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Vatican News
In Deutschland ist jüngst die Fleischindustrie in den Fokus der Öffentlichkeit geraten In Deutschland ist jüngst die Fleischindustrie in den Fokus der Öffentlichkeit geraten  (2020 Getty Images)

Welttag für Lebensmittel-Sicherheit

Die Vereinten Nationen begehen am 7. Juni den Welttag der Lebensmittelsicherheit. Der noch junge Gedenktag (er wurde erst im Jahr 2019 eingerichtet) soll darauf aufmerksam machen, was für Folgen verunreinigte oder kontaminierte Lebensmittel für die Gesundheit der Konsumenten weltweit haben. In diesem Jahr stehen die Menschen, die sich im Dienst der Vereinten Nationen um Lebensmittelsicherheit weltweit kümmern, aufgrund der COVID-19-Pandemie vor besonderen Herausforderungen.

Christine Seuss - Vatikanstadt

Tom Heilandt ist einer von ihnen: Der UN-Diplomat ist Sekretär der Kommission Codex Alimentarius, des Organs, das sich im Auftrag der Weltgemeinschaft mit Lebensmittelsicherheit befasst. Wir haben mit ihm gesprochen und ihn gefragt, was zu den Aufgaben seiner Kommission gehört.

Zum Nachhören

„Die Kommission Codex Alimentarius ist im Prinzip eine kleine Unterorganisation der FAO und der Weltgesundheitsorganisation. Wir befassen uns mit Lebensmittelstandards, was die die Nahrungsmittelsicherheit und auch die Qualität betrifft. Das heißt, wir kommen mit unseren 189 Mitgliedsländern zusammen und entscheiden am Verhandlungstisch zum Beispiel unter anderem darüber, was weltweit als Hygiene- und Rückständestandards gelten soll.“

Persönliche Treffen müssen ausfallen

Die in Zusammenhang mit COVID 19 verhängten Beschränkungen haben nun vielen Aktivitäten der Kommission einen abrupten Riegel vorgeschoben. Denn die meiste Arbeit des Codex Alimentarius geschieht über Konferenzen und intensive Verhandlungen mit den Länderverantwortlichen, um international gesicherte und allgemein akzeptierte Standards festzulegen. In diesem Jahr mussten wegen der Pandemie alle angesetzten Treffen abgesagt werden, obwohl bereits viel Zeit und Geld in deren Organisation geflossen war, zeigt sich Heilandt enttäuscht.

„Wir arbeiten zwar wie alle anderen weiter per Zoom und Telekonferenzen, aber es ist natürlich nicht dasselbe als wenn man sich persönlich trifft und gemeinsam verhandelt. Es ist uns ein Anliegen, dass man Nahrungsmittelsicherheit nicht vergisst, denn jedes Jahr werden Millionen Menschen krank und 400.000 Menschen oder mehr sterben jährlich an Krankheiten, die durch kontaminierte oder verdorbene Nahrungsmittel hervorgerufen werden. Deswegen sind wir auch sehr froh, dass wir diesen Tag der Nahrungsmittelsicherheit der Vereinten Nationen haben, den wir jetzt am Sonntag begehen.“ Auch die Festlichkeiten für den Tag, der zumindest einmal im Jahr die stille und beharrliche Arbeit der Lebensmittelwächter in den Vordergrund heben soll, müssen aufgrund der grassierenden Pandemie in diesem Jahr online stattfinden.

Kein Zusammenhang zwischen Infektionen und Lebensmitteln

Zwar sei COVID-19 kein Problem, das die Nahrungsmittelsicherheit direkt betreffe, da bislang kein einziger Fall bekannt geworden sei, wo die Krankheit durch Nahrung übertragen worden sei, gibt Heilandt zu bedenken. „Umgekehrt hat die ganze Situation aber natürlich zu einer Unterbrechung von Versorgungsketten geführt, Arbeiter, die krank werden, Importrestriktionen und so weiter. Und das hat natürlich auch unsere Nahrungsmittelinspekteure in ihrer Arbeit beeinträchtigt, also die Menschen, die sich darum kümmern, zu testen, ob Nahrungsmittel sicher sind. Es kann dazu beitragen, dass Nahrungsmittel, die unsicher sind, nicht erkannt werden, wenn dieser Kontrollmechanismus zusammenbricht. Das ist etwas, worauf wir stark mit den Ländern hinarbeiten. Auch die Länder selbst sind sich dieser Tatsache bewusst und arbeiten daran, das zu verhindern.“

Allerdings liege ein weiteres Risiko der weltweiten Pandemie darin, dass die Länder aus internationalen Vereinbarungen ausbrechen und kurzerhand eigene Standards einführen könnten, was zu Verwirrung im internationalen Handel führen würde, warnt der Experte. Diese Tendenz sei teilweise schon bei wirtschaftlichen Maßnahmen einzelner Länder sichtbar, allerdings bestehe die Arbeit der Kommission auch darin, derartigen Effekten in punkto Lebensmittelsicherheit gegenzusteuern, unterstreicht Heilandt. Insgesamt seien sowohl positive wie auch negative Effekte der COVID-19-Pandemie auf die Lebensmittelsicherheit wohl sehr schwer direkt nachzuweisen sein, gesteht der UN-Diplomat ein.

„Aber natürlich ist uns allen, mich selbst eingeschlossen, durch diese Krise mehr bewusstgeworden, wie wichtig das Händewaschen ist. Und das wirkt sich nicht nur auf die zwischenmenschliche Übertragung von Viren aus, sondern auch darauf, dass die Lebensmittelverarbeitung sicherer wird, weil wir auch dort weniger Keime verbreiten. Das heißt, wenn unser Hygienebewusstsein steigt und besser wird, wird auch die Nahrungsmittelhygiene größer. Und sehr sehr viele Krankheiten sind durch mangelnde Hygiene bedingt. Also, wenn wir darauf achten, kann das einen positiven Effekt haben. Aber weil es so viele andere Effekte im Moment gibt, wird es sehr schwer sein, jemals zu beweisen sein, dass das passiert ist.“

(vatican news)

06 Juni 2020, 07:11