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Im Mai entführte Schulkinder werden endlich freigelassen: Minna (Nigeria) am 27.8.2021 Im Mai entführte Schulkinder werden endlich freigelassen: Minna (Nigeria) am 27.8.2021  (AFP or licensors)

Sicherheitsnotstand in Nigeria: Bischöfe appellieren an Regierung

Die Bischöfe Nigerias fordern „Respekt vor der Heiligkeit des menschlichen Lebens“, das in Nigeria „noch nie so billig war“ wie heute. Sie äußerten sich im Abschlusskommuniqué zum Ende ihrer Vollversammlung, die vom 19. bis 27. August in Enugu stattfand.

Im Mittelpunkt des Dokuments mit dem Titel „Die Kirche und das prophetische Zeugnis in Nigeria“ steht die Besorgnis der Bischöfe über die Unsicherheit und Angst in der nigerianischen Gesellschaft. Seit Jahren kommt es in dem Land zu Terroranschlägen und Massenentführungen in Schulen durch die islamistische Gruppe Boko Haram; darüber hinaus leidet die Bevölkerung in einigen Regionen des Landes unter ethnisch-religiösen Konflikten um die Kontrolle von Wasser und landwirtschaftlichen Ressourcen, zu denen Entführungen zur Erpressung von Lösegeld  kommen.

All diese Tatsachen haben Nigeria „zu einem der am meisten terrorisierten Länder der Welt“ gemacht, heißt es in dem Text, der sich einmal mehr vor allem an die Regierung wendet. Diese war in den letzten Monaten mehrfach - auch von der Kirche - für ihr unzureichendes Krisenmanagement kritisiert worden.

Nach Ansicht der Bischöfe reichen die bisherigen Bemühungen der Exekutive um die Wiederherstellung der Sicherheit im Land nicht aus: Es brauche ein „größeres strategisches Engagement“, die Einhaltung der Regeln eines ordnungsgemäßen Verfahrens und die Übernahme der „vollen Verantwortung für die gegenwärtige Kultur der Gewalt und Straflosigkeit im Land“. In diesem Sinne sei es auch notwendig, jungen Menschen, die der Versuchung von Kriminalität und Gewalt am stärksten ausgesetzt sind, berufliche Perspektiven zu bieten.

Mahnung an die Bürger

An die Adresse der Bürger gerichtet fordern die Bischöfe „das Gesetz zu achten, nach gesunden moralischen Grundsätzen zu leben und die Gebote Gottes zu befolgen“. Die Unruhen und Spannungen in der nigerianischen Gesellschaft seien zwar vor allem „das Ergebnis von schlechter Regierungsführung, Ungerechtigkeit und ungleicher Verteilung der Ressourcen“, doch müsse die Ausübung der Rechte der Menschen immer „innerhalb der Grenzen der Rechtsstaatlichkeit“ erfolgen. Daher dürfe man niemals der Versuchung von „Gewalt und Kriminalität“ nachgeben.

Daher der erneute Aufruf, „für eine Nation zu arbeiten, in der sich jeder und jede Partei, unabhängig von Stammeszugehörigkeit, Religion oder politischer Einstellung, zugehörig fühlt“. Der gegenwärtige Kampf um die Wiedererlangung der „Seele“ Nigerias „wird nicht durch ethnische Säuberung, Vetternwirtschaft, Entführung und Banditentum gewonnen werden, sondern durch Liebe, Gerechtigkeit und Gleichheit, Gemeinwohl und Patriotismus“, betonen die Bischöfe und fordern Regierung und Bürger auf, „den Weg der Gerechtigkeit und des Dialogs zu gehen und sich als Akteure des Friedens und der Entwicklung zu betrachten“, um „eine harmonische und geeinte Nation“ aufzubauen. In diesem Zusammenhang wird in der Erklärung auch eine Reform des Wahlsystems gefordert, um „faire und glaubwürdige“ Wahlen zu gewährleisten. Nach Ansicht der nigerianischen Bischöfe werden diese Bedingungen durch die kürzlich von der Nationalversammlung verabschiedete Reform nicht garantiert.

Während der Vollversammlung erörterten die Bischöfe verschiedene andere Themen, die das Leben der Kirche in Nigeria betreffen: von der Liturgie über das katholische Bildungswesen bis hin zur bevorstehenden Bischofssynode zum Thema Synodalität, die im kommenden Oktober dezentral beginnen und 2023 in Rom enden wird.

(vatican news - cs)

28 August 2021, 15:46