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Flüchtlingslager in Bulengo bei Goma Flüchtlingslager in Bulengo bei Goma  (ANSA)

Kongo: Kämpfe und Flüchtlingschaos im Osten

Der Osten des Kongo kommt nicht zur Ruhe. Um die Stadt Sake sind heftige Kämpfe zwischen der kongolesischen Armee und der bewaffneten Gruppe M23 ausgebrochen; die Bewohner flüchten aus der Stadt, vor allem in Richtung Goma.

Stanislas Kambashi SJ – Vatikanstadt

Die Zahl der Toten und Verletzten steigt, die humanitäre Lage wird katastrophal, berichtet Abbé Faustin Mbara, ein Pfarrer aus der Stadt in Nord-Kivu, die 25 km von Goma entfernt an der Nordspitze des Kivu-Sees liegt.

„Seit über einer Woche sind mehr als 95% der Bevölkerung von Sake nach Goma und in andere Orte geflohen; rund um die Stadt sind M23-Rebellen, auch in Rutoboko, ganz in der Nähe des katholischen Gymnasiums ‚Pain de Vie‘, die Stadt ist gewissermaßen umzingelt. In der Stadt selbst halten sich aber noch Widerstandskräfte und Soldaten der kongolesischen Armee auf.“

Demonstranten am Montag in Goma
Demonstranten am Montag in Goma

Wiederkehr des Immergleichen

Es ist eine Wiederkehr des Immergleichen: Mitte der Neunziger beherbergte Sake Flüchtlinge aus dem nahen Ruanda; 2002 dann Einwohner von Goma, die vor einem Vulkanausbruch flohen. 2006 fanden hier heftige Kämpfe zwischen Militär und Rebellen statt, die Tausende von Menschen zur Flucht zwangen. Die M23-Gruppe ist eigentlich 2013 von der Armee militärisch in die Knie gezwungen worden, hat aber Ende 2021 ein blutiges Comeback geschafft – wohl auch mit Unterstützung aus Ruanda, wie UNO-Erkenntnisse nahelegen.

„Vielleicht fällt die dritte Bombe ja auf uns“

„Wir haben begonnen zu fliehen, als zwei Bomben in der Nähe der Pfarrei und des dort errichteten Vertriebenenlagers niedergingen. Sie haben zu vielen Toten und Verletzten geführt. Daraufhin brachen die Leute auf, um sich in Sicherheit zu bringen; alle sagten sich, dass die dritte Bombe vielleicht auf uns fallen könnte. Darum sind wir weggezogen. Das Lager beherbergte Vertriebene, die aus den Bergen nach Sake gekommen waren. An diesem Montag, dem 19. Februar, fiel eine weitere Bombe im Kaduki-Viertel und verursachte mindestens einen Toten und drei Verletzte.“

Auch der Abbé Faustin Mbara hat mittlerweile Zuflucht in Goma gefunden. Von dort geht er, wie er sagt, täglich in die Lager, um anderen Geflüchteten – nicht nur Christen – beizustehen. Viele Menschen, die aus Sake entkommen sind, hätten in Goma auch bei Familien Aufnahme gefunden.

An die 60.000 Vertriebene aus Sake

„Man kann die Zahl der Vertriebenen aus Sake auf 50.000 bis 60.000 schätzen; die meisten von ihnen leben jetzt in Lagern wie Mugunga, Kihuli, Bulengo und vielen anderen. Im Vertriebenenlager von Sake gibt es keine Menschenseele mehr. Die Rebellen stehen zwei Kilometer vor der Stadt, die Gefahr ist unmittelbar; trotzdem gehen manche Leute zurück, holen etwas zu essen (oder was sie sonst so brauchen) aus ihren Häusern und kehren dann schnell nach Goma zurück.“

Was die humanitäre Lage betrifft, sind Hilfsorganisationen von diesem Zustrom von Vertriebenen in die mittlerweile überfüllten Lager so gut wie überfordert. Natürlich tun sie trotzdem, was sie können. „Unsere Diözesancaritas arbeitet mit dem Welternährungsprogramm (WFP) zusammen, insbesondere bei der Verteilung von Lebensmitteln. Doch der Bedarf ist bei weitem nicht gedeckt; manche haben seit einer Woche nichts mehr zu essen bekommen, andere schlafen immer noch unter freiem Himmel. In einer solchen Situation besteht auch die Gefahr, dass sich durch Wasser übertragene Krankheiten entwickeln, da der Zugang zu sauberem Wasser nicht einfach ist…“

Flüchtlinge in Bulengo
Flüchtlinge in Bulengo

„Manche Flüchtlinge schlafen immer noch unter freiem Himmel“

Die kongolesische Regierung hat eine Offensive gegen die M23 angekündigt; darauf warte die Bevölkerung jetzt, berichtet der Pfarrer. Allerdings fürchteten viele, dass sich die unheilvolle Geschichte wiederhole; schon die CNDP-Rebellen von Laurent Nkunda hätten ja vor etwa 25 Jahren exakt da gestanden, wo jetzt die M23-Rebellen seien, „auf denselben Positionen“, und mehr als zwei Jahre lang habe sich damals an dieser Lage und an der Bedrohung für die Bevölkerung nichts geändert.

Kämpfe und Chaos im Osten des Kongo: Ein Anruf von Radio Vatikan in Goma

Dringende Hoffnung auf eine dauerhafte Lösung

„Ich bitte die internationale Gemeinschaft, aktiv zu werden, damit diese Situation beendet wird, denn die Bevölkerung leidet wirklich, und es wird eine humanitäre Krise geben, wenn nicht sofort eingegriffen wird. Ich bitte die Christen auf der ganzen Welt, dafür zu beten, dass der Frieden, den wir so dringend brauchen, wieder hier einkehrt und wir in Ruhe für den Herrn arbeiten können. Und die Regierung bitte ich, sich mal hinzusetzen und nach den Wurzeln dieser Konflikte bei uns zu forschen, um eine dauerhafte Lösung hinzubekommen – und nicht immer nur palliative Maßnahmen. Eine Lösung am Verhandlungstisch! Es darf nicht Stämme geben, die am Rand stehen, und Stämme, die mehr gelten als andere.“

(vatican news – sk)

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20. Februar 2024, 12:01