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Vatican News
Steuern und die Fangfrage der Pharisäer Steuern und die Fangfrage der Pharisäer 

Unser Sonntag: Gib Gott, was Gott gehört

Pater Buholzer macht klar: Jesus war kein Träumer. Er kennt nicht nur Gott, sondern auch den Menschen sehr gut und spürt die Machenschaften um sich herum. Die Pharisäer benutzen andere, um Jesus zu Fall zu bringen, Jesus aber erkennt die Hintergedanken und reagiert klug. Von uns aber verlangt dieses Evangelium, Gott unser Leben anzubieten.

Pater Josef Buholzer

Mt 22,15-22

Im heutigen Evangelium entdecke ich in Jesus eine tiefe Weisheit und Scharfsinnigkeit. Er ist aufmerksam, präsent; er ist sich völlig bewusst, was um ihn herum vor sich geht. Er ist kein Träumer, der etwa in seiner eigenen geschlossenen Welt leben würde. Er kennt nicht nur GOTT sondern auch uns Menschen sehr gut. Er spürt die Machenschaften der Menschen um ihn herum. Ich bewundere ihn - unseren Jesus! Seine Antworten sind nicht oberflächlich und emotional. Er konfrontiert Menschen mit ihrer eigenen Verantwortung. - Manchmal wünschen wir uns, wir hätten auch eine solche Fähigkeit und Geistesgegenwart, besonders wenn uns unangenehme Fragen gestellt werden ...

Unser Sonntag - hier zum Nachhören

Im Evangelium bemerke ich, wie die Pharisäer eine Verschwörung gegen Jesus organisieren. Sie wollen ihn nicht mehr länger ausstehen, weil er sie zu sehr provoziert und kritisiert, - sie sind doch die Führer des Volkes; Männer mit Autorität! Nach der Reinigung im Tempel und seinen öffentlich vorgetragenen, kritischen Gleichnissen haben sie jetzt genug von ihm. Sie suchen nach einem Streitgespräch, in das sie ihn verwickeln könnten , um ihn dann loszuwerden. Und so schicken sie einige Jünger aus ihrem Kreis und einige der Herodianer zu Jesus. Die Pharisäer benutzen andere, um Jesus zu Fall zu bringen. Ihre eigenen Hände aber sollen unbeschmutzt bleiben...

Erst ein Kompliment, dann die Fangfrage

Alles beginnt mit einem längeren Kompliment, mit dem die Redner sich Jesus gefügig machen wollen. Und darauf folgt dann diese kurze Fangfrage:
„Sage uns; was meinst du ...: Ist es erlaubt, dem Kaiser Steuer zu zahlen, oder nicht?“
Um die Zweideutigkeit dieser Frage vollständig zu verstehen, müssen wir auf die Zeit Jesu zurückblicken. Nach seiner Eroberung wurde Palästina dem Römischen Reich untertänig gemacht und war somit ganz vom kaiserlichen Rom abhängig. – Welche

Pater Josef Buholzer, Jerusalem
Pater Josef Buholzer, Jerusalem

Demütigung für dieses Volk, das überzeugt war, Gottes auserwähltes Volk zu sein; das Volk des Bundes, und das glaubte, dass am Ende der Zeiten Gott sich hier in Jerusalem, auf dem Berg Sion, in seiner Herrlichkeit offenbaren wird… Und so weigerten sich viele, dem Kaiser Steuer zu zahlen, oder taten es nur mit grosser Verachtung. Dann gab es auch eine andere Gruppe, die Anhänger des Herodes, die ohne viel Bedenken die Steuer an Rom zahlte, war doch Herodes König von Kaisers Gnaden. Wir können uns also vorstellen, in welchem Dilemma Jesus mit dieser Frage war. Wenn er NEIN sagt, kann die eine Gruppe gegen ihn die Anklage erheben, ein Feind der Römer zu sein. Wenn er aber JA sagt, kann er von der andern Gruppe beschuldigt werden, ein Kollaborateur der Römer zu sein. Was konnte er also sagen? Eine richtige Fangfrage mit tiefen Konsequenzen!

„Jesu Antwort hört nicht bei der Aufschrift auf, sondern zielt also weiter – hin auf Gott“

Jesus gibt sich aber ruhig; er erkennt ihre Hintergedanken - und sagt dann:  „Zeigt mir eine Münze, mit der ihr eure Steuer bezahlt! ... Und wessen Bild und Aufschrift ist da drauf?" – „Des Kaisers“ – antworten sie. Und mit dem Denar in seiner Hand erklärt nun Jesus:  „Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört...- aber er fügt dann noch hinzu: „... und gebt Gott, was Gott gehört!" Jesu Antwort hört nicht bei der Aufschrift auf, sondern zielt also weiter – hin auf Gott. Aber davon war in der Frage, die ihm gestellt wurde, keine Rede...
Richtig, die Münze enthält das Bildnis, den Namen und den göttlichen Titel des Kaisers. -  „Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört". In einem gewissen Sinn können wir uns nicht einfach unserer menschlichen, sozialen, politischen Verantwortungen und Aufgaben entziehen. Wir müssen uns am Aufbau einer besseren, gerechteren Welt beteiligen. Wir sind mitverantwortlich. Und als Christen übernehmen wir diese Verantwortung voll und ganz. Wir können nicht entkommen...

Gott ist in jeder Situation unseres Lebens gegenwärtig

Aber jeder Mensch trägt in seinem Herzen das ‘Bild‘ Gottes – und das ist noch viel tiefgreifender. Aber davon haben die Fragesteller nicht gesprochen: sie sprechen nur vom Kaiser. Im Buch der Genesis lesen wir, dass Gott uns nach seinem Bild geschaffen hat (1,27): „Lasst uns Menschen machen als unser Abbild, uns ähnlich“. – Und so fügt Jesus hinzu: "Und gib Gott, was Gott gehört ..." Dieser Satz kann bedeuten: Es gibt eine wichtigere, unsichtbare Identität, die noch umgreifender und tiefer ist: Gott - Gib Gott ...; biete ihm dein Leben an; gib Gott, was Gott gehört ...

 

Tatsächlich ist Gott in jeder Situation und jedem Ereignis in meinem/unserem Leben gegenwärtig. Es gibt keinen Moment, wo Gott nicht gegenwärtig ist, wo wir nicht in seiner Gegenwart sind. Und so dienen wir, was auch immer wir tun, selbst bei den bescheidensten täglichen Aufgaben, Gott. Alles bekommt eine neue Dimension, eine tiefere Bedeutung.  „Gib Gott, was Gott gehört..." Unser Leben enthält nicht nur das Bildnis dieser Welt, sondern trägt auch das Bild Gottes.

„Gib Gott, was Gott gehört ...“

● Dieses Bild Gottes will mehr und mehr sich durchsetzen und durchscheinen in unserem Leben; es will mehr und mehr zentral werden. Wir gehören nicht uns selber, sondern tragen in uns den leuchtenden un-auslöschbaren Stempel Gottes. Stempel aufgedrückt durch der Schöpfung, vertieft durch die Taufe und die Firmung: Du gehörst IHM. - Lass diesen Stempel, dieses Bild Gottes durchleuchten in deinem Leben, in deinen Worten und Taten.
„Gib Gott, was Gott gehört...“

(radio vatikan - claudia kaminski)

 


 

17 Oktober 2020, 09:25