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Patriarch Bartholomaios I. bei einem Medien-Statement nach dem Treffen mit Joe Biden Patriarch Bartholomaios I. bei einem Medien-Statement nach dem Treffen mit Joe Biden  (ANSA)

USA: Patriarch Bartholomaios I. bei Biden, Blinken und Pelosi

Der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. hat im Rahmen seines aktuellen Besuchs in den Vereinigten Staaten Präsident Joe Biden getroffen. Dabei kamen laut dem Infoportal „OrthodoxTimes" (Mittwoch) sowohl politische wie auch kirchliche Themen zur Sprache. Auch Nancy Pelosi, die Sprecherin des US-Repräsentantenhauses, und US-Außenminister Antony Blinken traf der Patriarch.

Unter anderem ging es um Fragen der Menschenrechte, des Klimawandels und um die schwierige Situation der christlichen Minderheit in der Türkei. So rief der Patriarch die USA zu mehr Engagement in der Frage der theologischen Hochschule von Chalki auf. Die Eröffnung der Hochschule dürfe nicht mehr länger von den schwierigen türkisch-griechischen Beziehungen abhängig gemacht werden. Die USA sollten das Patriarchat bei den Bemühungen um die Eröffnung deutlicher unterstützen.

Das orthodoxe Priesterseminar von Chalki und die angeschlossene Theologische Hochschule waren bis zur Schließung durch den türkischen Staat im Jahr 1971 die wichtigste Theologische Einrichtung des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel. 1971 wurde Chalki durch ein türkisches Gesetz geschlossen, das den Betrieb von privaten Universitäten verbietet. Die USA, die Europäische Union und Russland setzen sich seit Jahren für die Wiedereröffnung der renommierten akademischen Ausbildungseinrichtung ein, ebenso naturgemäß auch das Ökumenische Patriarchat. Alle Bemühungen blieben bisher aber erfolglos.

Einheit der Orthodoxie gefährdet

Patriarch Bartholomaios bekräftigte im Gespräch mit Präsident Biden auch einmal mehr die Position Konstantinopels in der Ukraine und warf dem Moskauer Patriarchat vor, mit seinen Aktionen die Einheit der Orthodoxie zu untergraben. In der Ukraine gibt es zwei miteinander konkurrierende orthodoxe Kirchen. Die Orthodoxe Kirche der Ukraine (OKU), die Anfang 2018 von Patriarch Bartholomaios die Unabhängigkeit (Autokephalie) verliehen bekam, und die Ukrainische Orthodoxe Kirche des Moskauer Patriarchats, die innerhalb der russisch-orthodoxen Kirche autonomen Status hat, letztlich aber Teil des Moskauer Patriarchats ist. Moskau hat nach der Gewährung der Autokephalie, der kirchenrechtlichen Unabhängigkeit, an die OKU die Kirchengemeinschaft mit dem Ökumenischen Patriarchat ausgesetzt.

Initiativen gegen COVID

Bartholomaios unterstrich weiters die Bedeutung des ökumenischen Gesprächs mit der Katholischen Kirche wie auch mit anderen Kirchen. Er berichtete dem US-Präsidenten auch von einer gemeinsamen Initiative des Patriarchats, der Katholischen und Anglikanischen Kirche, Entwicklungsländer mit COVID-Impfstoff zu unterstützen. Bartholomaios überbrachte dem US-Präsidenten zudem Grüße von Papst Franziskus, der Biden am kommenden Freitag zu einer Audienz im Vatikan erwartet.

An dem Gespräch im Weißen Haus nahmen vonseiten der Orthodoxen Kirche neben dem Patriarchen auch Metropolit Emanuel von Chalcedon, die inoffizielle „Nummer Zwei" des Ökumenischen Patriarchats, und der US-amerikanische Metropolit Elpidoforos teil.

Bartholomaios zeigte im Anschluss an das Treffen sehr zufrieden. Gegenüber Journalisten hob er etwa die Bemühungen Bidens um den Umweltschutz und globale Stabilität hervor. Biden sei ein „Mann des Glaubens mit Visionen", würdigte das Ehrenoberhaupt der Weltorthodoxie den US-Präsidenten.

Auch Treffen mit Außenminister

Das Gespräch mit Präsident Biden fand bereits am Montag statt. Am selben Tag traf er auch mit US-Außenminister Antony Blinken zusammen, wo er unter anderem die allgemein schwierige Situation der Christen im Nahen Osten zur Sprache brachte. An der Georgetown University begegnete Bartholomaios außerdem dem katholischen Erzbischof von Washington, Kardinal Wilton Gregory, sowie orthodoxen Studierenden der bekannten Hochschule.

Besuch bei Pelosi

Am Dienstag wurde Bartholomaios von der Sprecherin des US-Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, empfangen. An der Begegnung nahm auch Senator Chuck Schumer, der die knappe Mehrheit der Demokraten im Senat anführt, teil. Auch ein Besuch in der türkischen Botschaft in Washington stand auf dem Besuchsprogramm des Patriarchen.

Zwischenzeitlicher Krankenhausaufenthalt

Bartholomaios I. war am Samstag in die USA gereist. Er musste aus gesundheitlichen Gründen die Nacht von Sonntag auf Montag im George Washington University Hospital verbringen, dürfte nun aber wieder fit genug sein, um das sehr dichte Besuchsprogramm zu absolvieren, das noch bis 3. November angesetzt ist.

(kap – gh)

27 Oktober 2021, 15:04