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Papst Franziskus mit Patriarch Sako im Februar dieses Jahres Papst Franziskus mit Patriarch Sako im Februar dieses Jahres  (ANSA)

Patriarch: TV- und Streaming-Gottesdienste, eine Quelle des Trostes

Der chaldäische Patriarch von Bagdad, Kardinal Louis Raphael Sako, hat auf die Kontroverse reagiert, die ein Interview mit Kardinal Sarah bei den chaldäischen Gläubigen ausgelöst hat. Der Präfekt der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung hatte zum Ablauf der Messen in Corona-Zeiten, bei denen der Priester „auf die Kamera und nicht auf Gott blickt“ und bei der Kommunion Handschuhe und Maske trägt, Kritik angemeldet.

In einer auch an AsiaNews geschickten Botschaft an die Gläubigen nimmt Patrirarch Sako zu den Kritikpunkten Stellung. Es handle sich um „momentane“ Veränderungen, die die Kirche ergriffen habe, um die Pandemie einzudämmen, Leib und Blut Christi stünden jedoch weiterhin im Mittelpunkt der Feier, präzisiert er darin.

Der arabischsprachige Text des Interviews, das Kardinal Robert Sarah zugeschrieben werde und auf der Website des „Daily compass“ veröffentlicht wurde, habe bei den chaldäischen Priestern Verwirrung ausgelöst, stellt Sako fest. Er wolle daher klären, dass „die derzeitigen Veränderungen vorübergehend und durch die Ausbreitung der Corona-Pandemie bedingt sind.“ Das Gemeinschaftsgebet und die Messen hätten aufgrund der nun geltenden „sozialen Distanzierungsmassnahmen“ ausgesetzt werden müssen.

Die Pandemie hat die Solidarität unter den Menschen gestärkt

Auch der Islam habe jahrhundertealte Riten umstoßen müssen, selbst in so wichtigen Momenten wie Ramadan und dem Fest des Fastenbrechens. Die Pandemie habe aber auch die „Solidarität unter den Menschen gestärkt“, und die im Internet und in den sozialen Netzwerken verbreiteten Messen seien eine „Quelle des Trostes inmitten so vieler Ängste,“ führt der Patriarch weiter aus.

Diese positive Situation menschlicher Solidarität sehe man vor allem am Engagement von Ärzten, Priestern und Freiwilligen. Die Übertragung der Messen durch Streaming oder im Fernsehen habe den Gläubigen die Teilnahme erleichtert und sie mit Trost und Zuversicht erfüllt. Die Gläubigen würden in dieser außergewöhnlichen Erfahrung durchaus auch eine Gelegenheit sehen, Christus näher zu sein.

„Wir pflegen einen engen Kontakt zu unseren Priestern,“ präzisiert der Patriarch. „In der Kapelle des Patriarchats feiern wir die Messe mit vier Nonnen, zwei Weihbischöfen, einem Priester und mir selbst. Diese Messe ist das Zentrum unseres täglichen Lebens: sie erfüllt unsere Herzen mit Glauben, Vertrauen und Freude.“ Man schaue nicht in die Kamera und auf den Bildschirm, sondern auf die Gestalten von Brot und Wein, die durch den Heiligen Geist in den Leib und das Blut Christi verwandelt werden. Niemand leugne, dass die Eucharistie ein Geschenk Gottes sei, aber der Nutzen dieses Geschenks hänge eben auch mit der schwierigen Situationen zusammen, die durch die Corona-Pandemie entstanden sei.

Die Kritik an der Handkommunion...

Zur Kritik an der Handkommunion bemerkt der Patriarch: „Die Handkommunion ist nichts Neues, sie hat in der Kirche eine lange Tradition: viele Kirchenväter sprechen davon – auch der heilige Ephrem – und die Mehrheit der orthodoxen Kirchen folgt dieser Praxis.“ Sicherlich müsse der Wunsch derer, die um die Kommunion bitten, respektiert werden, aber es gebe eben auch vorbeugende Maßnahmen, die die Priester beachten müssten.

„Auf der Grundlage dieser Elemente bitte ich unsere Bischöfe und Priester, sich von den Argumenten gegen diese Maßnahmen, die nur vorübergehend sind, nicht beeindrucken zu lassen,“ schließt der Kardinal seine Botschaft. „Nach dem Ende der Pandemie muss die Kirche diese Fragen mit Zuversicht, Bereitschaft und einer klaren Vision prüfen, um den Gläubigen zu helfen, ihre Zweifel zu klären und ihren Glauben im täglichen Leben zu praktizieren.“

(asianews - skr)

04 Juni 2020, 15:15