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Der EU-Außenbeauftragte Josip Borrell bei den Brüssel-IV-Gesprächen zu Syrien an diesem Dienstag Der EU-Außenbeauftragte Josip Borrell bei den Brüssel-IV-Gesprächen zu Syrien an diesem Dienstag 

Brüsseler Gespräche für Syrien: Deutschland gibt 1,6 Milliarden

Deutschland will weitere 1,584 Milliarden Euro für Flüchtlinge in Syrien und den Nachbarländern bereitstellen. „Heute können wir deutlich machen, dass die Welt nicht wegsieht. Dass das syrische Volk nicht vergessen wird“, sagte Außenminister Heiko Maas (SPD) am Dienstag während der Brüsseler Geberkonferenz für Syrien. Papst Franziskus hatte am Sonntag beim Angelus für ein Gelingen der Gespräche gebetet und am Dienstag nochmals einen entsprechenden Tweet abgesetzt.

Priorität sei nun, die sogenannte Resolution 2504 zu grenzüberschreitender Hilfe im UN-Sicherheitsrat zu verlängern, erklärte Außenminister Maas am Dienstag. „Das Leben von Millionen Menschen hängt von den Hilfslieferungen ab, die über die Türkei und Irak nach Syrien gelangen“, so Maas. Zudem müssten die Nachbarstaaten Syriens unterstützt werden, die einen Großteil der Flüchtlinge aufgenommen hätten. Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell betonte, dass es wichtig sei, weiterhin nach einer „politischen Lösung“ für den Syrienkonflikt zu suchen.

„Wir haben und werden die Menschen in Syrien nicht vergessen“, so Borrell. Die Präsidentin der Diakonie Katastrophenhilfe, Cornelia Füllkrug-Weitzel, zeigte sich hoffnungsvoll, dass die Bundesregierung die EU-Ratspräsidentschaft nutzen werde, um dem „fest gefahrenen Friedensprozess“ neuen Schwung zu verleihen. „Langfristig hilft den Menschen nur, wenn die Waffen endlich schweigen.“ Zudem machte Füllkrug-Weitzel auf die kritische humanitäre Situation vor Ort aufmerksam. In den vergangenen sechs Monaten habe sich die Zahl der Hungernden um 1,4 Millionen Menschen auf 9,3 Millionen erhöht. Das Welternährungsprogramm berichte, dass die Kosten für Lebensmittel im Laufe eines Jahres um mehr als das Doppelte gestiegen seien. „Natürlich hat der Schutz vor Corona aktuell eine hohe Priorität für die lokalen Helfer. Doch die Pandemie darf nicht dazu führen, dass andere Bereiche der Hilfe vernachlässigt werden.“

Mehr als 80 Staaten und Organisationen nehmen an der Online-Geberkonferenz für Syrien teil. Besonders für die notleidende Zivilbevölkerung sowie die syrischen Flüchtlinge in den Nachbarländern soll finanzielle Unterstützung gesammelt werden. Bei der vergangenen Syrienkonferenz im März 2019 waren rund 6,2 Milliarden Euro für 2019 und 2,1 Milliarden Euro für die Zeit danach zugesagt worden.

Hilferuf aus Aleppo

 

Unterdessen warnte der Obere der Franziskaner in Aleppo, Ibrahim Alsabagh, vor einer Hungersnot in der nordsyrischen Stadt. In einem Schreiben an das Hilfswerk „Initiative Christlicher Orient“, über das die Agentur Kathpress berichtet, macht der Priester dafür die westlichen Sanktionen gegen das Land verantwortlich. Es drohe „grenzenloses Chaos“, so Alsabagh: Bereits jetzt verkauften Menschen aus Not etwa eine ihrer Nieren, die Suizidrate steige. Schätzungen zufolge forderte der seit neun Jahren andauernde Bürgerkrieg in Syrien bereits 400.000 Tote, 5,6 Millionen Syrer sind ins Ausland geflüchtet; 11,7 Millionen Menschen in Syrien sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. Nach neuesten Zahlen des UN-Kinderhilfswerks Unicef wurden seit Beginn des Krieges fast sechs Millionen Kinder in Syrien oder auf der Flucht in einem der Nachbarländer geboren.

(kna - cs)

30 Juni 2020, 12:38