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Beschädigter Panzer an der Straße nach Mekele (Tigray) - Aufnahme von Ende Februar Beschädigter Panzer an der Straße nach Mekele (Tigray) - Aufnahme von Ende Februar  (AFP or licensors)

Äthiopien: Beobachter nach Tigray lassen

Der Bischof von Adigrat, Tesfaselassie Medhin, appelliert an die nationale und internationale Gemeinschaft, nicht vom brutalen Kriegsgeschehen in der äthiopischen Region Tigray wegzuschauen.

„Hier findet eine humanitäre Katastrophe statt, das Töten muss ein Ende haben“, sagt Bischof Tesfaselassie Medhin im Gespräch mit missio München. Dringend nötig sei die Unterstützung mit Medikamenten und Lebensmitteln, deren Verteilung in allen Dörfern und Regionen von Tigray ermöglicht werden müsse.

Zerstörungen, sexuelle Gewalt, enorme Not der Menschen

„Internationalen Nichtregierungsorganisationen muss der Zugang ermöglicht werden, damit die Öffentlichkeit die Wahrheit über die allumfassenden Zerstörungen, die sexuelle Gewalt und die enorme Not der Menschen erfährt“, so der Bischof.

Die Kämpfe gingen nun schon im fünften Monat unvermindert weiter, berichtete Medhin. An vielen Orten in Tigray, das von den Armeen Äthiopiens und Eritreas besetzt sei, würden Zivilisten getötet. Zudem komme es zum Einsatz von Drohnen. „Wir befinden uns in einer schlimmen Situation“, so der langjährige Projektpartner von missio München. Er fordert: „Die eritreische Armee muss abgezogen werden.“

Flüchtlinge in Mekele
Flüchtlinge in Mekele

80 Prozent des Gebietes unzugänglich

Erste Hilfsgüter seien angekommen, bisher aber lediglich an wenigen Orten entlang großer, zugänglicher Straßen, berichtet Bischof Tesfaselassie Medhin. Im Namen der Gemeinden bedankt er sich bei den Organisationen, die die Koordination übernehmen und sich um die Versorgung bemühen. Allerdings seien 80 Prozent des Gebietes wegen der anhaltenden Kämpfe und Straßensperren unzugänglich.

Der Bischof selbst hatte ab Ende Oktober drei Monate keinen Kontakt zu den Pfarreien. Erst vor kurzem habe er mit ein paar Niederlassungen Verbindung aufnehmen können, mit sechs Pfarreien sei allerdings nach wie vor kein Nachrichtenaustausch möglich. „Von drei weiteren Stationen der Diözese im Westen von Tigray haben wir gehört, dass sie geplündert und zerstört worden sind. Wir erreichen allerdings niemanden und können das Ausmaß der Schäden nicht einschätzen.“

Stromversorgung zusammengebrochen

Auch aus anderen Pfarreien kommen Hilferufe. So hat die Pfarrei der Stadt Adua um Unterstützung gebeten, weil sie nicht mehr genug Lebensmittel für rund 35.000 Binnenflüchtlinge hat, die vor den heftigen Kämpfen und dem Morden im Westen und einigen inneren Teilen von Tigray geflohen sind.

Mehr als 60.000 weitere Menschen sind nach Angaben von Bischof Tesfaselassie Medhin aus den Grenzgebieten im Westen in den Sudan geflohen und suchen dort Schutz. Generell sei es in Tigray schwierig, die Menschen zu versorgen, denn in den meisten Orten sei die Stromversorgung zusammengebrochen, die meisten Banken hätten noch immer geschlossen.

Berichte über Massaker

Der Konflikt zwischen der Regierung in Addis Abeba und der lange in Äthiopien einflussreichen Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF) war Anfang November militärisch eskaliert. Seitdem war Tigray praktisch von der Außenwelt abgeschnitten. Noch immer gibt es keine Internetverbindung, seit kurzem erst sind wieder Telefonate möglich.

Seitdem häufen sich die Berichte von Massakern an Zivilisten in der Region, in der rund sechs Millionen Menschen leben. So soll die eritreische Armee Ende November laut Amnesty International in der Stadt Aksum Hunderte Menschen, darunter viele Frauen, getötet haben. Nach Schätzungen der UN sind 4,5 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen.

missio München hat enge Kontakte in die Region. Im Dezember wurde in Zusammenarbeit mit der Bayerischen Staatskanzlei ein großangelegtes Projekt für Zugang zu sauberem Trinkwasser bewilligt.

(missio münchen – sk)
 

09 März 2021, 10:54