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Mädchen in Pakistan beim Verlassen einer Moschee Mädchen in Pakistan beim Verlassen einer Moschee 

Pakistan: Zwangskonversionen auf Rekordhoch

Menschenrechtsorganisationen in Pakistan berichten von einem Rekordanstieg bei Zwangskonversionen, von denen besonders auch junge Christinnen betroffen sind.

„Jeder hat das Recht auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit; dieses Recht schließt die Freiheit ein, seine Religion oder seine Weltanschauung zu wechseln, sowie die Freiheit, seine Religion oder seine Weltanschauung allein oder in Gemeinschaft mit anderen, öffentlich oder privat durch Lehre, Ausübung, Gottesdienst und Kulthandlungen zu bekennen“, heißt es in Artikel 18 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte.

In vielen Staaten wird die Religionsfreiheit jedoch weiterhin eingeschränkt. In 99 Staaten sind derzeit Gesetze in Kraft, die die Bemühungen religiöser Gruppen bestrafen, andere Menschen von Glaubensübertritten zu überzeugen. In zwölf mehrheitlich muslimisch geprägten Staaten (Afghanistan, Iran, Malaysia, Malediven, Mauretanien, Nigeria, Katar, Saudi-Arabien, Somalia, Sudan, Vereinigte Arabische Emirate und Jemen) ist es rechtlich sogar möglich, Konversionen mit der Todesstrafe zu ahnden.

Zwangskonversionen in Pakistan, ein Rekordhoch

Aber es kommt auch vor, dass Menschen gezwungen werden, das Religionsbekenntnis zu wechseln, wie der Blick nach Pakistan zeigt. Dort machten Menschenrechtsorganisationen jüngst auf einen Rekordanstieg bei Zwangskonversionen von Mädchen zum Islam aufmerksam. Demnach seien bis Mitte Oktober dieses Jahres 36 minderjährige, nicht-muslimische Mädchen entführt und zum Islam konvertiert worden. Das entspreche einem Anstieg von 177 Prozent zum Vorjahr, berichtete der asiatische Pressedienst „Ucanews" unter Berufung auf eine aktuelle Untersuchung des „Zentrum für soziale Gerechtigkeit" (CSJ) in Lahore und der „Volkskommission für die Rechte von Minderheiten" (PCMR).

Unter den Betroffenen seien 21 christliche – vor allem in der Stadt Faisalabad in der Provinz Punjab - und 15 hinduistische Mädchen.

Politik ohne ausreichende Gegenmaßnahmen

Die Kirche behauptet, dass in der dreijährigen Regierungszeit von Premierminister Imran Khan eine Rekordzahl von Mädchen aus Minderheiten konvertiert worden sei. Zwar richtete der Premierminister 2019 einen parlamentarischen Ausschuss zum Schutz von Minderheiten vor Zwangsbekehrung ein, eben dieser Ausschuss lehnte jedoch erst vergangene Woche einen Gesetzesentwurf gegen Zwangskonversionen ab.

Immer wieder äußerten christliche Aktivisten die Forderung, das Alter für religiöse Konversionen auf 18 Jahre anzuheben – jedoch vergebens. Regierungsvertreter des Landes, in dem 94 Prozent sunnitische Muslime sind, verwiesen in derartigen Debatte stets darauf, dass Glaubenswechsel höchst persönliche Entscheidungen seien. Tatsache ist jedoch, dass zahlreiche - oft junge - Menschen, diese Entscheidungen nicht selbst treffen. Viele dieser Konversionen passieren im Zusammenhang mit Zwangsheirat. Zwangskonversionen junger Frauen zum Islam ermöglichen nach der Entführung eine Heirat und erschweren es Familien erheblich, rechtlich dagegen vorzugehen. Oft dienen dabei mutmaßlich erzwungene Freiwilligkeitsbekundungen der betroffenen Mädchen als Grundlage für gerichtliche Entscheidungen. Richter würden dabei nationales und internationales Recht missachten, kritisieren Vertreter von NGOs.

Politisch wertet man von Seiten der Menschenrechtsorganisationen zwar schon die Behandlung des Gesetzesentwurfes gegen Zwangsbekehrungen im parlamentarischen Ausschuss als Erfolg, am Ziel sei man jedoch noch lange nicht. „Wir sind nicht hoffnungslos und werden den Kampf fortsetzen", sagte Peter Jacob, Vorsitzender „Volkskommission für Minderheitenrechte“ gegenüber UCA News.

(diverse – gh)

19 Oktober 2021, 12:09