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Migranten an der Grenze nach Polen, am Mittwoch Migranten an der Grenze nach Polen, am Mittwoch 

EU/Belarus: „Nicht zulassen, dass Migranten sterben“

Die Bischöfe der Europäischen Union rufen dazu auf, die Migranten an der Grenze zwischen Belarus und Polen „menschlich zu behandeln“. Eine Erklärung des Verbands der EU-Bischofskonferenzen (COMECE) nennt das Geschehen an der EU-Ostgrenze „eine Tragödie“.

Stefan von Kempis – Vatikanstadt

„Migranten und Asylsucher verdienen vollen Respekt ihrer Würde und grundlegenden Rechte, ganz unabhängig von ihrem legalen Status“, so das Statement von diesem Donnerstag. „Wir können nicht zulassen, dass Menschen an unseren Grenzen sterben.“

Die EU solle Polen „dabei helfen, auf diese humanitäre Herausforderung an seiner Grenze zu antworten“. Militärische Hilfe ist damit offensichtlich nicht gemeint.

„Auf humanitäre Krise mit Humanität antworten“

„Zuallererst glaube ich, dass wir auf eine humanitäre Krise mit Humanität antworten müssen.“ Das sagt der COMECE-Präsident, Kardinal Jean-Claude Hollerich, an diesem Donnerstag in einem Interview mit Radio Vatikan. „Wir sollten den Leuten helfen und sie nicht an den Grenzen der Europäischen Union erfrieren lassen. Das ist unchristlich!“

Natürlich sei es jetzt auch wichtig, „mit Belarus Gespräche zu führen“, so Hollerich. „Das sind Fragen von hoher Diplomatie, da möchte ich mich nicht einmischen. Aber die Differenzen zwischen Belarus und der Europäischen Union dürfen nicht auf dem Rücken dieser flüchtenden Bevölkerung ausgetragen werden!“

Kardinal Hollerich
Kardinal Hollerich
Zum Nachhören: Kardinal Hollerich zur Migrantenkrise an der Grenze Belarus-Polen

„EU ist erpressbar geworden“

Der Kardinal, der auch Erzbischof von Luxemburg ist, beglückwünscht die polnischen Bischöfe dazu, dass sie sich in einer Erklärung für eine humanitäre Lösung eingesetzt haben: „Wir werden sie voll auf dieser Linie unterstützen.“

Mit Blick auf die EU-Asylpolitik meint Hollerich: „Wir haben uns anfällig gemacht für Erpressungen. Wir sind anfällig geworden, als wir sozusagen Anrainerstaaten bezahlt haben, um Flüchtlinge nicht durchzulassen – damit sind wir erpressbar geworden.“ Das zielt auf das Abkommen, das die EU nach den Flüchtlingsströmen von 2015 auf Betreiben der deutschen Kanzlerin Angela Merkel mit der Türkei geschlossen hat.

Kritik an EU-Türkei-Deal

„Wir brauchen eine Umkehr der Politik. Dabei ist es auch ganz klar, dass auf die Dauer Europa nicht alle Leute aus dem Nahen Osten und aus Afrika aufnehmen kann. Aber dann brauchen wir eine kohärente Politik der Europäischen Union, nicht nur mit Worten, sondern auch mit Taten: politische und wirtschaftliche Maßnahmen, damit die Leute auch das Glück in ihren Herkunftsregionen finden können.“

An der Grenze
An der Grenze

Auch der UNO-Klimagipfel von Glasgow habe in dieser Hinsicht eine wichtige Aufgabe, schließlich kämen schon jetzt viele Klimaflüchtlinge aus Afrika.

„Menschenrechte sind alle schön und gut, solange wir nicht selbst betroffen sind...“

Mit Verve tritt Kardinal Hollerich für eine humanitäre Antwort auf die Krise an der polnischen Grenze ein. „Wir dürfen die Leute nicht nur als Ziffern, als Statistiken sehen und uns sozusagen in ein gutes Gewissen hüllen. Wir sollten auf die Gesichter der Leute sehen, auf die Individualität dieser Leute: Das sind Männer, Frauen, Kinder. Menschen, die eine Geschichte haben, Hoffnungen, Ängste. Wir sollten diese Leute als Menschen sehen, und wir müssen als Menschen und als Christen reagieren.“

Der Luxemburger Erzbischof hält mit Kritik an Brüssel nicht hinterm Berg. „Die Europäische Union setzt immer große europäische Werte auf ihr Schild. Dann soll sie jetzt auch diesen Werten entsprechend handeln! Derzeit lässt sie sich ja vor aller Welt vorführen: Menschenrechte sind alle schön und gut, solange wir nicht selbst betroffen sind…“

(vatican news)
 

11 November 2021, 12:16