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Ordensfrauen protestieren friedlich in Rangun Ordensfrauen protestieren friedlich in Rangun 

Myanmar: Kirche unterstützt friedliche Proteste

Die Kirche unterstützt nach dem Militärputsch landesweit friedliche Demonstrationen für eine Rückkehr zur Demokratie und eine Freilassung von Aung San Suu Kyi und aller politischer Gefangener. Auch buddhistische Mönche schlossen sich den Protesten laut Medienberichten an. Zugleich kam es offenbar teils zum harten Durchgreifen des Militärs.


In Rangun gingen am Wochenende hunderte Katholiken, darunter viele Ordensfrauen mit Rosenkränzen, auf die Straßen. Auch im Bistum Kengtung im Osten des Landes und im christlich geprägten Teil des Kachin-Staates im Norden Myanmars nahmen Priester, Ordensfrauen und katholische Laien an Demonstrationen der Bewegung für zivilen Ungehorsam (CDM) teil. Schilder mit Aufschriften wie „Nein zur Diktatur“, „Hört auf die Stimmen des Volkes“ und „Lasst Aung San Suu Kyi gehen“ waren dabei zu sehen; die Proteste ereigneten sich sowohl in großen Städten als auch auf dem Land.

Soziale Netzwerke schildern Zusammenstöße

Der katholische Nachrichtendienst Ucanews berichtete über Übergriffe des Militärs und verwies dabei auf in sozialen Netzwerken verbreiteten Fotos von Demonstranten. So hätten Sicherheitskräfte in der Nacht des 14. Februar das Feuer eröffnet, um Protestierende in der Hauptstadt des Kachin-Staates Myitkyina zu zerstreuen. Auch in Kachin sei es zu Zusammenstößen mit Demonstranten gekommen. Am Abend des 14. Februar seien gepanzerte Fahrzeuge in Rangun, Myitkyina und der Hafenstadt Sittwe im westlichen Bundesstaat Rakhine gesehen worden. Am Montag wurde in Myanmar das Internet für mehrere Stunden abgestellt.

Kardinal Bo zitiert Märtyrer-Bischof Romero

Kardinal Charles Bo, Erzbischof von Rangun, verbreitete über Twitter Fotos und Nachrichten über den friedlichen Protest. Der Vorsitzende der nationalen Bischofskonferenz zitierte auf Twitter den Märtyrer-Bischof Óscar Romero von San Salvador, der umgebracht wurde, weil er die Gewalt der Militärdiktatur seines Landes angeprangert hatte: „Diejenigen, die eine Stimme haben, müssen für die sprechen, die keine Stimme haben“ und „Ein Bischof mag sterben, aber die Kirche Gottes, die das Volk ist, wird niemals untergehen“.

„Die Welt schaut zu“

Auch leitete Kardinal Bo über Twitter einen Friedensappel von 15 Botschaftern westlicher Staaten, darunter der USA und Kanada, und mehrerer Länder der Europäischen Union, darunter Deutschland, weiter. Darin rufen die Diplomaten Myanmars Militär zum Gewaltverzicht auf, verurteilen die Inhaftierung von politischen Führern, Aktivisten der Zivilgesellschaft und Amtsträgern, die Schikanen gegen Journalisten und die Unterbrechung der Kommunikation sowie die Einschränkung der Grundrechte dirch das Militär. „Wir unterstützen das Volk von Myanmar in seiner Forderung nach Demokratie, Freiheit, Frieden und Wohlstand. Die Welt schaut zu“, hießt es in dem Aufruf, der auf die verstärkte landesweite Militärpräsenz und die Berichte über Übergriffe von Soldaten auf Demonstranten reagierte.

Zweite Anklage gegen Aung San Suu Kyi

Myanmars vom Militär gestürzte Staatsrätin Aung San Suu Kyi sieht sich derweil einer zweiten Anklage gegenüber. Ein Gericht in der Hauptstadt Naypyidaw habe am Dienstag ein Verfahren wegen des Verstoßes gegen Corona-Schutzmaßnahmen eröffnet, twitterte der unabhängige Nachrichtensender Myanmar Now. Suu Kyi steht seit dem Putsch vom 1. Februar unter Hausarrest. Die Militärjunta hatte Suu Kyi zuvor bereits wegen angeblichen illegalen Imports von sechs Funkgeräten angeklagt.

In Rangun setzte die Bewegung für zivilen Ungehorsam (CDM) auch am Dienstag ihre Proteste gegen das Militär fort. Viele buddhistische Mönche, die bei dem Aufstand 2007 gegen das damalige Militärregime eine führende Rolle spielten, hätten sich der CDM angeschlossen, berichtet Myanmar Now. Bei einer Kundgebung vor der UN-Vertretung in Rangun habe es auf einem Transparent auf Birmanisch und Englisch geheißen: „Mönche wollen keine Militärdiktatur“.

Einen weiteren Schwerpunkt der Aktionen bildete am Dienstag die zum Wirtschaftsimperium des Militärs gehörende Myawaddy-Bank. Vor ihr habe sich eine lange Menschenschlange gebildet, die aus Protest gegen den Staatsstreich ihr Geld abheben wollten, berichtet das unabhängige Portal Irrawaddy.
 

(sir/ucanews/kna – pr)
 

16 Februar 2021, 11:38