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Vatican News
Nadschaf Nadschaf  (AFP or licensors)

Irak: Schiiten und Sunniten nähern sich an

Nach der Begegnung von Schiitenführer Ali Sistani und Papst Franziskus im Irak könnte es jetzt zu einer weiteren, diesmal innerislamischen Premiere kommen.

Der Generalsekretär des einflussreichen schiitischen al-Khoei-Instituts, Jawad al-Khoei, spricht von Plänen zu einer Begegnung von Ayatollah Sistani mit dem sunnitischen Muslimführer Ahmed al-Tayyeb aus Ägypten. Das Treffen, zu dem es noch kein Datum gibt, könnte in der irakischen Stadt Nadschaf stattfinden, wo Sistani residiert.

Sistani ist die angesehenste Stimme der schiitischen Muslime außerhalb Irans. In Nadschaf, einem Wallfahrtsort für Schiiten, hat er Anfang März auch Papst Franziskus empfangen. Noch nie hatten sich zuvor so hochrangige katholische und schiitische Gesprächspartner getroffen. Allerdings unterhält der Vatikan auch Kontakte zu schiitischen Geistlichen im Iran.

Sistani mit dem Papst
Sistani mit dem Papst

„Der Islam fliegt mit einem sunnitischen und einem schiitischen Flügel“

Der ägyptische Großimam Ahmed al-Tayyeb leitet die al-Azhar-Universität in Kairo, eine der wichtigsten Institutionen in der sunnitischen Spielart des Islam. Im Februar 2019 haben al-Tayyeb und Papst Franziskus bei einer Begegnung in Abu Dhabi (Emirate) ein weithin beachtetes Dokument über die Geschwisterlichkeit aller Menschen unterzeichnet, das dem interreligiösen Dialog neue Impulse gegeben hat.

Al-Khoei äußerte sich in einem Interview mit dem Portal arabiya.net. Nach seinen Angaben könnte das Treffen Sistanis mit al-Tayyeb ebenfalls in Nadschaf stattfinden. Al-Khoei hat mit zum Zustandekommen der Begegnung Sistanis mit Papst Franziskus beigetragen.

Franziskus mit al-Tayyeb
Franziskus mit al-Tayyeb

„Der Islam fliegt mit einem sunnitischen und einem schiitischen Flügel“, so al-Khoei in dem Interview. Er spricht von vielen Möglichkeiten zur Zusammenarbeit. Zum Hintergrund einer möglichen sunnitisch-schiitischen Annäherung gehört auch, dass die Spannungen zwischen Saudi-Arabien und Iran, also den jeweiligen Vormächten der beiden islamischen „Konfessionen“, derzeit etwas nachgelassen haben.

(cath.ch/vatican news – sk)
 

11 Mai 2021, 09:59