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Vatican News

Tod am Amazonas: „Der Einschlag von Corona ist brutal“

Paradoxer geht’s nicht mehr. „Wir leben mitten im Amazonasgebiet, das Sauerstoff für die ganze Welt produziert. Und wir sterben, weil wir keinen Sauerstoff haben.“

Stefan von Kempis und Renato Martinez – Vatikanstadt

Das sagt im Gespräch mit Radio Vatikan der Verantwortliche des Bistums Iquitos aus dem peruanischen Teil des Amazonas-Regenwalds. Pater Miguel Fuentes zielt auf das Corona-Virus und seine fürchterlichen Folgen für die armen Länder. Die Probleme bringt er so auf den Punkt: „Es fehlt an Sauerstoff für die Behandlung der Infizierten, an Medizin, und wir sind noch von früheren Epidemien in unserer Region geschwächt.“

Das Bistum, das Fuentes als sogenannter Apostolischer Vikar leitet, hat mit einer Spendenkampagne begonnen, um an Beatmungsgeräte zu kommen. „Der Coronavirus trifft die Menschen in Iquitos und am Fluss sehr hart, es gibt viele Infizierte und Kranke und schon zu viele Tote. Der Virus breitet sich außerdem weiter am Amazonas aus: Außer Iquitos gehören Guayaquil und Manaus schon zu den am meisten betroffenen Städten.“

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In einigen Städten am Amazonas bricht das Gesundheitssystem zusammen

Der „Einschlag“ sei „brutal“, sagt Padre Fuentes. „Denn die allgemeinen Gesundheitsbedingungen hier – ich rede noch nicht mal von den Lebensbedingungen – sind nicht die besten. Wir hatten früher hier eine andere Epidemie, das Dengue-Fieber, dazu kommt die weitverbreitete Armut. Darum trifft uns jetzt diese Pandemie sehr hart.“

Fast 55.000 Menschen haben sich bislang in ganz Peru mit dem Corona-Virus infiziert, mehr als 1.500 Menschen sind daran gestorben. Die Infektionskurve zeigt ungefähr seit Mitte April steil nach oben. Im benachbarten Brasilien sprechen die Bischöfe davon, dass in Manaus und Belem – dort, wo der Amazonas entspringt – das Gesundheitssystem längst zusammenbricht. Indigene trügen ein besonders hohes Risiko, zu erkranken.

Krankenhäuser waren schon vorher überfordert

„Die größte Schwierigkeit für die Kranken und Infizierten besteht darin, dass die Krankenhäuser schon vorher wegen der früheren Epidemien überfordert waren und am Anschlag gearbeitet haben. Man hat andere Räume bereitgestellt, etwa die kirchlichen Altenheime oder Schulen, aber die Überforderung ist deutlich. Kranke finden nur schwierig einen Ort, wo man sich um sie kümmert, es fehlt an Medizin – und wenn man Medizin findet, dann ist sie sehr teuer. Sauerstoff zu finden, ist fast ein Wunder.“

80 oder 80 Prozent in seiner Stadt Iquitos und am Amazonas könnten sich Sauerstoff finanziell überhaupt nicht leisten, schätzt Fuentes. Die Angehörigen von Erkrankten setzten alles in Bewegung, um doch irgendwie an Sauerstoff zu kommen. „Aber klar, diese Bewegung führt auch zu mehr Ansteckungen. Wir würden im Moment täglich 500 Sauerstoff-Flaschen brauchen, allein in Iquitos. Die Produktion kommt gar nicht hinterher, täglich bringen wir es nur auf 200 Flaschen. Darum sterben ganz einfach Menschen, weil sie keinen Sauerstoff bekommen…“

„Man sieht jetzt, wie der Nachbar stirbt, oder jemand aus der eigenen Familie“

Noch im letzten Herbst hat sich eine Bischofssynode im Vatikan auf Anregung von Papst Franziskus mit den Schwierigkeiten des Lebens und der Seelsorge im Amazonasgebiet befasst. Corona war da noch gar nicht absehbar.

„Jetzt sind die Menschen in Iquitos erschrocken und verängstigt. Sie sehen die Toten. Sie sehen, wie alles nach Medizin sucht. Viele greifen in ihrer Not zu traditionellen Hausmitteln, aber das reicht natürlich nicht aus. Man sieht jetzt, wie der Nachbar stirbt, oder jemand aus der eigenen Familie. Darauf hat die Menschen niemand vorbereitet – in einer Sprache, die man hier in der amazonischen Kultur und den indigenen Kulturen verstehen kann.“

(vatican news – sk)
 

07 Mai 2020, 12:05