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Freiwillige Helfer in den Trümmern von Beirut Freiwillige Helfer in den Trümmern von Beirut  (ANSA)

Libanon: Ruf nach internationaler Untersuchung wird lauter

Im Libanon werden die Rufe nach einer internationalen Untersuchung der verheerenden Explosionen des 4. August immer lauter. Der maronitische Patriarch Béchara Boutros Rai hat schon kurz nach der Katastrophe im Hafen von Beirut gefordert, die Ursachen müssten durch ausländische Experten ermittelt werden.

Jetzt fordert auch der libanesische Großmufti, Scheich Abdul Latif Derian, eine solche internationale Untersuchung. Der Führer der sunnitischen Muslime im Libanon wendet sich damit ebenso wie Kardinal Rai gegen den libanesischen Präsidenten Michel Aoun. Dieser hält eine nationale Ermittlung zu den Ursachen der Explosionen für ausreichend.

Vertrauen wiederherstellen

Auch Demonstranten auf den Straßen von Beirut haben in den Tagen nach der Katastrophe eine internationale Untersuchung gefordert, weil sie der politischen Klasse des Landes nicht mehr trauen. Der Großmufti erklärte, es sei wichtig, jetzt wieder Vertrauen herzustellen. Die Explosionen, bei denen etwa 180 Menschen starben und Zehntausende obdachlos wurden, seien „eines der schlimmsten Verbrechen dieses Jahrhunderts“.

Derian forderte vorgezogene Neuwahlen und einen „radikalen Machtwechsel“ im Libanon. Doch widersprach er Kardinal Rai, der sich in einem Memorandum vor ein paar Tagen für eine strikte außenpolitische Neutralität des Landes eingesetzt hatte.

Den Führern der religiösen und konfessionellen Gruppen im Libanon kommt seit Jahrzehnten eine wichtige politische Rolle zu - unter anderem weil das Personenstandsrecht in ihren Händen, nicht in denen des Staates liegt. Anders als die meisten Demonstranten fordern die religiösen und konfessionellen Gruppen, darunter die christlichen Maroniten, aber keinen radikalen Systemwechsel hin zu einer säkularen Republik.

(vatican news – sk)
 

20 August 2020, 10:29