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Bei einer Kundgebung in Deutschland Bei einer Kundgebung in Deutschland  (ANSA)

Deutsche Bischöfe zu Corona-Folgen: Solidarität statt Spaltung

Die Folgen der Corona-Krise im In- und Ausland sowie der kirchliche Umgang damit standen im Zentrum der Beratungen der deutschen Bischöfe am Mittwoch in Fulda. Soziale Spaltung, Hetze und Rassismus gelte es entgegenzuwirken, Solidarität und Zusammenhalt müssten weiter gestärkt werden, lautete ein Appell der Oberhirten, die noch bis Donnerstag zur Herbstvollversammlung zusammentreten.

Die Zwischenergebnisse der seit Dienstag laufenden Beratungen stellten die Bischöfe Franz-Josef Bode, Franz-Josef Overbeck und Ludwig Schick bei einem Pressegespräch am Mittag vor.

Klare Absage an Verschwörungstheorien und Rassismus

Dabei bekräftigte die DBK erneut ihre Ablehnung von Verschwörungstheorien, Antisemitismus, Rassismus und Hetze, die die Gesellschaft auseinandertreiben können. Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck warnte davor, die Corona-Krise könnte wie ein „Brandbeschleuniger“ für Verschwörungstheoretiker und Feinde der Demokratie wirken. „Es ist für unser Zusammenleben in einer Demokratie brandgefährlich, wenn deren Grundfeste infrage gestellt werden.“ Damit würden auch Lösungen bei anderen gesamtgesellschaftlichen Herausforderungen mit Spaltungspotenzial erschwert, etwa beim Thema Migration oder bei der Bekämpfung des Klimawandels.

Zum Nachhören

Notwendig für den gesellschaftlichen Frieden seien Solidarität, aber auch „ein gesundes Maß an Demut und Bescheidenheit sowie die Bereitschaft zur Vergebung“, so der DBK-Sozialbischof weiter. „Es darf nicht sein, dass wir Teile unserer Gesellschaft zurücklassen. Für Verlierer des Strukturwandels braucht es gezielte Angebote und Perspektiven, die gleichwohl die finanziellen Grenzen der staatlichen Möglichkeiten nicht völlig ignorieren“, forderte der Essener Bischof. Arme und Schwache, Kranke und Alte, aber auch die Familien benötigten besondere Aufmerksamkeit.

Für eine vielfältigere Pastoral

Die Corona-Pandemie führt aus Sicht der katholischen Bischöfe zu einem deutlichen Wandel im kirchlichen Leben in Deutschland. Das machte der Vorsitzende der Pastoralkommission der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Franz-Josef Bode, in seinem Statement deutlich. Die Pastoral der Zukunft werde „weniger klerikerzentriert, dafür aber mit engagierten Gläubigen und damit auch partizipativer, selbstbestimmter und vielfältiger werden“, so Bode, der das Engagement von Laien und Ehrenamtlichen lobte: „Die Ehrenamtlichen sind oft weitaus besser als die hauptberuflichen Seelsorger mit den unterschiedlichen sozialen Situationen vor Ort vertraut, können Türen öffnen und Kontakte zu anderen Playern vor Ort vermitteln.“ 

Bei der Leitung von Gemeinden bestehen laut Vatikan für Laien aber Einschränkungen. So bleiben sie von der Gemeindeleitung ausgeschlossen, wie eine Instruktion aus Rom zuletzt erneut bekräftigte. 

Mit Blick auf Kontaktverbote in Heimen und Krankenhäusern räumte Bischof Bode am Mittwoch ein, dass die Balance zwischen Gesundheitsschutz und Seelsorge unterschiedlich gut gelungen sei. „Als Bischöfe müssen wir uns selbstkritisch fragen, ob wir nicht gerade für Alte und Kranke viel früher im Lockdown eine Anwaltschaft hätten wahrnehmen müssen.“ Bode verteidigte zugleich die kirchliche Verkündigung in der Corona-Krise. „Gott sei Dank wurden vollmundige Reden von Corona als Strafe Gottes für die Liberalität in der Gesellschaft als theologischer Unsinn zurückgewiesen“, sagte er.

Weltkiche-Hilfen aus Deutschland

Weltkirche-Bischof Ludwig Schick gab einen Überblick über Hilfsleistungen für weltweit besonders stark durch die Corona-Krise getroffene Länder. Bislang 36,9 Millionen Euro hätten katholische Hilfswerke, Bistümer und Ordenseinrichtungen in Deutschland für die internationale Corona-Hilfe zur Verfügung gestellt, so der Vorsitzende der DBK-Weltkirche-Kommission. Diese Bilanz umfasst nach Angaben des Bamberger Erzbischofs auch staatliche Mittel für die Not- und Katastrophenhilfe kirchlicher Hilfswerke. Nicht eingerechnet wurden zahlreiche Spendenaktionen von Pfarrgemeinden, Stiftungen und kirchlichen Schulen, da sie nicht zentral erfasst werden.

Schick betonte, dass Corona und die Folgen der Pandemie vor allem die ärmeren Länder vor gigantische Herausforderungen stelle und dass die Not weitaus größere Hilfen erfordere. §Wenn wir von der Corona-Pandemie in der ganzen Welt sprechen, sprechen wir von Hunger und von absoluter Hoffnungslosigkeit“. So nehme die Zahl der Hungernden und unbehandelten Kranken in erschreckender Weise zu. In Ländern wie Indien, Peru, Brasilien oder Venezuela fehlten vielfach die grundlegenden Voraussetzungen für den Gesundheitsschutz. Schick forderte, die Gesundheitssysteme weltweit zu stärken.

(kna/vatican news -pr)
 

23 September 2020, 14:11