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Konzentrationslager in Sachsenhausen Konzentrationslager in Sachsenhausen  (REUTERS)

Slowakei: Jesuiten eröffnen Gedenkjahr für jüdisch-christlichen Märtyrer

Die Jesuiten in der Slowakei erinnern mit einem Gedenkjahr an den Jesuiten-Novizen Tomáš Munk, der 1945 von der SS erschossen wurde. Für ihn und seinen Vater František Munk läuft seit 2011 ein Seligsprechungsprozess.

Am 29. Januar jährte sich der Geburtstag von Tomáš Munk (1924-1945), der in den letzten Wochen des Zweiten Weltkriegs erschossen wurde, zum 100. Mal. Mit einem Gedenkgottesdienst in der Jesuitenkirche in Ružomberok, den der Weihbischof von Spiš, Ján Kuboš, leitete, begann das Gedenkjahr für Tomáš Munk. Es steht unter dem Motto „Das Zeugnis des Glaubens heilt Wunden“ und endet am 4. Mai 2025.

SS nahm Tomáš Munk im Noviziat fest

Der Vater von Tomáš Munk, František Munk, war während des Zweiten Weltkriegs Direktor einer Zellulosefabrik in Ružomberok. Er und seine Familie „begannen, sich zu Christus zu bekennen, ohne sich von ihren jüdischen Wurzeln loszusagen“, schreibt der Jesuitenprovinzial Jozef Šofranko zum Start des Gedenkjahrs. Im Jahr 1943 trat der Sohn Tomáš Munk ins Noviziat der Jesuiten ein. Im Dezember 1944 wurde die Familie nach dem Einmarsch der deutschen Truppen in der Slowakei festgenommen. Die Spuren der Mutter Gizela und des Sohns Juraj verloren sich in den Konzentrationslagern Bergen-Belsen und Ravensbrück. Der Vater František und Tomáš wurden nach Zwangsarbeit in Sachsenhausen und Lichtenrade auf einem Todesmarsch bei Berlin am 20. April 1945 von der SS erschossen.

Schicksal der Familie Munk als Zeugnis „der Kraft des Verzeihens“

Šofranko mahnt, dass das Schicksal der Familie Munk ein „Momentum des Rassen-, aber auch Kirchenhasses der Ideologie Hitlers“ bleibe. „Die Familie Munk wurde Teil der „unzähligen Opfer des jüdischen Volkes und der katholischen Kirche, die vom totalitären Regime gnadenlos liquidiert wurden, sei es wegen ihrer Herkunft oder wegen ihrer Treue zu Gott. Sie sind das Licht Gottes für uns und für alle, die mit ähnlichen Gewaltsituationen konfrontiert sind, sei es in ebenso brutaler oder in einer anderen Form“, so Šofranko. Der Provinzial betont, dass ihr „heiliges Leben aber auch ein Zeugnis der Kraft des Verzeihens, der Feindesliebe und des Glaubens an die Auferstehung“ sei.

Bewusstsein für die jüdisch-christlichen Wurzeln stärken

Der Lebensweg Tomáš Munks sei mit der Stadt Ružomberok verbunden, „dem heutigen Sitz der Katholischen Universität, mit der Slowakei und der Region Mitteleuropa“. Für Šofranko habe Tomáš Munks Geschichte aber auch das „Potenzial, die ganze Welt anzusprechen“: „Möge die Familie Munk uns auf dem Weg der inneren Erneuerung des gemeinsamen Gedächtnisses begleiten. Es ist ein Weg des Respekts für die religiösen Überzeugungen anderer, ein Weg der Loyalität, der Demut, des Glaubens und der Liebe. Es ist ein Bewusstsein für die Werte, die sich aus den jüdisch-christlichen Wurzeln ergeben, aus denen wir geistig und kulturell schöpfen.“

(jesuits.eu / kap – vn)

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05. Februar 2024, 12:27