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Flüchtlinge aus Burundi und Ruanda unter einer Autobahnbrücke in Nairobi (Kenia) Flüchtlinge aus Burundi und Ruanda unter einer Autobahnbrücke in Nairobi (Kenia)  (ANSA)

Krisen, von denen Sie noch nie gehört haben

Armut, extreme Wetterbedingungen und politische Instabilität: Nirgendwo auf der Welt leiden laut dem Welternährungsprogramm mehr Menschen unter chronischer Unterernährung als in Burundi.

Im Bericht „Suffering in Silence“ der internationalen Hilfsorganisation „Care“, der an diesem Dienstag veröffentlicht wurde, führt das ostafrikanische Land die Rangliste von zehn Krisen an, die 2020 die wenigste mediale Aufmerksamkeit erhielten. Der jährlich erscheinende Bericht macht auf Krisen aufmerksam, die weitgehend unbeachtet von der Weltöffentlichkeit stattfinden.

„Die Covid-19-Pandemie hat globale Ungleichheiten und menschliches Leid auf unerträgliche Weise verschärft“, mahnt Karl-Otto Zentel, Generalsekretär von „Care“ Deutschland. „Die Vereinten Nationen schätzen, dass in diesem Jahr rund 235 Millionen Menschen humanitäre Hilfe benötigen werden. Das ist ein Anstieg um fast 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und damit ein Negativrekord.“

Corona? Nur eine Gefahr unter vielen

Doch in der öffentlichen Wahrnehmung sei kaum Raum für Regionen und Gemeinschaften, die schon vor der Pandemie ums Überleben kämpften. „Mediale Aufmerksamkeit ist eine starke Waffe im Kampf gegen das Vergessen, und daran möchte ‚Care‘ mit dem Bericht ‚Suffering in Silence‘ erinnern.“

Covid-19 ist für die Ärmsten der Armen schlicht eine weitere Gefahr neben vielen. Insbesondere Frauen und Mädchen leiden an Einschränkungen, Nahrungsengpässen und Unsicherheit: „Wenn wir nicht an Covid-19 sterben, sterben wir an Hunger oder Gewalt“, so berichten viele Frauen und Mädchen den „Care“-Teams in Krisengebieten.

Migranten aus Guatemala bei ihrer Abschiebung aus den USA
Migranten aus Guatemala bei ihrer Abschiebung aus den USA

Fünfmal mehr Berichterstattung über den Eurovision Song Contest

Zentel betont: „Um Leid zu lindern, braucht es Aufmerksamkeit. Und die ist leider häufig andernorts zu finden: Über den Eurovision Song Contest wurde 2020 weltweit fast fünfmal mehr berichtet als über alle zehn im Bericht genannten Krisen zusammengenommen.“

Die zehn humanitären Krisen, die 2020 keine Schlagzeilen machten, sind für den neuen „Care“-Bericht folgende:

Burundi – 2,3 Millionen Menschen benötigen humanitäre Hilfe;

Guatemala – 10 Millionen Menschen leben unterhalb der Armutsgrenze;

Zentralafrikanische Republik – Ein Viertel der Bevölkerung wurde vertrieben;

Ukraine – 3,4 Millionen Menschen benötigen humanitäre Hilfe;

Madagaskar – Fast die Hälfte der Kinder leidet wegen Mangelernährung unter Wachstumsverzögerungen;

Malawi – 2,6 Millionen Menschen brauchen Nahrungsmittelhilfe;

Pakistan – 49 Millionen Menschen fehlt es an ausreichend Nahrung;

Mali – 1,3 Millionen Menschen leiden Hunger;

Papua-Neuguinea – 4,6 Millionen Menschen benötigen humanitäre Hilfe;

Sambia - 2,6 Millionen Menschen brauchen Nahrungsmittelhilfe.

An der Grenzlinie zu den Separatisten-Gebieten: Ukrainischer Soldat spielt Geige
An der Grenzlinie zu den Separatisten-Gebieten: Ukrainischer Soldat spielt Geige

Bericht erscheint jährlich

Zur Methodik seines Berichts gibt die Hilfsorganisation „Care“ an, sie habe zunächst eine Liste derjenigen Krisen von 2020 erstellt, die mehr als eine Millionen Menschen betrafen. Als Quelle dienten unter anderem UN-Berichte. Die internationale Medienbeobachtung „Meltwater“ habe diese 45 humanitären Krisen dann auf ihre Medienpräsenz in den Sprachen Englisch, Französisch, Deutsch, Arabisch und Spanisch ausgewertet. Der Bericht „Suffering in Silence“ erscheint seit 2016 jährlich.

(care – sk)
 

12 Januar 2021, 10:27