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Vatican News
Wie soll das Hochzeitsgewand aussehen? Wie soll das Hochzeitsgewand aussehen? 

Unser Sonntag: Die Einladung Gottes

Gott wird die Quelle der endzeitlichen Freude und Erfüllung sein. Gott ist der Gastgeber, so Pater Buholzer, und er lädt alle Menschen ein. Im Sonntagsevangelium werden uns unterschiedliche Reaktionen vor Augen gestellt - und der Ordensmann erläutert den tieferen Sinn des Hochzeitsgewandes.

Pater Josef Buholzer

Mt 22,1-14

Nach dem Gleichnis vom letzten Sonntag – vom Weinbergbesitzer und den unwilligen Pächtern - erzählt uns heute Jesus ein anderes Gleichnis: das eines Hochzeitsfestes, eines Gastmahles, zu dem ein König einlädt.

Unser Sonntag - hier zum Nachhören


Ein Märchen? Nein; schon beim Propheten Jesaja (25,6-10a) haben wir ein ähnliches Gleichnis für die messianische Zeit - für die Zeit der endgültigen Erlösung und Erfüllung. Es ist das Bild eines großen Festmahles auf dem Berg des Herrn, zu dem Gott alle Menschen einlädt. Gott ist der Gastgeber. Er lädt die Menschen ein. Gott wird also die Quelle der endzeitlichen Freude und Erfüllung sein.

„Ein schönes Bild für Gott, der sein Herz öffnet und die Menschen einlädt, an der Feier mit seinem Sohn teilzunehmen.“

Jesus nimmt dieses Gleichnis auf und formuliert es neu. Ich finde es interessant, dass im Evangelium nun zwei Hauptpersonen genannt werden: der König und sein Sohn. Der Sohn steht im Zentrum des Hochzeitsfestes. Der König will, dass die Menschen an diesem Fest teilnehmen und lädt ein. Dieser Wille, das Haus für alle zu öffnen und sie am Freudenfest teilnehmen zu lassen, ist sehr stark im Gleichnis. Dieser Wille greift über die Palastmauern hinaus in die Nachbarschaft, auf die Strassen, hinaus zu den Vergessenen, den Ausgeschlossenen und Armen. – Ein schönes Bild für Gott, der sein Herz öffnet und die Menschen einlädt, an der Feier mit seinem Sohn teilzunehmen. Es ist nicht ein Gott, der sich einschliesst und allein sein will. Nein! – Und das ist auch die Überzeugung Christi und entspricht seiner Erfahrung und Sendung! – Ich finde dieses Bild sehr schön. Was mit der Inkarnation des Sohnes und der späteren Sendung des Geistes angefangen hat und eingeleitet wurde - wo Gott zu den Menschen kommt - soll nun vollendet werden in dieser Vereinigung, in diesem Festmahl - wo die Menschen zu Gott kommen, begleitet vom Sohn und vom Geist. – Es ist die Vollendung von Jesu innigstem Wunsch: „Vater, ich will, dass alle, die du mir gegeben hast, dort bei mir sind, wo ich bin“ (Joh 17,24).

Sie wollten nicht kommen

Das Tragische ist dann aber die Antwort auf die Einladung, die die Boten den Menschen überbringen: „Sie wollten nicht kommen“. Im Gleichnis ergeht die Einladung des Königs zuerst an die Menschen, die wahrscheinlich ihm und dem Sohn nahe stehen: Verwandte, Nachbarn und Freunde. – Die Einladung trifft auf Ablehnung. Nochmals sendet der König seine Boten zu ihnen: „Alles ist bereit. Die Tische sind gedeckt. Kommt doch zur Hochzeit...!“ Diese Einladung endet noch tragischer: „Sie aber kümmerten sich nicht darum, sondern der eine ging auf den Acker, der andere in seinen Laden, wieder andere fielen über seine Diener her... und brachten sie um“.
Sie wollen sich nicht stören lassen und gehen ihren alltäglichen Arbeiten und Sorgen nach, die ihnen wichtiger erscheinen. - Die Festhalle ist leer. Der König lässt sich nicht umstimmen; er schickt nun seine Boten noch weiter hinaus, auf die Wege und Strassen: „Ladet alle, die ihr trefft, zur Hochzeit ein!“

Erkennen wir die Boten des Herrn?

Ich glaube, dass Gottes Einladung uns und die ganze Menschheit auf verschiedene Weise und in verschiedenen Situationen erreichen kann. Erkennen wir alle seine Boten? Kennen wir alle Strassen und Wege, auf denen die Boten kommen, um die Menschen einzuladen? Die Einladung erreicht uns durch Jesus; und dann durch die Verkündigung der Kirche, durch das Evangelium, durch spezielle Ereignisse, die uns aufhorchen lassen... Die Einladung kann auch nichtchristliche Menschen auf anderen Wegen erreichen, die uns unbekannt sind! 

„Viele werden kommen von Osten und von Westen ...“

Diese Fremden nun reagieren besser auf die Einladung. Sie sind Vertreter der Nationen, denen später das Evangelium verkündet wird. „Viele werden kommen von Osten und von Westen und mit Abraham und Isaak und Jakob im Himmelreich zu Tisch sitzen...“ (Mth 8,11). Etwas erstaunt uns vielleicht im Text: nämlich, dass der König einen Mann rauswirft, der für diesen Anlass schäbig gekleidet ist. Denn vielleicht hatte der Mann gar keine Zeit, sich richtig anzuziehen, als die Einladung ihn erreichte ... Aber die Bedeutung ist tiefer! Eingeladen von Gott, nehmen wir nicht nur die Einladung an, sondern machen uns auch dazu bereit. Wir bekleiden uns mit einem schönen Gewand oder Anzug, der dem Fest entspricht. Ein Kleidungsstück gemacht aus Nächstenliebe, Güte, Glauben, Ehrlichkeit ... - das dem entspricht, dem wir begegnen werden.

Der tiefere Sinn des Hochzeitsgewandes

Einige Verse im NT helfen uns, dem Hochzeitgewand einen tieferen Sinn zu geben - Paulus sagt: „Zieht den Herrn Jesus Christus an.“ (Rm 13,11 ff.; cf. Gal 3,26). - Und dann auch: „Bekleidet euch also, als Erwählte Gottes, Heilige und Geliebte, mit innigem Erbarmen, Güte, Demut, Milde, Geduld!“ (Kol 3,12/ 14).
Ich finde, das Thema vom Gewand/vom Hochzeitsgewand bekommt nun einen tieferen Sinn. Aus Gnade berufen - nicht aus Verdienst oder einem Anrecht auf Gottes Königreich - müssen wir uns vorbereiten und uns auf die Einladung einstimmen. Dann wird der himmlische Vater in uns Merkmale seines geliebten Sohnes und des Geistes erkennen, die uns auf unserem Weg begleitet haben. Dann wird er sagen: Komm und tritt ein in das Hochzeitsfest.
Im Buch der Offenbarung (19,7f) hat der Seher eine Vision von der Erfüllung dieses Hochzeitsmahles - mit dem Lamm : „Wir wollen uns freuen und jubeln... Denn gekommen ist die Hochzeit des Lammes... Die Braut ist gekleidet in strahlend reines Leinen. Das Leinen bedeutet die gerechten Taten der Heiligen“. Ist diese Braut also nicht die Kirche, die Menschheit, die zur Feier aufgebrochen ist?

„Will ich mehr und mehr Christus ähnlich werden?“

● Ja, welchem Mode-Trend folgen wir für unser Festgewand? Ist es nur ein äusseres Schön- und Brav-Erscheinen-Wollen? Oder will ich mehr und mehr Christus ähnlich werden? Lasse ich mich von Christus und dem Geist, die mich begleiten, umwandeln – ... anstecken?
● Wie erlebe ich die Eucharistie? Bloss als Routine, als blosse Gewohnheit...? Die Eucharistie ist aber ein Vorzeichen dieses endzeitlichen Mahles, dieser Begegnung mit Gott. Gestiftet von Jesus, ist sie gleichsam eine VORSPEISE dieses ewigen Gastmahles, die unseren Hunger auf diese endzeitliche Be-gegnung mit Gott vertieft und uns auf unserem Weg stärkt...

(radio vatikan - claudia kaminski)
 

10 Oktober 2020, 10:42