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Die Nationalgarde vor dem Parlament in Caracas Die Nationalgarde vor dem Parlament in Caracas  (ANSA)

Venezuela: Bischöfe fordern Abdankung Maduros

Einen dringende „Wende“ in Venezuela haben die Bischöfe des von einer sich weiter zuspitzenden sozialen, wirtschaftlichen und politischen Krise erfassten Landes gefordert. Möglich sei diese nur „durch das Abdanken dessen, der die Macht im Staat auf illegitime Weise innehat, und durch baldmöglichste freie Präsidentschaftswahlen“.

Das schreiben die Bischöfe in einem am Freitag veröffentlichten Brief, der an alle Venezolaner im In- und Ausland sowie an die Weltkirche gerichtet ist und zu internationaler Unterstützung für einen Wandel sowie zu humanitärer Hilfe für das südamerikanische Land aufruft.

Am Dienstag zuvor war im Vorfeld der für 2020 anstehenden Parlamentswahlen der Oppositionsführer und vor einem Jahr selbst ausgerufene Interimspräsident Juan Guaidó von Nationalgardisten und Anhängern des Machthabers Nicolás Maduro daran gehindert worden, das Parlamentsgebäude bei der Wahl des Parlamentspräsidenten zu betreten. Daraufhin spaltete sich die Nationalversammlung und wählte zwei Vorsitzende: Die Opposition Guaidó, Maduros Einheitspartei hingegen dessen Rivalen Luis Parra. Die Bischöfe bezeichnen den Vorfall als gewaltsames „Überfahren“ der Nationalversammlung durch das Regime.

Um die Wende herbeizuführen, sei für die Präsidentschaftswahlen die Bildung einer neuen, unparteiischen Wahlkommission ebenso nötig wie eine Aktualisierung des Wahlregisters, die Möglichkeit der Wahlteilnahme für alle im Ausland lebenden Venezolaner und auch die Anwesenheit internationaler Wahlbeobachter, bekräftigen die Bischöfe ihre bereits vor Monaten geäußerten Forderungen. Die Mitglieder von Venezuelas Streitkräfte müssten die Bevölkerung und die Verfassung, auf die sie geschworen hätten und die den Wechsel im Präsidentenamt auch vorsehe, verteidigen und ihrem Gewissen folgen, so der Appell der Kirchenführer.

Maduro „totalitär und inhuman“

Scharfe Kritik äußern die Bischöfe am Maduro-Regime, das ideologisch gesteuert, totalitär und inhuman sei und enormes Leid der Bevölkerung zu verantworten habe. Dessen Führer kümmerten sich nur um eigene Bereicherung statt um das Wohl des Volkes und seien schuld an Menschenrechtsverletzungen. Dissidenten müssten mit Verfolgung, Haft, Folter und Ermordung rechnen, der Drogen- und Menschenhandel blühe, Bodenschätze würden ohne Kontrolle ausgebeutet, zudem verbreiteten Guerillas Schrecken im Volk, geduldet und gefördert vom Militär und den Behörden.

Als „völlig inakzeptabel“ prangern die Bischöfe die völlige Verarmung des durch die weltgrößten Erdölreserven so reichen Landes an. Infolge des Zusammenbruchs der Wirtschaft und des Devisenmangels, welcher den Import von Lebensmitteln, Medikamenten und Dingen des täglichen Bedarfs verunmöglicht, seien die meisten Kinder unterernährt, die Spekulationen überbordend, Korruptionsfälle allgegenwärtig und auch die Bereiche Bildung, Gesundheit und Entwicklung im Argen. Das Reden der Regierung von „Normalzustand“ sei „falsch und zynisch“. „Hört auf den Schrei unseres Volkes!“, fordern die Bischöfe.

Klare Position der Kirche

Explizit wendet sich das Neujahrsschreiben an die 4,5 Millionen der rund 30 Millionen Venezolaner, die infolge der Krise das Land bereits verlassen haben, „oft mit viel Risiko und Entbehrung“, wie die Bischöfe hervorheben. Ebenso wie Venezuela in seiner Geschichte immer Flüchtlinge aus dem Ausland aufgenommen und integriert habe, sollten die Landsleute nun selbst Aufnahme in Würde finden und sich aktiv mit ihren Fähigkeiten in den Aufnahmeländern einbringen. Die von den Emigranten zugesandte Hilfe sei für Venezuela ebenso wichtig wie ihr Mitwirken in den Kirchen im Ausland, so die Bischöfe.

Klar positionieren die Bischöfe die katholische Kirche Venezuelas im anhaltenden Konflikt: Deren Platz sei auch weiterhin eindeutig „auf Seiten jener, die Hunger, Trostlosigkeit, medizinische Vernachlässigung, Gefängnis aus politischen Gründen, Verfolgung und Misshandlung ihrer Würde erleiden“, heißt es in dem Schreiben. Die Bischöfe sehen eine starke „Verpflichtung für das Volk, dem wir gehören“, wie auch die „Prophetenaufgabe, dessen Schrei an alle Menschen guten Willens weiterzutragen“. Dankbar äußern sich die Kirchenführer gegenüber dem starken Rückhalt von Papst Franziskus.

„Dialog einzig möglicher Weg“

Ungeachtet des Abbruchs der von Norwegen vermittelten Gespräche der verfeindeten Gruppen, den Oppositionsführer Guaidó am Freitag zeitgleich zur Veröffentlichung ihres Briefes bekanntgegeben hatte, setzen die Bischöfe weiterhin auf „ehrlichen Dialog und Verhandlungen“. „Wir glauben, dass die internationale Unterstützung vor allem darin bestehen sollte, von der derzeitigen venezolanischen Regierung freie und verlässliche Wahlen einzufordern“, heißt es in dem Schreiben. Darüber hinaus sei zur Abwendung der Not des Volkes „solidarische und humanitäre Hilfe“ wichtig.

(kap – sk)
 

11 Januar 2020, 11:20