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Vatican News
Andreas Nolte, stellvertretender Vorsitzender des Pfarrgemeinderats der deutschsprachigen katholischen Gemeinde Mailand. Andreas Nolte, stellvertretender Vorsitzender des Pfarrgemeinderats der deutschsprachigen katholischen Gemeinde Mailand. 

Italien: Mailands Rückweg ins Leben

Mehr als 30.000 Tote hat das Corona-Virus in Italien gefordert. Die Region Lombardei um Mailand traf die Pandemie am härtesten. Jetzt wagt das Land erste Schritte zurück in die Normalität. Andreas Nolte vom Pfarrgemeinderat der deutschen Gemeinde Mailand lebt seit 50 Jahren in Italien. Er erzählt im Interview mit dem Podcast Himmelklar, wie er die Lockerungen der Anti-Corona-Maßnahmen in diesen Tagen erlebt.

Mit den Lockerungen der Anti-Corona-Maßnahmen in der vergangenen Woche kehre das öffentliche Leben auch in Italiens Norden ganz langsam zurück, berichtet Nolte. Geschäfte, Bars und Restaurants sind noch weitgehend geschlossen, aber der persönliche Radius der Menschen habe sich immerhin schon erweitert:

„Die Lage hat sich ein bisschen verbessert, dahingehend, dass wir seit Anfang der Woche wieder mehr oder weniger vor das Haus gehen können, wieder Sport treiben können, mit Maske natürlich, social distance, wie wir das in Italien nennen. Also, die Leute halten sich an die Vorschriften, das ist sehr positiv. Wahrscheinlich hat doch die Angst Vorsprung vor dem normalen Drang zur Freiheit, den wir in Italien haben.“

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Nolte denkt mit großem Unbehagen an die letzten Wochen zurück. Ohne soziale Kontakte und ohne richtiges Gemeindeleben sei die Zeit doch recht schwer gewesen. Die Arbeit sei stark zurückgefahren oder ins Homeoffice verlegt worden. Schrecklich seien die täglichen Nachrichten über die Corona-Todesopfer gewesen.

Kein Kontakt mehr zu den Freunden...

„Man hörte jeden Tag um 18.00 Uhr im Fernsehen die schrecklichen Ziffern von virusbefallenen Leuten, von Toten, 400, 500 am Tag. Das war natürlich alles sehr, sehr bestürzend und wie gesagt, man hatte keinen Kontakt mehr zu den Freunden, man hatte keinen Kontakt mehr zur Gemeinde, man konnte nicht zur Kirche in die Messe gehen und man hat Zuhause gebetet und gehofft, dass sich die Situation so schnell wie möglich verbessert, aber das hat leider sehr lange gedauert. Wir durften natürlich mit dem Hund rausgehen, aber auch nur im Umkreis von 200 Metern, das Joggen und Sport war auch nur im Umkreis von 200 Metern möglich. Wir mussten von Anfang an in der Lombardei auch Gesichtsmasken tragen. Viel war nicht zu tun, man durfte mal einkaufen, natürlich Lebensmittel usw., aber das war schon mehr oder weniger alles, was man tun durfte. Denn auch was die Arbeit betrifft, gab es nur ganz gewisse Arten von Büros und von Aktivitäten, die erlaubt waren. Die anderen waren alle locked down.“

Das Gemeindeleben zur Zeit der Corona-Pandemie

Was das Gemeindeleben betrifft, habe man sich angesichts der Corona-Pandemie ziemlich umorganisieren müssen. Die Gläubigen hätten jedoch stets versucht, den Kontakt zu halten – auch dank neuer Mittel, die sie vorher vielleicht nicht so genutzt hatten.

„Ja, das war relativ befremdend alles. Allerdings muss man dazu sagen, dass wir in diesen Wochen und Monaten viele technische Hilfsmittel entdeckt haben, die uns die Möglichkeit gegeben haben, wenigstens virtuell zusammen zu sein. Und das machen wir in der Gemeinde - also der Gemeinderat mit den Seelsorgern -, wir treffen uns jeden Sonntag um 15.30 Uhr und sind dann eine bis anderthalb Stunden zusammen, plaudern über die Situation, über das, was wir machen können, wann es wieder losgeht, wie verschieben wir die Kommunion, und so weiter und sofort. Wir sind auf jeden Fall noch in Kontakt und zusammen.“

Italien: Noch keine öffentlichen Messen... 

Anders als in Deutschland sind in Italien öffentliche Messen noch nicht erlaubt. Die italienische Bischofskonferenz hat sich mit den staatlichen Behörden allerdings darauf verständigt, dass dies ab dem 18. Mai wieder möglich sein soll. So mancher Kirchenvertreter in Italien hätte sich schon viel früher einen solchen Schritt gewünscht, lässt Nolte durchblicken.

„Wenn man die Distanz hält usw., dann sollte es doch auch möglich sein, in die Kirchen zu gehen und eine Messe zu feiern. Man muss dazu sagen: die Kirchen sind offen. Man kann also in die Kirche gehen, aber alleine, es wird kein Gottesdienst gehalten, besser gesagt auch hier nur online. Gottesdienste, so wie wir sie normalerweise kennen, sind noch nicht erlaubt. Es gibt sie nur online. Und das ist eben das Thema, wo man gesagt hat: also wenn man Sicherheitsvorschriften organisiert, dass die Leute nicht nebeneinander sitzen und stehen, sondern zwei Meter voneinander entfernt, warum ist es in so einer Situation nicht möglich, einen Gottesdienst zu feiern? Die letzten Tage scheint durch die positiven Ergebnisse - was die Infizierten und was die Leute betrifft, die es überstanden haben und jetzt wieder gesund sind -, wieder ein bisschen Optimismus aufgekommen zu sein, auch in der Regierung. Anscheinend möchte man jetzt die Sachen noch ein bisschen lockern, und darunter sieht man dann auch die Möglichkeit, wieder eine Messe zu feiern, natürlich mit den Sicherheitsvorkehrungen, die wir brauchen.“

Er persönlich schöpfe in der Pandemie-Zeit Hoffnung aus dem Gebet, so Nolte. Auch die sozialen Kontakte zu seinen Kollegen machten ihm Mut. Langsam sei im gesellschaftlichen Leben auch wieder zu beobachten, dass die Menschen vorsichtigen Optimismus wagten:

„Hoffnung bringt mir einfach, aus dem Fenster zu schauen, und zu sehen, dass sich die Straßen langsam wieder füllen, dass die Leute hinter ihren Masken langsam wieder lächeln können. Und all dies gibt einem Hoffnung. Natürlich gibt es Leute, die mehr oder weniger optimistisch sind. Ich tendiere immer dazu, das Gute und das Schöne im Leben zu sehen und zu sagen: Es gibt Schlimmeres, schauen wir nach vorne, es wird wieder besser.“

Überdiözesanes Podcast-Projekt

Das Interview führte Renardo Schlegelmilch für die Reihe „Podcast Himmelklar“. Himmelklar ist ein überdiözesanes Podcast-Projekt, koordiniert von der MD GmbH und in Zusammenarbeit mit katholisch.de und DOMRADIO.DE.

(himmelklar/vatican news - pr)

11 Mai 2020, 13:28