehrt hat. Er setze gewisse Hoffnungen darauf, dass die abwägende und versöhnende Persönlichkeit des neuen Präsidenten Joe Biden die politischen Lager zu gemeinsamer Arbeit im Sinne des Parteiwohls animieren könnte – über Parteigrenzen hinweg.

(vatican news - cs)

07 Januar 2021, 12:57