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Jugendliche protestieren in Beirut gegen Einmischung der USA Jugendliche protestieren in Beirut gegen Einmischung der USA  (ANSA)

Libanon: Kardinal fordert Ende der Einmischung

Der maronitische Patriarch, Kardinal Bechara Rai, hat die regionalen Mächte und die internationale Gemeinschaft aufgefordert, die Neutralität des Libanon in regionalen und globalen Konflikten zu achten.

Externe Eingriffe in die inneren Angelegenheiten des Landes müssten verhindert werden, sagte er in seiner Sonntagspredigt im nordlibanesischen Dimane. Es gehe darum, den Libanon und seine besondere Prägung vor den Gefahren schnelllebiger politischer und militärischer Entwicklungen in der Region zu schützen und aus politischen Achsen und Kämpfen herauszuhalten.

Ausdrücklich verlangte der Kardinalpatriarch auch den Rückzug Israels aus einem umstrittenen Grenzstreifen im libanesisch-syrischen Grenzgebiet (um die Shebaa-Farmen), wie die in Beirut erscheinende Zeitung „The Daily Star" am Sonntag meldete.

„Wir wollen einen freien Staat, der im Namen des Volkes spricht und entscheidet", und der nicht seine Entscheidungsfindung und Souveränität aufgibt, sagte das Oberhaupt von weltweit 3,1 Millionen Maroniten. „Wir wollen nicht, dass eine Partei einseitig über das Schicksal des Libanon entscheidet zusammen mit seinen Menschen, seinem Territorium, seiner Grenze, seiner Identität."

Libanesische Medien sahen darin eine Kritik an der mächtigen politischen Partei Hisbollah, die von ihren Gegnern beschuldigt wird, die Politik der Regierung zu beeinflussen und eine iranische Agenda im Libanon umzusetzen.

Der Kardinal spricht immer deutlicher

Der 80 Jahre alte Patriarch, dessen Amt auch von hoher politischer Bedeutung ist, hatte seine Stellung zuletzt deutlich profiliert und die politischen Kräfte wiederholt und mit Nachdruck zur Einheit und zur Überwindung der wirtschaftlichen und sozialen Krise aufgefordert.

Seit vergangenem Oktober gibt es im Libanon immer wieder Massenproteste gegen die politische Führungsriege, Missstände und Korruption, die auch nach dem Rücktritt von Ministerpräsident Saad Hariri und der Ernennung einer neuen Regierung im Januar anhalten. Das libanesische Pfund fiel laut Medienberichten in den vergangenen Tagen auf ein neues Rekordtief. Der seit 1997 stabile Wechselkurs von 1.500 libanesischen Pfund zu einem Dollar stieg auf dem Schwarzmarkt inzwischen auf rund 9.000 Pfund.

(kap - gs)

13 Juli 2020, 10:32