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Welby und der Papst trafen sich vor genau einem Jahr im Vatikan Welby und der Papst trafen sich vor genau einem Jahr im Vatikan  (ANSA)

Welby, Franziskus und die drei P‘s

„Sehr intensiv“: So beurteilt der anglikanische Primas Justin Welby die Enzyklika Fratelli tutti von Papst Franziskus. Der Text stelle „Christus in die Mitte“ und entwerfe „eine ehrgeizige und mutige Vision einer künftigen, besseren Welt“.

Das sagte der Erzbischof von Westminster jetzt in einem Interview mit den Vatikanmedien. „Die Vision von Papst Franziskus gilt nicht nur der katholischen Kirche, sondern der ganzen Menschheit“, so Welby, der einen guten Draht zum lateinamerikanischen Papst hat.

Angetan ist der anglikanische Kirchenführer von der breiten Spanne an Aspekten menschlichen Lebens, die die Enzyklika in den Blick nimmt: „vom Einzelnen bis zum multinationalen Unternehmen, von der Familie bis zu Handel, Industrie und Politik“.

Ökumene schleift die Barrieren

Welby ermunterte in dem Gespräch auch dazu, in den ökumenischen Bemühungen nicht nachzulassen. „Die Menschen haben eine Tendenz dazu, Barrieren zu errichten und ihr Territorium abzustecken. Das passiert in der Kirche, aber auch in der Politik. Die ökumenische Bewegung tut nichts anderes, als diese Barrieren allmählich zu schleifen.“

Er würdigte die Gemeinsame Erklärung der Kirchen zur Rechtfertigungslehre, die vor ca. zwanzig Jahren erreicht wurde, als ausgesprochen wichtigen Schritt. „Manchmal geht der Schlagbaum hoch, und die Grenze wird durchlässig.“ Der katholisch-lutherischen Erklärung haben sich im Lauf der Jahre auch anglikanische, methodistische und reformierte Christen angeschlossen.

„Geschlossene Kirchen? Christen haben auf Corona die richtige Antwort gegeben“

Zur Corona-Pandemie, die das Vereinte Königreich besonders hart getroffen hat, bemerkte Erzbischof Welby, es stimme nicht, dass die Kirchen geschlossen gewesen seien. „Vielleicht waren es die Gebäude, und auch das sakramentale Leben der Kirche war durcheinander – aber die Kirche war offen. Denn Christen aller Konfessionen haben sich bemüht, anderen zu helfen.“ Das sei die „christliche Antwort auf den Egoismus“, und das funktioniere auch in Zeiten der Pandemie.

Der Traum von der Reise in den Südsudan

Welby würdigte Papst Franziskus als Mann des Friedens. Die geistlichen Exerzitien für politische Führer aus dem Bürgerkriegsland Südsudan, an denen er mit dem Papst zusammen 2019 im Vatikan teilgenommen hatte, seien „eine der intensivsten Erfahrungen meines Lebens“ gewesen. „Es bleibt eine konkrete Hoffnung, dass wir mal gemeinsam in den Südsudan reisen können!“

Am Ende einer Begegnung habe der Papst ihm einmal gesagt, es gebe drei wichtige P’s: „prayer, peace and poverty“ (Gebet, Frieden und Armut). „Ich hoffe, dass diese drei P’s unsere Freundschaft weiter prägen werden: das Gebet füreinander und für die Welt, der Einsatz für Frieden und Versöhnung sowie der Versuch, das Leben der Armen zu verbessern.“

(vatican news – sk)
 

17 November 2020, 12:57