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Freie Religionsausübung zählt zu den Menschenrechten Freie Religionsausübung zählt zu den Menschenrechten  (ANSA)

Kardinal Parolin: Minderheiten brauchen Schutz und Achtung

30 Jahre nach Annahme der UN-Erklärung über Rechte von ethnischen, religiösen und sprachlichen Minderheiten hat der vatikanische Kardinalstaatssekretär in New York vor einer Diskriminierung von Minderheiten gewarnt und sich tief besorgt über die weltweite Christenverfolgung gezeigt.

Pietro Parolin äußerte sich in einer Rede vor hochrangigen UN-Vertretern, die im Rahmen der „Transforming Education Summit“ in New York anlässlich des 30-Jahr-Jubiläums die weltweite Achtung der Menschenwürde einforderten.

Kardinal Parolin warnte vor der Gefahr, dass durch den Begriff „Minderheit“ das Prinzip der Gleichwertigkeit eines jeden Menschen ausgehöhlt werden könnte. Er betonte nachdrücklich die Wichtigkeit der Anerkennung derselben Würde aller Menschen und der damit verbundenen gleichen Rechte eines jeden Menschen. Der Vatikanvertreter erinnerte in seiner Rede weiter daran, dass Integration nicht Assimilation bedeute – im Umgang mit Minderheiten müsse die Identität der jeweiligen Gruppe geachtet werden.

Tiefe Sorge über Christenverfolgung

Tief besorgt zeigte sich der Kardinalstaatssekretär über die weltweite Christenverfolgung. Christen gehörten weiter zu den am meisten verfolgten Gruppen der Welt, und zwar auch in Ländern, in denen sie keine Minderheit seien, referierte Parolin. In 76 Ländern weltweit seien laut Schätzungen 360 Millionen Christen aufgrund ihres Glaubens Diskriminierung, Gewalt und Verfolgung ausgesetzt. Ähnliches erlitten auch Angehörige anderer religiöser Überzeugungen.

Die UN-Erklärung über Rechte von ethnischen, religiösen und sprachlichen Minderheiten von 1992 konkretisiert Artikel 27 des UN-Pakts für bürgerliche und politische Rechte und betont den Schutz nationaler, ethnischer, kultureller, religiöser und sprachlicherer Identitäten. Dabei wird betont, dass es nicht um den Schutz der Minderheitsgruppen als Kollektiv, sondern um jeden einzelnen Angehörigen geht.

Guterres: Minoritäten de facto ohne Schutz

UNO-Generalsekretär António Guterres zeichnete mit Blick auf die Achtung ethnischer, religiöser und sprachlicher Minderheiten ein dramatisches Bild und beklagte breiteste Versäumnisse. Es gehe nicht um einzelne Lücken, sondern um „völlige Untätigkeit“ hinsichtlich ihres Schutzes, sagte er am Mittwoch in New York. Minderheiten würden weiter zwangsassimiliert und verfolgt, erlebten Vorurteile und Diskriminierung, Hass und Gewalt. 30 Jahre nach Annahme der UN-Erklärung bleibe die Welt hinter den Zielen der Nicht-Diskriminierung und der Beteiligung von Minderheitenangehörigen an Entscheidungsprozessen in allen Lebensbereichen weit zurück. Guterres forderte er die Mitgliedstaaten auf, „konkrete Schritte“ zum Schutz von Minoritäten und ihrer Identität zu unternehmen.


(vatican news/kap – sm/pr)

 

22 September 2022, 11:26