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Indiens Premierminister Narendra Modi Indiens Premierminister Narendra Modi  (AFP or licensors)

Indiens Premier würdigt christliche Minderheit

In einer seltenen Ansprache an eine christliche Gruppe hat der indische Premierminister Narendra Modi versichert, dass seine Regierung „Menschen anderen Glaubens nicht diskriminiert“. Modi sprach zur Eröffnung der Feierlichkeiten zum 90. Geburtstag von Metropolit Joseph Mar Thoma, dem Oberhaupt der in Kerala ansässigen Syrischen Mar-Thoma-Kirche.

Metropolit Joseph ist das 21. Oberhaupt der Mar-Thoma-Kirche. Dabei handelt es sich um eine der sieben Kirchen in Kerala, die ihren Glauben auf den heiligen Thomas zurückführen. Der Apostel predigte der Überlieferung nach 52 n. Chr. an der südindischen Küste. 

„Wir lassen uns von dem Wunsch leiten, 1,3 Milliarden Inder zu stärken, und unser Leitbild ist die Verfassung Indiens“, sagte Modi in seiner Videoansprache an die Christen. In jüngerer Zeit häufen sich die Beschwerden religiöser Minderheiten wie Christen und Muslime darüber, dass Modis Regierung den Säkularismus und die in der Verfassung verankerte Religionsfreiheit untergrabe.

Modi jedoch lobte in seiner Ansprache den Beitrag der Christen zur Nation im Allgemeinen und der Mar-Thoma-Kirche im Besonderen. Seit seinem Regierungsantritt vor sechs Jahren war er nur äußerst selten direkt mit religiösen Minderheiten in Austausch getreten. 

Verschärfung der Situation für religiöse Minderheiten

Modis Bharatiya Janata-Partei (BJP), die den hinduistischen Nationalismus fördert, steht in dem Ruf, verbale und physische Ausschreitungen gegen Christen und Muslime in ganz Indien hinzunehmen beziehungsweise zu unterstützen. Christen, insbesondere in Nordindien, sehen sich dem Vorwurf einer gewaltsamen Bekehrung von Hindus zum Christentum ausgesetzt.

Christliche Vertreter sagen, dass die gewalttätigen Vorfälle seit Antritt der Regierung Modi im Jahr 2014 zugenommen haben. Im Jahr 2016 dokumentierte die Organisation Persecution Relief 330 Fälle, die bis 2017 auf 440 anstiegen. Die Gewalt setzte sich mit 477 Vorfällen im Jahr 2018 und 527 im Jahr 2019 fort. In den ersten vier Monaten des Jahres 2020 wurden 213 Fälle registriert.

Modi sagte, Metropolit Joseph Mar Thoma habe „sein Leben dem Wohl unserer Gesellschaft und Nation gewidmet“. Er habe sich besonders leidenschaftlich für die Beseitigung der Armut und die Stärkung der Rolle der Frauen eingesetzt. „Mit diesem Geist der Demut hat die Mar-Thoma-Kirche daran gearbeitet, einen positiven Unterschied im Leben unserer indischen Mitbürger zu bewirken. Sie hat dies in Bereichen wie dem Gesundheits- und Bildungswesen getan“, betonte Modi.

Im Vergleich zu katholischen und protestantischen Kirchen, die hauptsächlich außerhalb Keralas tätig sind, gibt es in Nordindien weniger Aktivitäten der Mar-Thoma-Kirche unter Stammesangehörigen und Menschen aus den unteren Kasten.

(ucanews - cs)

28 Juni 2020, 09:44