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Österreich: Grundstein für erstes orthodoxes Kloster ist gelegt Österreich: Grundstein für erstes orthodoxes Kloster ist gelegt 

Österreich: Grundstein für erstes orthodoxes Kloster ist gelegt

In der burgenländischen Gemeinde St. Andrä am Zicksee können die Bauarbeiten beginnen: Der Grundstein für das erste orthodoxe Kloster in Österreich ist gelegt.

Der orthodoxe Metropolit Arsenios (Kardamakis), der katholische Bischof von Eisenstadt Ägidius Zsifkovics, der burgenländische Landeshauptmann Hans Peter Doskozil und andere nahmen am Samstagmittag die feierliche Grundsteinlegung vor. Angekündigt war ursprünglich auch der Ökumenische Patriarch Bartholomaios von Konstantinopel, er musste seinen Besuch aber coronabedingt und aus politischen Gründen absagen, berichtet die österreichische Agentur kathpress.

Bartholomaios schickte zur Feier ein Grußwort, in dem er die Bedeutung des neuen Klosters im Zentrum Europas hervorhob. Das Kloster als Ort der Begegnung mit Gott und den Menschen möge inmitten einer zunehmend materiellen Kultur reiche Früchte bringen, wünschte das Ehrenoberhaupt der Orthodoxie. 

Kardinal Koch: Christus ist der Grund, der alle Christen eint 

Stellvertretend für den Heiligen Stuhl übermittelte der Präsident des päpstlichen Rates für die Förderung der Einheit der Christen, Kardinal Kurt Koch, Grüße anlässlich der Grundsteinlegung für das orthodoxe Kloster in St. Andrä am Zicksee. Er erinnerte dabei an den Brief des Apostels Paulus an die Korinther, in dem dieser schreibt, dass die Kirche Christi selbst auf „einem Grundstein“ aufgebaut ist. Jesus Christus sei der gemeinsame Grund, der alle Christen eint. Alle „zwischenkirchlichen Bemühungen“ hätten nur „Bestand und Zukunft, wenn sie auf diesen Boden stehen“. Dazu sei ein Kloster „in besonderer Weise berufen“, denn es diene „der Einheit vor allem im Gebet“. Kardinal Koch schließt seine Grußworte mit dem Wunsch nach einem „guten Gedeihens der Klosters“.

Mit dem Klosterbau gehe für ihn ein Herzenswunsch in Erfüllung, sagte Metropolit Arsenios bei der Feier. Sein Dank gelte so vielen Unterstützern, dabei vor allem aber auch Patriarch Bartholomaios und Papst Franziskus. Beide stehen hinter dem Klosterbau und haben sich ideell wie auch materiell beteiligt.

„In Parndorf haben wir ein Outlet-Center, das neue orthodoxe Kloster wird ein 'Inlet-Center' sein“

Bischof Zsifkovics sprach in seinem Grußwort von einem „historischen Ereignis" für die Diözese Eisenstadt. Er erinnerte an den Besuch von Papst Johannes Paul II. 1988 im Burgenland und dessen Ausspruch, „dass das Christentum mit zwei Lungenflügeln atmet, dass es zwei Spiritualitäten kennt, eine des Westens und eine des Ostens". Zsifkovics stellte einen Vergleich an: „In Parndorf haben wir ein Outlet-Center, das neue orthodoxe Kloster wird ein 'Inlet-Center' sein, wo man die Menschen einlässt, um Ruhe, Beschaulichkeit und Frieden zu finden, um sich ins eigene Innere zu wenden und wieder einmal nachzuschauen, wie es der vernachlässigten Seele geht." Das Kloster werde ein Ort sein, „wo man den echten 'Lockdown' finden kann".

Auch Zsifkovics betonte, dass sowohl der Ökumenische Patriarch Bartholomaios als auch Papst Franziskus ganz hinter dem neuen Kloster stehen würden. Dies sei umso bedeutsamer, als ihre Vorgänger - die Apostel Petrus und Andreas - Brüder waren. „Das bedeutet, dass sowohl orthodoxe als auch katholische Christen Mitglieder ein und derselben Familie sind. Nach Jahrhunderten der Trennung unserer beiden Kirchen sehnen die Zeichen der Zeit die volle Einheit aller Christen herbei", so der Eisenstädter Bischof. 

Das Kloster „Maria Schutz" soll aus vier etwa sechseinhalb Meter hohen Trakten bestehen, die in Form eines Quadrates angeordnet sind. In der Mitte ist eine Kirche vorgesehen, die an der höchsten Stelle etwa 13 Meter aufragt. Nach der Kirche sollen die weiteren Gebäude errichtet werden, darunter Zellen für die Mönche, Empfangsräume, Bibliothek, Refektorium, Werkstätten und ein Gästehaus. Acht bis zwölf Mönche sollen in dem Gebäude Platz finden.

Der Grundriss der Kirche hat die Form eines griechischen Kreuzes und besteht aus vier Halbtonnen mit einer zentralen Kuppel. Der Innenraum wird vollständig mit Ikonen bemalt.

Die Kosten für den Bau der Kirche belaufen sich laut Architekt Themistoklis Ioannou auf rund 1,1 Millionen Euro ohne Innenausstattung bzw. Ikonenmalereien. Ioannou zeigte sich zuversichtlich, „dass wir die Kirche bis Weihnachten 2021 fertig bauen und einweihen können". Dazu wird dann auch Patriarch Bartholomaios im Burgenland erwartet.

Unterstützt wurden die Kirchenvertreter bei der Grundsteinlegung von zwei Maurerlehrlingen der Berufsschule Pinkafeld. Zwischen Kloster und Schule wird es eine Kooperation geben. So ist geplant, dass Schüler für ihr Lehrabschlusszeugnis am Bau mitarbeiten sollten.

(kap – gs)

 

26 September 2020, 15:26