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Die Basilika des Heiligen Franz von Assisi Die Basilika des Heiligen Franz von Assisi 

Assisi: Corona bei den Franziskanern - aber mit mildem Verlauf

Im Mutterkloster der Franziskaner-Minoriten in Assisi sind mehrere Fälle von Corona-Infektionen aufgetreten. Die Brüder, auch die nicht infizierten, sind isoliert und haben vorerst keinen Kontakt zu Pilgern – sie führen ein für sie ungewohntes Leben wie sonst ihre klausurierten Klarissen-Mitschwestern, erzählte uns am Tag der Heiligen Klara Bruder Thomas Freidel, der deutsche Pilgerseelsorger in Assisi.

Gudrun Sailer sprach via WhatsApp mit Bruder Thomas und wollte zunächst von ihm wissen, wie es zu den Ansteckungen kam.

Bruder Thomas Freidel: Wir haben in unserer Gemeinschaft das Noviziat, in dem junge Mitbrüder aus verschiedenen Ländern ihr Probejahr im Orden absolvieren. Da hat in diesen Tagen ein neuer Kurs begonnen, in dem auch einige junge Männer aus Frankreich hier sind. Bei der Einkleidungsfeier waren Verwandte dieser französischen Novizen hier, und die wurden nach ihrer Rückkehr nach Hause positiv getestet. Das hat uns veranlasst, hier auch zu testen. So wurde es dann offensichtlich, dass eine Reihe Mitbrüdern sich angesteckt hatten. Es sind überwiegend Novizen, aber auch vier Brüder aus unserer Stammkommunität.

Hier zum Hören:

Wie geht es den betroffenen Mitbrüdern?

Bruder Thomas Freidel: Eigentlich ganz gut. Keiner von ihnen ist schwer erkrankt. Sie leben halt komplett isoliert und werden gut versorgt.

Was bedeutet das jetzt für Ihren Konvent, für Sie und Ihre ungefähr 70 Mitbrüder?

Bruder Thomas Freidel: Für uns bedeutet es, dass wir nach wie vor vorsichtig sind, Abstand halten, Hygieneregeln befolgen. Wir feiern unsere Gottesdienste jetzt getrennt in einer separaten Kapelle. Die seelsorgerlichen Dienste in der Basilika werden von Mitbrüdern aus Nachbarklöstern übernommen. Wir sind vor allem wachsam und warten ab, wie es weitergeht. Noch wissen wir nicht, wie wir es nächstes Wochenende zu Maria Himmelfahrt mit den Gottesdiensten halten.

Also jeder sitzt in seiner Zelle? Und hat keinen Kontakt mit Pilgern?

Bruder Thomas Freidel: Ja, jeder bleibt in seinem Zimmer und hat keinen persönlichen Kontakt mit Pilgern. Ich regle alles per Mail und Telefon, wenn Anfragen kommen oder jemand etwas wissen möchte.

„Alle andernen franziskanischen Stätten sind zugänglich“

Ist das aus Ihrer Sicht auch „ geschenkte Zeit" in der Isolation?

Bruder Thomas Freidel: Ja, das kann man durchaus sagen. Es ist eine geschenkte Zeit zum Gebet, Nachdenken und bei sich selber sein. Wir feiern ja heute in der franziskanischen Familie das Fest der Heiligen Klara und sind an diesem Tag besonders mit unseren Mitschwestern, den Klarissen verbunden, die ja immer in Klausur leben - und uns geht es jetzt im Moment genauso. Es soll eine fruchtbare Zeit sein. Natürlich wünschen wir uns, dass die Zeit vorbeigeht, dass wir wieder normale Verhältnisse bekommen.

Wobei im Rest von Assisi ja eigentlich normale Verhältnisse herrschen?

Bruder Thomas Freidel: Ja, es ist wichtig zu erwähnen, dass die Ereignisse auf unser Haus beschränkt sind. Es sind keine außenstehenden Personen betroffen. Wir sind abgeschlossen von der Öffentlichkeit, aber es hat keine Auswirkungen auf die anderen Kirchen oder Klöster oder Gästehäuser oder Hotels hier in der Stadt. Alle andernen franziskanischen Stätten sind zugänglich, und Pilger, die auch zu Fuß unterwegs sind, ich weiß von einigen Gruppen - es gibt keinen Grund, Assisi ganz zu meiden.

(vatican news)

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11. August 2020, 10:52