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Familie der in Haiti ermordeten Missionarin beim Papst

Am Rand der Generalaudienz von diesem Mittwoch begrüßte Papst Franziskus die Familie von Luisa Dell’Orto, der italienischen Missionarin, die am vergangenen 25. Juni in Haiti getötet worden war. Dabei erhielt er von den Familienangehörigen mit einem Stein der bei dem Erdbeben von 2010 zerstörten Kathedrale von Pourt-au-Prince ein Erinnerungsstück an die kleine Schwester des Evangeliums von Charles de Foucauld.

Ausnehmend freundlich begrüßte der Papst die kleine Delegation aus Lomagna, dem Geburtsort von Schwester Luisa Dell'Orto, die am Ende der Generalaudienz auf dem Petersplatz vor ihn trat. Mit dabei waren die Geschwister Maria Adele, Giuseppe und Carmen, aber auch die Nichten und Neffen der kleinen Schwester des Evangeliums von Charles de Foucauld, die 20 Jahre in Haiti lebte und wirkte.

Am 25. Juni wurde die Ordensfrau in ihrem Auto von Schüssen getroffen, sie erlag den schweren Verletzungen. Stets hatte sie sich für die anderen eingesetzt, für die Kinder des Charles House in Port-au-Prince und für zukünftige haitianische Priester. Es scheint fast wie eine Prophezeiung, dass Schwester Luisa 2015 in einer Weihnachtsbotschaft schrieb: „Das Leben ist stärker als jeder Akt der Bosheit und Gewalt, stärker als diejenigen, die ihm die Kehle durchschneiden wollen, denn das Leben ist gut, immer, auch wenn es arm ist.“

„Das Leben ist stärker als jeder Akt der Bosheit und Gewalt, stärker als diejenigen, die ihm die Kehle durchschneiden wollen, denn das Leben ist gut, immer, auch wenn es arm ist“

„Schwester Luisa machte ihr Leben zu einem Geschenk für andere, bis hin zum Martyrium“: Mit diesen Worten gedachte Papst Franziskus nur wenige Stunden nach der Nachricht von ihrer Ermordung beim Angelus der Ordensfrau. Aufgrund ihres Einsatzes für das haitianische Volk war sie allgemein geachtet und geschätzt. Ihr trauriges Schicksal ist leider kein Einzelfall: Erst am vergangenen 7. September kam Schwester Maria De Coppi, die in Mosambik tätig war, bei einem Überfall ums Leben. Umso beeindruckender ist der Einsatz, den so viele Männer und Frauen mit ihrer missionarischen Arbeit auch in den gefährlichsten Ecken der Welt zeigen. Für Maria Adele Dell’Orto, die Schwester der in Haiti ermordeten Ordensfrau, stellte die Begegnung mit Papst Franziskus an diesem Mittwoch ein ergreifendes Erlebnis dar, auch deshalb, „weil man Luisas Opfer anerkennt“, sagte sie im Anschluss im Gespräch mit Radio Vatikan.

Schwester Luisa Dall'Orto bei der Arbeit
Schwester Luisa Dall'Orto bei der Arbeit

„Wir dachten daran, einen Stein mitzubringen, den ich zu Zeiten des Erdbebens in Haiti, unmittelbar nach dem Einsturz der Kathedrale, aufgesammelt hatte. Es schien mir eine schöne Sache zu sein, ihn dem Papst übergeben zu können. Ich hatte ihm einen Satz beigelegt, den ich in Luisas Schriften gefunden hatte. Er stammte aus dem Jahr 2005. Sie schrieb, dass wir mit unserem Leib und unserem Herzen die lebendigen Steine sind, die wahren lebendigen Steine unserer Kirche, wie es im ersten Brief des heiligen Paulus heißt. ,Es ist eine Einladung‘, so betonte sie, ,unseren Glauben an Jesus, der gestorben und auferstanden ist, zu festigen und zu vertiefen.‘“

So habe sie diesen Gedanken dem Papst gewidmet und ihn gebeten, ihre „kleine Schwester Luisa“, der aus unerfindlichen Gründen das Martyrium bestimmt worden sei, in sein Herz aufzunehmen, erzählt die ältere Schwester der Ermordeten. Unter den Geschwistern herrsche dafür jedoch auch „Dankbarkeit“, selbst wenn es schwierig sei, sich mit ihrem Tod abzufinden: „Ich vermisse sie jeden Morgen, weil wir uns immer gegenseitig Nachrichten schickten, um zu sagen, ob es sonnig war oder, wie in den letzten Nachrichten, dass es ein schweres Gewitter geben würde. Aber dann war es am nächsten Tag doch wieder sonnig und es schien, als wäre man in den Bergen. Solche Nachrichten, die ich in meinem Herzen bewahre.“

Schwester Luisa Dall'Orto bei der Arbeit
Schwester Luisa Dall'Orto bei der Arbeit

Bereits wenige Stunden nach ihrem Tod hatte Papst Franziskus beim Mittagsgebet von dem „Martyrium“ der Ordensfrau gesprochen. In der Tat habe sie durch ihre Tätigkeit in Haiti einen Samen gepflanzt, der auch in Zukunft nachwirken werde, zeigt sich die Schwester der Ermordeten überzeugt: „Ich habe eine Gruppe, die Caritas-Boys heißt, weil sie alle Jungs sind, die bei Luisa vorbeigekommen sind, um ihre Hilfe anzubieten, einige für eine lange Zeit, andere für weniger. Zum Zeitpunkt der Tragödie haben wir uns, auch auf Kreolisch, mit den Jungen von Kay Chal (Charles House) in Verbindung gesetzt. Sie schreiben alle, dass sie eine große Leere hinterlassen hat und ihnen besonders jetzt fehlt, wo die Banden morden und im Norden sogar so weit gehen, die Caritas ins Visier zu nehmen.“

Doch das Gute, das Luisa hinterlassen habe, werde niemals sterben, betont ihre Schwester:

„Das zeigt sich auch an der großen Menge von Menschen, die morgens ihr Grab auf dem Friedhof aufsuchen. Ich erhielt einen Anruf von einer Frau, die in einer weit entfernten Stadt wohnt und von Luisa aus den Nachrichten erfahren hatte. Sie sagte mir, sie wolle zu ihrem Grab kommen. In Lomagna ist es so, als stünde sie bereits im Ruf der Heiligkeit, wenn Sie so wollen... es macht mir Angst, das zu sagen, aber so ist es.“

(vatican news - cs)

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22. September 2022, 14:14