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Malis Präsident (4.v.r.) betet gemeinsam mit anderen Regierungsvertretern der Sahelzone vor einem Grab von 71 nigerianischen Soldaten, die bei einem islamistischen Terrorangriff am 10. Dezember starben Malis Präsident (4.v.r.) betet gemeinsam mit anderen Regierungsvertretern der Sahelzone vor einem Grab von 71 nigerianischen Soldaten, die bei einem islamistischen Terrorangriff am 10. Dezember starben  (AFP or licensors)

Mali: Dialogtreffen mit Plädoyer für säkularen Staat

Im von Unruhen gebeutelten Mali haben sich mehr als 3.000 Vertreter von Politik, Zivilgesellschaft getroffen, um über einen „integrativen nationalen Dialog“ für das westafrikanische Land zu diskutieren. Uneinigkeit gab es bei dem am Sonntag in der Hauptstadt Bamako zu Ende gegangenen Treffens darüber, welche politische Rolle Religion und besonders die Scharia in Zukunft spielen sollte.

Das westafrikanische Mali gilt als eines der ärmsten und unsichersten Länder der Welt. 2012 hatten islamistische Gruppen den Norden des Landes eingenommen, waren jedoch von der ehemaligen Kolonialmacht Frankreich zurückgedrängt worden. Bis heute gibt es regelmäßig Überfälle und Anschläge von Gruppen, die in Verbindung mit Al-Kaida und dem sogenannten „Islamischen Staat“ (IS) stehen. Die UN-Friedensmission „Minusma“ mit tausenden Soldaten, unter anderem aus Deutschland, soll die Situation beruhigen.

„Integrativer nationaler Dialog“

Bei der Eröffnung des „integrativen nationalen Dialoges“, den die Regierung organisiert hatte, zitierte Präsident Ibrahim Boubacar Keita den Koran und verwies auf den Wunsch der muslimischen Religionsführer, die Scharia, das islamische Recht, im Land einzuführen.

Kritik gab es dafür von Daniel Coulibaly, einem Vertreter von katholischen und protestantischen Gläubigen: Der Präsident der Republik könne sich zwar einer Religion zugehörig fühlen, „aber wenn er als Präsident der Republik fungiert, hat er keine Religion, weil das Amt keine Religion hat", sagte er. Er lehnte auch den Vorschlag des Vertreters des Hohen Islamischen Rates (HIC) ab, dass der Präsident der Republik einen Eid auf das heilige Buch seines Glaubens, also entweder den Koran oder die Bibel, ablegen solle.

„Keine Rückkehr ins Mittelalter“

Starke Worte für die Trennung von Religion und Staat fand Traoré Lalia Ba, der für die Zivilgesellschaft sprach: „Rühr meinen Säkularismus nicht an!", sagte er. „Wir können die Scharia nicht in unsere Bildung einbauen."

„Wir müssen rückschrittliche Praktiken vermeiden", fügte Djadja Traoré hinzu, Mitglied einer Bürgerkoalition. Eine Anpassung des Landes an die Scharia würde „das Land ins Mittelalter zurückversetzen“, kritisierte sie.

Das könnte ein „Islamischer Staat“ im Extremfall bedeuten

Was eine Regierung im Extremfall nach der Scharia bedeuten würde, konnte Mali im Jahr 2012 erleben, als islamistische Terrorgruppen in den nördlichen Regionen Gao, Timbuktu und Kidal einen islamischen Staat nach ihrer Interpretation der Scharia errichteten. Die Terrormilizen befahlen die Steinigung eines unverheiratet zusammenlebenden Paares und ließen Menschen wegen Diebstahl oder Ehebruch öffentlich auspeitschen. Frauen mussten sich im Rahmen einer neuen Kleiderordnung voll verschleiern und durften Männern nicht mehr die Hand geben. Der Konsum von Alkohol und Nikotin wurde verboten, Gräber mehrerer moslemischer Heiliger aus mehr als fünf Jahrhunderten wurden abgerissen und Manuskripte zerstört.

Vielfalt des Denkens stärkt ein Land

Am Ende der Konferenz forderten die Teilnehmer eine Neudefinition des „Handlungsfeldes traditioneller Legitimitäten und religiöser Autoritäten". Sie forderten die politischen Akteure auf, sich von „religiösen Formationen und anderen religiös organisierten Gruppen" zu distanzieren und betonten, dass es die Vielfalt des Denkens sei, die ein Land stärke.

(cath.ch– isc)

24 Dezember 2019, 11:28