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Friedensgespräche zu Libyen in Genf mit der UN-Beauftragten für Libyen, Stephanie Williams Friedensgespräche zu Libyen in Genf mit der UN-Beauftragten für Libyen, Stephanie Williams  (AFP or licensors)

Libyen: Fortschritte im Friedensprozess

Ein kleiner Hoffnungsschimmer für das Krisenland Libyen: Die von den Vereinten Nationen vermittelten Friedensgespräche zwischen den Konfliktparteien haben erste handfeste Ergebnisse hervorgebracht. So haben sich Vertreter der international anerkannten Regierung des scheidenden Ministerpräsidenten Fajis al-Sarradsch sowie der oppositionellen Miliz um Chalifa Haftar in Genf darauf geeinigt, Straßen und Flugverbindungen zwischen den Regionen wieder zu öffnen. Davon erhoffen sich auch die seit 51 Tagen in Geiselhaft gehaltenen sizilianischen Fischer in libyschen Gewässern eine Freilassung.

Einen wichtigen Impuls, um die Lage im nordafrikanischen Land zu verbessern, kommt von Papst Franziskus: Das glaubt zumindest der Bischof von Mazzara del Vallo auf Sizilien. Franziskus hatte am Sonntag nach dem Angelusgebet an das Schicksal der 18 sizilianischen Fischer erinnert. Im Interview mit Radio Vatikan sagt Domenico Mogavero. 

„Obwohl es keinen direkten Kontakt mit ihnen gibt, bin ich sicher, dass sie von den Worten erfahren haben, die der Heilige Vater über sie gesagt hat. Doch der größte Trost ist das sicherlich für die Familien dieser Seeleute, die Tage großer Bedrängnis erleben müssen, weil sie nichts über den körperlichen und geistigen Zustand ihrer Angehörigen erfahren.“

Wirtschaftliche Interessen

Bei den UNO-Friedensgesprächen in Genf wurde außerdem beschlossen, dass Internet-User strafrechtlich belangt werden sollen, die in den sozialen Medien den Konflikt mit Hassreden anheizen. Doch dass es jetzt überhaupt zu einem Gespräch kam, lag wohl eher an wirtschaftlichen Gründen. Nach Angaben der UN-Beauftragten für Libyen, Stephanie Williams, steht nämlich eine Einigung über die Ölförderung kurz bevor. Beide Seiten wollen den für Devisen wichtigen Wirtschaftszweig wieder ankurbeln, der unter dem Konflikt gelitten hat. Ob die sizilianischen Fischer davon profitieren könnten, sei eine andere Frage, so Bischof Mogavero:

„Kein bloßes Eindringen in libysche Fischgründe“

„Tatsache bleibt jedenfalls, dass es im Moment keinen Ausweg gibt. Man hat das Gefühl, dass die Angelegenheit der Fischer ernst und sehr komplex ist. Da geht es um mehr als um ein angebliches Eindringen in die von den Libyern beanspruchten Fischfangzonen. Diesmal kommt aus politisch-diplomatischer Sicht etwas hinzu, das die Angelegenheit und ihre Lösung sehr kompliziert macht.“

Deshalb sei der Aufruf der Freilassung des Papstes ein wichtiges Zeichen, da Franziskus weltweit als moralische Autorität betrachtet werde und dazu beitragen könne, dass sich durch die Aufmerksamkeit „etwas bewegt, im Sinne der Freilassung der Fischer“.

(vatican news - mg)

22 Oktober 2020, 10:40