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Nachtansicht von Mossul Nachtansicht von Mossul 

Irak: In Mossul läuten wieder Kirchenglocken

In der nordirakischen Metropole Mossul läuten wieder Kirchenglocken. Am vergangenen Sonntag, 13. November, wurden erstmals wieder die Glocken der chaldäischen Pauluskirche in Betrieb genommen, wie das in Linz ansässige Hilfswerk „Initiative Christlicher Orient“ (ICO) am Donnerstag berichtete.

Es war das erste Glockenläuten, seit die Terrormiliz IS im Juni 2014 die Stadt eroberte. Christen aus verschiedenen Teilen der irakischen Ninive-Ebene waren am Sonntag zur Kirche gekommen, um bei dem denkwürdigen Ereignis dabei zu sein.

„Wir hoffen, dass alle ursprünglichen Bewohner in ihre Häuser zurückkehren und Sicherheit und Stabilität erfahren und im Schoß ihrer Stadt gedeihen“, sagte der chaldäische Erzbischof von Mossul, Michael Najeeb Moussa, im Rahmen der feierlichen Zeremonie, bei der die Glocken wieder in Betrieb genommen wurden.

Um die Wiederanbringung der Glocken auf dem Kirchendach hätten sich Christen und Muslime gleichermaßen bemüht, hieß es aus Kirchenkreisen. Die Initiative spiegle die Entschlossenheit der Menschen vor Ort für ein friedliches Zusammenleben zwischen den Religionen wider.

Renovierung dank Spenden

Mit westlicher Hilfe konnte Erzbischof Moussa in den vergangenen Jahren in Mossul die chaldäische Pauluskirche renovieren, wo er inzwischen seinen Bischofssitz hat. Die Pauluskirche ist allerdings noch eine Ausnahme, denn alle 35 Kirchen Mossuls wurden vom IS während seiner Schreckensherrschaft zerstört bzw. bei der Rückeroberung dem Boden gleich gemacht. Neben der Pauluskirche wurden bislang erst zwei weitere syrisch-katholische Kirchen renoviert sowie in Teilen das chaldäische Georgskloster, eines der großen spirituellen Zentren der Kirche in vergangenen besseren Jahren. Seit der militärischen Rückeroberung Mossuls 2017 sind auch erst rund 50 christliche Familien in die Millionenstadt zurückgekehrt.

Solidaritätsbesuch aus Österreich

Im vergangenen September stattete eine ICO-Delegation mit Bischof Werner Freistetter und ICO-Obmann Slawomir Dadas an der Spitze Mossul und Erzbischof Moussa einen Solidaritätsbesuch ab. Freistetter und Dadas besuchten gemeinsam mit Moussa verschiedene zerstörte Kirchen, die vom IS zum Teil auch als Bomben-Werkstatt oder Gefängnis geschändet worden waren. Ebenso suchten sie jenen Ort auf, wo Papst Franziskus bei seinem Besuch im März 2021 gebetet hatte.

„Als der Papst die Zerstörung in Mossul gesehen hat, hat er geweint“

„Als der Papst die Zerstörung in Mossul gesehen hat, hat er geweint. Wir hoffen sehr, dass seine Friedensbotschaft nachhaltig wirken wird“, sagte Erzbischof Moussa beim Besuch der ICO-Delegation. Noch sei die Gefahr durch den IS nicht gebannt. „Es gibt immer noch IS-Schläferzellen. Wahrscheinlich nicht innerhalb der Stadt, aber im Umland“, warnte der Erzbischof.

(Infos: www.christlicher-orient.at bzw. www.facebook.com/initiativechristlicherorient)

(kap - cs)

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17. November 2022, 11:01