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Musste den Missbrauchsskandal bei den Gläubigen selbst ansprechen: Dr. Georg Bätzing Musste den Missbrauchsskandal bei den Gläubigen selbst ansprechen: Dr. Georg Bätzing  (Tobias Steiger)

D: „Genug Kirchen, aber zu wenig Kirche" - Limburgs Bischof will Erneuerung

Georg Bätzing, seit 2016 Bischof von Limburg, hat zu einer raschen Erneuerung der katholischen Kirche aufgerufen. Die Kirche müsse „sich neu erfinden", sie erlebe einen drastischen Relevanzverlust und verliere ihre Bindungskraft, so Bätzing.

Der Bischof äußerte sich zum Abschluss seiner Visitationen in Frankfurt und bekräftigte, dass es ein einfaches „Weiter so“ nicht geben könne. Alle sähen: Es brauche Veränderung.
Der seit September 2016 amtierende Bischof der Diözese Limburg unterstrich, die Katholiken hätten „genug Kirchen, aber zu wenig Kirche“. Eine „milieugestützte Weitergabe des Glaubens“ finde nicht mehr statt. Es gehe deshalb heute darum, stärker direkt bei den Menschen etwa in Bürostädten präsent zu sein und nach dem zu fragen, was die Menschen bräuchten.

Missbrauch: Aggression, Enttäuschung und Wut

Wie man die Menschen wieder erreichen könne, müsse die Kirche nun neu lernen, auch durch „Trial and error" (Versuch und Irrtum). Wichtig sei, die Übergänge gut zu gestalten, etwa von den bisherigen Ortsgemeinden hin zu den größeren „Pfarreien neuen Typs“. Diese müssten stärker als bisher „Schwerpunkte setzen“. Bei seiner Visitation in Frankfurt habe er auch gemerkt, dass die von der Bischofskonferenz in Auftrag gegebene und im September 2018 veröffentlichte Missbrauchsstudie die Gläubigen „massiv erschüttert“ habe. Bemerkenswert sei aber gewesen, dass er bei seinen Besuchen in den Pfarrgemeinden in der Regel von Gläubigen nicht direkt darauf angesprochen worden sei. „Ich habe gemerkt: Ich muss es ansprechen“, sagte der Bischof. „Und wo ich von mir aus das Thema aufgemacht habe, da sprudelten die Leute.“ Er habe dabei „Aggression, Enttäuschung und Wut“ gespürt. Er forderte, die „systemischen Ursachen des Missbrauchs“ in der katholischen Kirche „auf allen Ebenen“ anzugehen. Bätzing war den Angaben zufolge an insgesamt 50 Tagen zur Visitation in Frankfurt und absolvierte dort gut 300 Veranstaltungen und Termine.
(kna - ck)

25 Januar 2019, 10:16