Suche

Der Friedhof der Familie Dajani in Jerusalem Der Friedhof der Familie Dajani in Jerusalem 

Heiliges Land: Der Friedhof der Familie Dajani in Jerusalem

Wie Muslime, Christen und Juden im Heiligen Land zusammenhalten können, allen Spannungen zum Trotz, das wird deutlich anhand der Geschichte eines kleinen, vernachlässigten Friedhofs auf dem Zionsberg in Jerusalem. Unser Mitarbeiter Michael C. Hermann war dort - noch vor dem Ausbruch des Krieges, der derzeit die gesamte Weltgemeinschaft in Atem hält.

Von Michael C. Hermann - Jerusalem

Ein kleiner muslimischer Friedhof auf dem Zionsberg in Jerusalem. Das Davidsgrab, einer der wichtigsten heiligen Stätten des Judentums, ist gerade mal 30 Meter entfernt. Viele Juden kommen und beten in Sicht- und Hörweite. Doch der muslimische Friedhof ist in einem beklagenswerten Zustand. Alles ist überwuchert, vor allem der Essigbaum hat sich enorm ausgebreitet. Kein schöner Anblick. An einem Abend, kurz vor dem Angriff der Hamas, geht dann alles ganz flott. Rund 40 Menschen - Juden, Christen, Muslime - allesamt ausgestattet mit Gartengeräten, rücken an, um den Friedhof der Familie Dajani wieder schön zu machen. Unter den Aktiven: zwei junge Frauen, Volontärinnen aus Deutschland, Theresa und Hanna: „Ich finde sehr eindrucksvoll, wie friedlich die Leute doch miteinander umgehen können im Gegensatz zu dem, was auf den Straßen abgeht. – Ich finde es schön, dass alle zusammenarbeiten und man am Ende sieht, wieviel geschafft wurde. Als wir hier hingekommen sind, gab es so viel Grünzeug. Jetzt ist es aufgeräumter, und das ist ein schönes Gefühl.“

„Ich hoffe, dass es in Jerusalem eines Tages Frieden für alle gibt“

Hier zum Nachhören

Kleine Schritte für den Frieden

Friedhöfe in Jerusalem - das ist ein kompliziertes Thema. Der Friedhof der Familie Dajani auf dem Zionsberg gehört der öffentlichen Hand. Doch ungeklärt ist, wer sich konkret um die Pflege kümmert. Eigentlich, so erzählt Sana Dajani, komme die Familie illegal auf den Friedhof, um nach dem Rechten zu sehen. Unterstützt wird das Projekt von der Evangelischen Kirche in Jerusalem. Mit dabei bei der Putzaktion ist auch Propst Joachim Lenz.

„Friedhöfe sind eigentlich Orte des Friedens. Da liegen Menschen nebeneinander, die dann endlich mal gleich sind. Unser eigener evangelischer Friedhof ist geschändet worden. Wir haben vor einigen Wochen dann Besuch bekommen, jüdischen, mulimischen Besuch. Die haben mit uns den Friedhof wieder sauber gemacht und gereinigt. Die werden uns auch helfen, die zerstörten Grabkreuze wieder herzurichten.“

Mit grobem Gerät kämpft Joachim Lenz gegen die wuchernden Essigbäume. „Und heute hier zu sein auf einem sehr antiken muslimischen Friedhof, der eine große Geschichte in Jerusalem hat, und mitzuhelfen, diesen Friedhof sauber zu machen und wieder ordentlich herzurichten, ist sozusagen Ehrensache. Wie Friede werden soll im Heiligen Land, weiß ich ja auch nicht. Aber ich mir sicher, dass es nur mit ganz kleinen Schritten losgehen kann. Und das hier ist so einer.“

(vatican news)

Danke, dass Sie diesen Artikel gelesen haben. Wenn Sie auf dem Laufenden bleiben wollen, können Sie hier unseren Newsletter bestellen.

03. November 2023, 11:50