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Der russisch-orthodoxe Patriarch Kyrill I. Der russisch-orthodoxe Patriarch Kyrill I.  (ANSA)

Zwist in der orthodoxen Weltkirche vertieft sich

In der russisch-orthodoxen Kirche wird der Name des alexandrinischen Patriarchen Theodoros II. nicht mehr in der Liturgie genannt, weil er die neue „Orthodoxe Kirche der Ukraine“ anerkannt hat.

Das Zerwürfnis in der orthodoxen Weltkirche vertieft sich. Der Heilige Synod des Moskauer Patriarchats hat am Donnerstag in Moskau festgestellt, dass nach der Anerkennung der neugegründeten „Orthodoxen Kirche der Ukraine“ durch den orthodoxen Patriarchen von Alexandrien der Name von Patriarch Theodoros II. in der russischen Kirche nicht mehr in den „Diptychen“ (den Ehrenlisten beim Gottesdienst) genannt werden kann. Auch sei keine eucharistische Gemeinschaft mit ihm mehr möglich.

Gleichzeitig wurde ausdrücklich betont, dass die russische Kirche die Gemeinschaft mit den Bischöfen des Patriarchats von Alexandrien aufrechterhält, „außer mit jenen, die die Legalisierung des ukrainischen Schismas unterstützen“.

„Gegen das Kirchenrecht gerichtete Aktionen“

Drei weitere Maßnahmen wurden beschlossen: Die Aktivität der Vertretung („podworije“) des Patriarchats von Alexandrien beim Moskauer Patriarchat wird unterbunden, die Vertretung des Moskauer Patriarchats in Kairo wird in eine einfache Pfarrei umgewandelt, sämtliche Pfarrgemeinden der russisch-orthodoxen Kirche auf dem afrikanischen Kontinent (die bisher alle dem Patriarchat von Alexandrien unterstanden) werden ab sofort in direkt dem Moskauer Patriarchen unterstellte („stauropigiale“) Gemeinden umgewandelt.

Der Moskauer Heilige Synod betonte seine tiefe Sorge über die „gegen das Kirchenrecht gerichteten Aktionen“ von Patriarch Theodoros, seit er „in Gemeinschaft mit den Schismatikern“ getreten sei. Die Mitglieder des Heiligen Synods erinnerten daran, dass die Entscheidung von Patriarch Theodoros zur Anerkennung der von Metropolit Epifanij (Dumenko) geleiteten „Orthodoxen Kirche der Ukraine“ im Widerspruch zu früheren Aussagen des alexandrinischen Patriarchen steht, in denen er seine Unterstützung für die von Metropolit Onufrij (Berezowskij) geleitete ukrainisch-orthodoxe Kirche bekundete, „zuletzt bei seiner Reise nach Odessa von 27. September bis 1. Oktober 2018“.

Unterstützung für Gipfel in Amman

Epifanij Dumenko gilt nach russisch-orthodoxer Auffassung wegen der Zweifel an der Rechtmäßigkeit seiner Priester- und Bischofsweihe als Laie. Patriarch Theodoros II. habe die Entscheidung „zur Anerkennung der schismatischen Struktur in der Ukraine“ einseitig und allein getroffen, der Heilige Synod von Alexandrien sei bei seiner Sitzung von 7. bis 9. Oktober nicht mit der Frage befasst worden, es habe auch keine Abstimmung der Bischöfe des Patriarchats von Alexandrien über die Anerkennung gegeben. Die Entscheidung von Theodoros II. habe daher „keinen synodalen Charakter“ gehabt.

Bei der Sitzung am 26. Dezember unter dem Vorsitz von Patriarch Kyrill I. sprach der Heilige Synod der russisch-orthodoxen Kirche seine offizielle Zustimmung zu einer Initiative des orthodoxen Patriarchen von Jerusalem, Theophilos III., aus. Dieser will in der jordanischen Hauptstadt Amman die Oberhäupter aller orthodoxen Kirchen versammeln, um die auf dem Hintergrund der ukrainischen Kirchenkrise entstandenen Probleme der kirchlichen Einheit zu lösen.

„Im Geist des Miteinanders“

Theophilos III. hatte diesen Vorschlag im November unterbreitet, als er zur Entgegennahme des „Patriarch Aleksij II.-Preises für den Einsatz zu Gunsten der Einheit der Kirche“ in Moskau war. Der Jerusalemer Patriarch hatte damals erklärt, er wolle die Oberhäupter der orthodoxen Kirchen nach Amman einladen, damit sie „im Geist des Miteinanders, der ‘Koinonia‘“ gemeinsam über die Bewahrung der Einheit in der eucharistischen Gemeinschaft beraten können. Die Einheit der Kirche in Glaube und Leben sei eine Gabe des Heiligen Geistes, aber es sei auch die Verantwortung der Patriarchen und Bischöfe, diese Einheit bis zum Opfer des eigenen Lebens zu bewahren.

In der Erklärung des Moskauer Heiligen Synods wurde die Bedeutung der „brüderlichen Gemeinschaft“ mit Theophilos III. hervorgehoben, in der sich die „traditionell guten Beziehungen zwischen den orthodoxen Kirchen von Moskau und Jerusalem“ spiegle. Die Initiative des Jerusalemer Patriarchen zur Überwindung der Spaltungen und der Wiederherstellung der Einheit in der orthodoxen Kirche wurde positiv bewertet.

Premiere: Gemeinsame Sitzung von Synod und Kirchenrat

Die Bedeutung der Sitzung des Heiligen Synods wurde dadurch hervorgehoben, das tags zuvor – am 25- Dezember – in der „Roten Halle“ der Moskauer Erlöserkathedrale zum ersten Mal seit 100 Jahren eine gemeinsame Sitzung des Heiligen Synods und des Obersten Kirchenrates stattfand. Patriarch Kyrill erinnerte in seiner Eröffnungsansprache daran, dass das Moskauer Lokalkonzil am 7. Dezember 1917 die Einsetzung des Obersten Kirchenrates beschlossen hatte. Er sollte die „horizontalen“ Fragen – soziale, wirtschaftliche, finanzielle, schulische Probleme – behandeln, während sich der Heilige Synod auf die „vertikalen“ Fragen – Liturgie, Heiligsprechungen, Klosterwesen usw. – konzentrieren sollte. In der Folge gab es immer wieder gemeinsame Sitzungen von Heiligem Synod und Oberstem Kirchenrat, aber am 20. November 1920 fand – inmitten der Wirren der Revolution – die letzte solche Sitzung statt.


Nach der Schaffung neuer synodaler Institutionen für verschiedene Sachbereiche sei dann ab 2009 wieder die Notwendigkeit einer Koordination dieser Institutionen deutlich geworden, sagte der Moskauer Patriarch. Daher sei von der Bischofsversammlung im Februar 2011 ein Oberster Kirchenrat geschaffen worden, der dann am 14. April jenes Jahres zum ersten Mal tagte. Bei der ersten gemeinsamen Sitzung von Heiligem Synod und Oberstem Kirchenrat am 25. Dezember ging es jetzt um „kirchenrechtliche Fragen, Probleme der Kirchenleitung und der effizienten Pastoralplanung“, zudem wurden die Jahresberichte der synodalen Institutionen vorgelegt und diskutiert.

(pro oriente – sk)
 

27 Dezember 2019, 14:11