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Ein Kind sitzt in Honduras auf ausgetrocknetem Boden - eine Folge des Klimawandels Ein Kind sitzt in Honduras auf ausgetrocknetem Boden - eine Folge des Klimawandels  (AFP or licensors)

Lateinamerika: Weichenstellungen vor Superwahlmonat gefordert

In diesem November ist in Lateinamerika „Superwahlmonat“, in gleich fünf Ländern stehen Wahlen an. Pater Martin Maier, Hauptgeschäftsführer des Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat, fordert richtige Weichenstellungen, vor allem in jenen Bereichen, die die Menschen in Lateinamerika besonders bedrohen: Klimawandel, Korruption und die Corona-Pandemie.

Es sei ein „Armuts-Tsunami“, der aktuell Lateinamerika heimsuche, erklärt Maier. Verheerende Wirbelstürme, gravierende Ernteausfälle und die zunehmende Armut als Folge der Corona-Pandemie setzten den Leuten zu. „Hunderttausende Menschen suchen im Müll nach Essensresten“, so Maier, und viele weitere Tausende veranlasse die Situation, sich auf den Weg in Richtung Norden zu machen.

Zehntausende emigrieren

„Die neu gewählten Regierungen und politischen Kräfte müssen nach den anstehenden Wahlen in Nicaragua, Venezuela, Honduras, Chile und Argentinien die Not der Menschen in den Mittelpunkt stellen“

Aktuell befänden sich zehntausende Menschen aus der ganzen Region in Mexiko und im Grenzgebiet zwischen Kolumbien und Panama auf der Flucht. „Sie sind die Verlierer und Leidtragenden einer katastrophalen Entwicklung. Sie tragen die Folgen von gleich drei schweren Krisen: Den katastrophalen wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie, des Klimawandels und von krimineller Staatsführung“, erläutert Adveniat-Hauptgeschäftsführer Maier. „Die neu gewählten Regierungen und politischen Kräfte müssen nach den anstehenden Wahlen in Nicaragua, Venezuela, Honduras, Chile und Argentinien die Not der Menschen in den Mittelpunkt stellen.“

Lebensmittelengpässe nach Hurrikans

Besonders dramatisch ist die Lage aktuell in El Salvador, Guatemala und Honduras, die von verheerenden Wirbelstürmen betroffen sind. Angesichts der dortigen Lebensmittelengpässe bat die Welternährungsorganisation die Regierungen der wohlhabenden Staaten um Soforthilfe in Höhe von umgerechnet 35 Millionen Dollar. Laut einem Bericht der Tageszeitung „La Hora" sind rund eine halbe Millionen Menschen in der Region von den Folgen der Ernteausfälle betroffen. Um den Menschen vor Ort zu helfen, habe auch das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat seinen Partnerinnen und Partnern in ganz Lateinamerika allein für Lebensmittel und Hygiene-Artikel mehr als acht Millionen Euro in rund 500 Projekten zur Verfügung gestellt.

Präsidentschaftswahlen in Nicaragua, Honduras und Chile

Den Auftakt macht am 7. November Nicaragua mit der Präsidentschaftswahl. Diese droht jedoch zur Farce zu werden, denn das amtierende Präsidentenehepaar Daniel Ortega und Rosario Murillo ließ sämtliche aussichtsreiche Mitbewerber verhaften. Die Familie Ortega kontrolliert zudem Schlüsselpositionen in Medien und Wirtschaft. Die Voraussetzungen für freie und faire Wahlen sind nicht gegeben, kritisierte die Nicaraguanische Bischofskonferenz.

In Honduras wird am 28. November ein Nachfolger von Präsident Juan Orlando Hernández gewählt, dem die US-Justiz vorwirft, in den Drogenhandel verstrickt zu sein. Die Kirche in Honduras hatte im Vorfeld dazu aufgerufen, jenen Kandidaten, die von „Korruption, organisierter Kriminalität und Drogenhandel befleckt sind, die der Bevölkerung so viel Schaden zugefügt haben“, ihre Stimme zu verweigern. Zudem ist Honduras aktuell von schweren Lebensmittelengpässen betroffen.

Am 21. November wählt Chile einen Nachfolger für Präsident Sebastián Piñera. Das Land erlebt tiefe gesellschaftliche Verwerfungen und eine politische Polarisierung. „Wer auch immer in Chile gewinnt, muss sich für die gesellschaftliche Aussöhnung einsetzen. Dazu zählt insbesondere die Anerkennung der Grundrechte der indigenen Völker“, sagt Pater Maier.

Parlamentswahlen in Argentinien

Argentinien leidet vor den Parlamentswahlen am 14. November unter den wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie. Die Armenspeisungen der Kirche seien überfüllt, die Armutsrate auf über 40 Prozent gestiegen. Jüngst hatte der Vorsitzende der Argentinischen Bischofskonferenz, Bischof Óscar Ojea, eine gemeinsame gesellschaftliche Kraftanstrengung gefordert.

Regionalwahlen in Venezuela

In Venezuela stehen am 21. November Regionalwahlen an. In der Vergangenheit waren die Wahlen wegen des Vorwurfs von Wahlmanipulation und Betrug immer wieder boykottiert worden. Die EU hat sich daher entschieden, erstmals seit 15 Jahren Wahlbeobachter für die Regionalwahlen zu entsenden.

(pm – gh)

02 November 2021, 11:37